[18] Ich las sie wiederholt.
[19] Auf Befehl des Commandeurs der Reserve-Armee, General Narvaez, wurden diese Gräuel im Jahr 1838 auf den höchsten Grad gesteigert; selbst die Christinos schrieen entsetzt gegen solches Übermaß der Grausamkeit.
[20] Die Königinn ist bei solcher Regierungsform Nichts, eine Puppe, die eben so gut durch jede andere ersetzt oder gar ganz bei Seite geworfen wird.
VI.
Früher sagte ich, daß, seit General Villareal an Graf Casa Egina’s Statt den Oberbefehl der carlistischen Armee übernommen, eine plötzliche Änderung des Kriegssystems eingetreten sei. Villareal glaubte des Sieges sich zu versichern, da er, statt wie bisher, durch allmähliches Ausbreiten der Herrschaft in dem Hauptsitze des Aufstandes sich zu stärken, nach den andern Provinzen des Königreiches Truppencorps entsendete, um sie zu insurrectioniren und den etwa vorhandenen Krieges-Elementen einen festen Anhaltspunkt zu geben, wie zur Erleichterung des auf den baskischen Provinzen lastenden Druckes und um die Hülfsquellen von ganz Spanien sich zugänglich zu machen. Die Expeditionen von D. Basilio Garcia, Gomez und Sanz, rasch auf einander folgend oder gleichzeitig, waren die ersten Resultate der neuen Politik; ich werde sie, um Verwirrung zu vermeiden, nach einander behandeln. Später werde ich die Nachtheile zeigen, welche diese Expeditionen, so wie sie ausgeführt wurden, nach sich ziehen mußten; die Kühnheit und Gewandheit, die einige von ihnen bis tief in’s Innere des feindlichen Gebietes mitten zwischen weit überlegenen Divisionen hinführte, konnte übrigens leicht das Urtheil des Zuschauers bestechen, und als Beweis ihrer Zweckmäßigkeit wurde angeführt, was nur für die Bravour und Standhaftigkeit der Truppen, wie für die Vorzüge der Anführer zeugen kann.
Am 15. Juni passirte D. Basilio Garcia den Ebro unterhalb Logroño mit 3000 Mann Infanterie und 200 Pferden; er warf sich in die pinares — mit Fichtenwaldungen bedecktes Gebirgsland — von Soria, nahm diese Stadt und wandte sich nach zweitägigem Aufenthalte daselbst nach der Provinz Guadalajara. Cordova hatte zu seiner Verfolgung den General Bernuy mit 5000 Mann ausgesendet, eine zweite Colonne unter General Aspiroz eilte von Madrid aus ihm entgegen. Don Basilio aber, gewandt beiden Divisionen ausweichend, durchzog ganz Neu-Castilien und den größten Theil Nieder-Aragon’s, drang in die bedeutenderen Städte, ohne sich jedoch irgendwo festsetzen zu können, und erhob allenthalben Contributionen und Mannschaft. Nachdem er so während zweier Monate den Krieg bis zur Mancha getragen und zwei Mal durch seine Annäherung Madrid in höchsten Schrecken versetzt, nahm er bei Ararzo 300 Mann gefangen, schlug den Angriff Bernuy’s, der ihn zum ersten Male bei Maranchon ereilte, mit schwerem Verluste zurück und langte am 26. Aug. mit 1200 Rekruten, fast 800 Gefangenen und 240 beladenen Maulthieren nebst bedeutenden Geldsummen in Navarra an.
Von höherem Interesse war die Expedition des General Gomez, der am 26. Juni 1836 Amurrio in Alava mit fünf Bataillonen und zwei Escadronen, 2700 Mann Infanterie und 170 Pferden, verließ und, nachdem er am 27. die feindliche Reserve-Division unter General Tello, 6000 Mann stark, seinen Abmarsch zu hindern bestimmt, bei Revilla gänzlich geschlagen, in Asturias eindrang. Der Brigadier Marquis von Bóveda begleitete ihn als Chef des Generalstabes. Er sollte in Asturias und Galicien sich festsetzen, beide Provinzen insurrectioniren, die dortigen carlistischen Banden um sich sammeln und organisiren und so versuchen, sie auf den Zustand zu heben, in dem die baskischen Provinzen sich befanden, mit denen sie durch das Gebirge von Santander leicht in Verbindung standen; die Ausführung des Planes hätte der Sache Christina’s verderblich werden müssen. Schon im Jahre 1835 war General Eraso, einer der ersten und edelsten carlistischen Feldherrn, der nach Zumalacarregui’s Tode den Oberbefehl, schon gleichfalls dem Tode nahe, ablehnte, mit einigen Bataillonen nach Asturien vorgedrungen; sein Versuch scheiterte jedoch an dem Grund-Typus des Charakters der Asturianer und Galicier, der ängstlich berechnenden Vorsicht, die ihnen, wie carlistisch sie gesinnt sein mochten, nicht erlaubte, die Waffen zu ergreifen, wo sie sofort Übel ohne Zahl aus solchen Schritten erwarten durften. Übrigens boten beide Provinzen große Vortheile für die Kriegsart der Carlisten dar, da sie sehr gebirgig und doch großentheils fruchtbar sind und unendlichen Reichthum an Vieh haben. Dagegen ist dort das Geld sehr selten, indem der Handel mit den Produkten des Landes trotz der günstigen Lage unbedeutend bleibt, daher das Sprichwort: „der Galicier hat Alles im Hause, nur kein Geld.“ In der That erzeugt das Land alle Bedürfnisse im Überfluß, und die große Sparsamkeit der Galicier, die ihnen den Ruf des Geizes zu Wege gebracht, macht, daß im Innern der Provinz die Bewohner eines jeden Hauses das irgend Nöthige aus den selbst gewonnenen Produkten zu verfertigen wissen.