Der Graf von Morella hatte den Ebro mit nicht ganz 5000 Mann Infanterie und etwa 400 Pferden passirt, da mehrere Bataillone von ihm abgeschnitten wurden, andere die Garnison von Morella bildeten, alle aber durch die wiederholten empfindlichen Verluste des Frühjahres sehr geschwächt waren. Wir sahen oben, wie der größte Theil der Cavallerie dem Brigadier Palacios sich anschloß. Er vereinigte sich alsbald mit den Divisionen von Catalonien, welche durch Königliche Ordre bald nach der Ermordung des Grafen von España gleichfalls seinen Befehlen untergeben waren. Auch sie hatten schon bedeutende Verluste erlitten und zählten nur noch 5000 Mann.
Der General wandte sich nach Berga, welches er auf den besten Vertheidungszustand zu bringen befahl, während er noch einmal einen Rest der alten Energie zeigte, da er die Mörder des heldenmüthigen de España nach der Strenge der Gesetze bestrafen ließ. Mehrere Theilnehmer der Schandthat wurden arretirt und sogleich erschossen; die meisten hatten sich auf die Nachricht seiner Annäherung durch die Flucht gerettet.
Espartero aber, so wie er Morella erobert hatte, führte zur Verfolgung der Carlisten den größten Theil seines Heeres über den Ebro und übernahm den Oberbefehl im Fürstenthum Catalonien. Er drängte rasch die schwachen, ihm entgegengestellten Truppen in die Gebirge von Hoch-Catalonien zurück, ohne irgendwo kräftigen Widerstand zu finden. Berga wurde nach leichten Scharmützeln eingeschlossen; es ergab sich, ehe noch die Belagerungs-Artillerie herangebracht war. Das Heer, fortwährend den Kampf vermeidend, zog sich auf dem Fuße verfolgt nach der Gränze zurück, welche seit dem Anfange des Julius täglich Flüchtlinge, Beamte, Priester, Weiber und Kinder überschritten, denen bald einzelne Officiere sich anschlossen. — Am 6. Juli führte Cabrera etwa 8000 Menschen von der Armee von Aragon, unter denen über 3000 Nichtcombattanten, auf das französische Gebiet, wo er arretirt und nach Paris mit Gensdarmen gebracht wurde. Die catalonischen Truppen, deren Anführer General Segarra zu den Feinden überging, zerstreuten sich größtentheils, der Rest folgte alsbald ihren Gefährten nach Frankreich, und die unbedeutenden Banden, welche hauptsächlich unter der Anführung des Generals Tristany noch einige Wochen lang die rauhen Schluchten der catalonischen Pyrenäen durchzogen, wurden ohne Mühe erdrückt und vernichtet.
Nach fast siebenjährigem Bürgerkriege, durch ihre Selbstsucht hervorgerufen, sahen die Männer der Revolution ihre Herrschaft über das verwüstete, mit dem Blute seiner besten Söhne getränkte Königreich befestigt. Sie zögerten nicht, den schmählich erkauften Triumph würdig zu benutzen. Maria Christina, so lange ihr Werkzeug, nun als überflüssig mit Hohn bei Seite geworfen, sollte das erste Opfer ihrer Umtriebe werden.
[121] Einige Zeilen, die ich dort in dem Verstecke in mein Tagebuch notirte, schließen nach kurzer Erzählung des Geschehenen mit den Worten: „Jetzt liege ich in einem Pinar verborgen, von glühendem Durste gequält. Mein treuer Bursche Marco Valero von Royuela hat mich nicht verlassen; er schläft an meiner Seite. — O Spanien! O meine Heimath!“
XL.
Vom Gouverneur von Teruel mit hoher Artigkeit empfangen, entging ich nicht den Insulten des Nationalgarden-Pöbels, besonders, da ich das weiße Barett der Carlisten nicht ablegte und nie verheimlichte, daß ich nur durch die Macht der Verhältnisse gezwungen und mit bitterem Schmerze jetzt dem Kampfe für die Sache des Royalismus entsagte. Am Nachmittage wurden einige hundert Gefangene von den Truppen von Cañete, so wie die Besatzung von Beteta eingebracht. Wuthgeheul begrüßte sie, und trotz dem kräftigen Einschreiten des Militairs wurden mehrere der Unglücklichen durch Steine schwer verletzt. Ein armer Priester aber, der früher in der Stadt angestellt gewesen war, hatte, die Wuth der Elenden fürchtend, — er hatte die päpstlichen Indulgenz-Bullen, deren Ertrag für die Kriegscasse der Carlisten vom Papst bestimmt war, in der Provinz Teruel verkauft und dabei manche Härte ausgeübt — vom Chef der Escorte erlangt, mit zwei Soldaten in einem Gartenhäuschen bis zum Anbruche der Nacht zu bleiben. Eine rasende Schaar flog auf die Kunde davon hinaus und bemächtigte sich des Priesters; Weiber mordeten ihn unter langen, entsetzlichen Martern und Gräueln mit Scheeren und Nadeln.
Am 21. Juni Morgens verließ ich zu Fuß Teruel, die werthvollsten Gegenstände, welche ich gerettet, in einem Pakete tragend. Ich ahnete nicht, daß Gefahr existiren könne, oder sorgte sie nicht in meinen düstern Gedanken, weshalb ich ganz allein den Marsch nach Frankreich antrat. Ein halbes Stündchen war ich gegangen, als ein Mann keuchend mich einholte und mir im Namen des Gouverneurs befahl, zu diesem zurückzukehren. Kaum waren wir hundert Schritt weit zurückgegangen, als ein zweiter Kerl, in einen zerlumpten rothen Mantel gehüllt, sich uns zugesellte und auf meine andere Seite trat; eine kleine Strecke weiter trafen wir zwei ähnliche Menschen im Chausseegraben sitzend, welche bei unserer Annäherung sich erhoben.