[14] Da ein Capitain mit seiner Compagnie zur Besetzung und Vertheidigung einer Reihe Felsen beordert wurde, sah ich ihn seine Leute im Kreise zum Beten des Rosenkranzes vereinigen, worauf er einen Caplan bat, ihnen für den Fall des Todes die Absolution zu ertheilen, was sogleich feierlich geschah.
[15] Als die Feinde Passages nahmen, fanden sie dort nur Weiber. Die Männer ohne Ausnahme waren den Carlisten gefolgt, und ergriffen die Waffen gegen ihre Unterdrücker.
[16] Viele behaupteten, nur auf ein Jahr sich engagirt zu haben, und weigerten sich daher, ferner zu dienen.
V.
Es ist Viel über die empörenden Grausamkeiten geschrieben, die allgemein wie besonders gegen die Kriegsgefangenen von beiden Partheien im spanischen Bürgerkriege begangen sind; und — wie die Umstände es mit sich brachten — die öffentliche Meinung hat sich allgemein gegen die Carlisten als Urheber und Hervorrufer jener Schreckens-Scenen ausgesprochen. Dieses war natürlich. Die Constitutionellen hatten zu ihrer Verfügung zahlreiche öffentliche Blätter, durch die sie sich bemüheten, die Ereignisse so darzustellen, wie es ihren Zwecken genehm war. Sie schilderten jede neue Rachethat der Carlisten mit den schwärzesten Farben, die ihre Phantasie hervorzubeschwören vermochte, während sie die unglaublichen Frevel, durch die jene Thaten hervorgerufen und ihre Gegner zu wildester, rücksichtsloser Verzweiflung gereizt sein mußten, ganz mit Stillschweigen übergingen. Sie fanden aber in der liberalen Presse der Nachbarländer eifrige Verbündete, welche sich beeilten, die so entstellten Thatsachen zu verbreiten, durch ganz Europa den Schrei des Abscheu’s gegen die Royalisten Spanien’s ertönen zu machen. Diese dagegen besaßen nicht solche Zeitschriften, selbst nicht Zeit zum Schreiben und zum Aufklären des Truges, sie waren genöthigt, zu den Verleumdungen zu schweigen, die meistens wohl nicht ein Mal bis zu ihren Bergen und Lagern durchdrangen; und wenn etwa eine vereinzelte Stimme in der Fremde zur Rechtfertigung der schmählich Verleumdeten sich erhob, war sie bald durch hundertfaches Geschrei der Getäuschten oder bei der Täuschung Interessirten übertönt und erstickt.
Ich werde durch Thatsachen, von deren Genauigkeit ich mich zu überzeugen Gelegenheit hatte, das gegen die Carlisten als Menschen so allgemein herrschende Vorurtheil zu bekämpfen suchen, wie sehr ich auch die Schwierigkeit und Undankbarkeit des Unternehmens würdige: — gerade seinen Vorurtheilen klammert das arme Menschen-Geschlecht ja am festesten sich an. Dabei muß ich voraussenden, daß ich keinesweges leugne, daß von einzelnen Individuen Grausamkeiten begangen sind: in solchem Kriege und bei solchem Charakter des Volkes waren sie unvermeidlich. Aber die Tendenz der Carlisten als Ganzes, ihrer Leiter und hervorstehenden Personen war stets auf Milde und Großmuth gerichtet; selbst da verleugneten sie diese nicht, wo Pflicht der Selbsterhaltung, Pflicht gegen ihre Untergebenen sie zwang, den Schreckens-Maßregeln der Christinos durch Strenge einen Damm zu setzen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Übrigens bezieht sich das hier zu Sagende, wenn auch großen Theils auf ihn anwendbar, nicht auf den — stets als blutdürstigen Tiger bezeichneten — General Cabrera. Gegen ihn haben so mannigfache Stimmen sich erhoben, mit Hintansetzung alles Rechtes und aller Wahrheit so die Schmähungen ihm gehäuft, daß die Gerechtigkeit erfordert, ihm später abgesondert einige Zeilen zu widmen.
Werfen wir einen Blick auf den Beginn des Bürgerkrieges, auf die Zeit, da kurz nach Ferdinands VII. Tode die baskischen Provinzen und in den andern Theilen des Königreiches viele einzelne Edle für Carl V. zu den Waffen griffen. In Blut sollte da der drohende Aufstand erstickt werden: in allen Städten wurden Blutgerüste errichtet, die Verdächtigen wurden eingekerkert, die mit den Waffen in der Hand Gefangenen sofort erschossen. Wir sahen früher, wie die Anhänger der unschuldigen Isabella in den Nordprovinzen wütheten, wie dort Mina, Sarsfield, Valdes, Lorenzo, Rodil in Mord und Zerstörung wetteiferten. Sie erließen Tod und Vernichtung athmende Edikte, sie brannten die Dörfer der aufgestandenen Distrikte nieder, zerstörten Saaten und Vorräthe, schändeten die Frauen und Mädchen und opferten ohne Barmherzigkeit, wen immer sie den carlistischen Guerrillas angehörig oder ihnen nur günstig gesinnt glaubten. Bald fiel der edle Don Santos Ladron, der General, der unter Ferdinand VII. an die Spitze der Getreuen sich gestellt hatte, in Lorenzo’s Hände: mit seinen Gefährten ward er zu Pamplona rücklings erschossen, worauf der Mörder, seiner Schandthat sich rühmend, neue Proclamationen, noch mehr Mord schnaubend als die früheren, erließ und freudig den Entschluß des Gouvernements ankündigte, keinem Rebellen Gnade zu schenken.