Nachdem Gomez, schon hart verfolgt, in den Gebirgen des südlichen Asturien manövrirt, warf er sich durch einen raschen Contremarsch auf die Hauptstadt Oviedo und ruhete dort drei Tage lang. General Espartero war ihm mit seiner Division, 9000 Mann in 12 Bataillonen, von Vizcaya aus gefolgt, während der General-Capitain von Alt-Castilien, General Manso, mit 5000 Mann von Süden gegen ihn rückte; so konnte sich Gomez, da er wenig Anklang fand, in Asturien nicht halten und wandte sich, ein kleines dort gebildetes Bataillon zurücklassend, nach Galicien, vereinigte einen Theil der dortigen Guerrillas und zog am 18. Juli in die Hauptstadt, Santiago de Compostella ein, die der General-Capitain des Königreiches geräumt hatte. Er ward dort mit hohem Enthusiasmus empfangen und konnte sofort ein starkes Bataillon aus zuströmenden Freiwilligen bilden. Da er jedoch nach zwei Tagen bei Annäherung der durch General Pardiñas verstärkten Division Espartero die Stadt geräumt hatte, blieben am Abend des ersten Marschtages noch siebenzehn Soldaten des Bataillons übrig, da die andern nach Santiago zurückgekehrt waren. Er durchzog, stets die feindlichen Generale täuschend, in jedem Sinne die Provinz, glaubte aber, da die Theilnahme gering, die gegen ihn operirenden Streitkräfte unendlich überlegen waren, sich nicht in ihr festsetzen zu können. So kehrte er, die Feinde weit zurücklassend, nach Asturien zurück und drang, während man in Madrid, da er in dem Winkel Galicien’s eingeschlossen, die Nachricht seiner Vernichtung erwartete, anfangs August’s in das Königreich Leon ein, dessen Hauptstadt er gleichfalls besetzte.
Einige Wochen operirte Gomez in den Provinzen Leon, Palencia und Burgos; sein Auftrag war, wiewohl unerfüllt, beendigt, dazu hemmten die Gefangenen, deren Zahl schon die seiner Truppen überstieg, jede Bewegung. Er suchte daher, in Gewaltmärschen die feindliche Linie cotoyirend, sie zu durchbrechen und so nach Vizcaya zurückzukehren. Doch während Espartero und Manso ihn kräftig drängten, hatte sich Cordova zwischen ihn und die Linie geschoben, den Durchbruch unmöglich machend, weshalb Gomez, da er in einem Nachtrab-Gefechte etwa 100 Mann verloren, was Espartero als Vernichtung der Division berichtete, nach gehaltenem Kriegsrathe in das Innere der Halbinsel den Krieg zu tragen beschloß und also nach Osten sich wandte, wo er mit den carlistischen Chefs in Aragon sich zu vereinigen hoffte.
Am 23. August zog das Expeditions-Corps in Palencia ein, und große Magazine von Kriegsbedürfnissen jeder Art nebst mehreren Cassen fielen in seine Hände, dann drang es in die Provinz Guadalajara vor und setzte Madrid in solche Bestürzung, daß alle compromittirten Personen ihre Effekten gepackt, die Ministerien und anderen Behörden sich zur Flucht vorbereitet hatten. Brigadier Lopez wurde mit seiner Brigade, 3000 M. stark, als Avantgarde des Kriegsministers, Marquis Rodil, der mit der ganzen Besatzung von Madrid nach der Nordarmee hatte abgehen sollen, gegen Gomez beordert, während Alaix mit der Division Espartero ihn auf dem Fuße verfolgte und die mobile Colonne von Soria von Norden ihn bedrohen und hindern sollte, nach Navarra sich zu wenden.[21] Am 30. August fand Gomez die Brigade Lopez in einer vortheilhaften Stellung im Dorfe Matillos bei Jadraque, zehn Meilen von Madrid: die Truppen hatten, da Lopez sich zurückziehen wollte, ihren Anführer gezwungen, den Feind zu erwarten. Gomez umstellte das auf einer Höhe liegende Dorf und griff kraftvoll an; nach einer halben Stunde war das Dorf erstürmt, Lopez mit 2800 Mann gefangen, seine beiden Geschütze waren genommen und nur zwei Uhlanen entkamen, den geängstigten Bewohnern Madrid’s die Nachricht von der Vernichtung der Brigade zu bringen. Gomez aber, seiner Schwäche sich wohl bewußt, setzte den Marsch nach Aragon fort; er durchzog die Provinz Cuenca, nahm Moya, drang bis Chelva im Königreiche Valencia und vereinigte sich, da er seine Verwundeten und alle Gefangenen nach Cantavieja geschickt, bei Utiel mit General Cabrera, der den größten Theil seiner Cavallerie und die Brigaden Quilez und Miralles, 3400 Mann Infanterie und 400 Pferde, ihm zuführte.
Gomez beschloß nun, nach seiner Heimath Andalusien vorzudringen, da die Fruchtbarkeit dieser Königreiche und ihr nicht durch den Krieg verminderter Reichthum ihm herrliche Beute versprachen, wenn er selbst nicht dort sich festsetzen könnte, was der Charakter der Andalusier wohl nicht mit Grund hoffen ließ. Unendlich schlau, selbstsüchtig und lebenslustig sind sie wenig geneigt, die Ruhe des Friedens gegen die Beschwerden zu vertauschen, die der Krieg unvermeidlich macht; sie fühlen sich nicht so sehr durch ihre Meinungen hingerissen, daß sie deshalb den Gefahren einer Erhebung, den Leiden sich aussetzten, die die Niederlage mit sich bringen müßte. In ihrer Indolenz und Trägheit, die doch mit glühendem Blute und wild aufbrausender Leidenschaftlichkeit verbunden sind, ist ihr einziges Streben auf Lebensgenuß gerichtet, und wenig kümmert es sie, ob Carl V., ob Isabella’s Vormünder ihnen Gesetze ertheilen. Sie ziehen es vor, den Gang der Ereignisse abzuwarten, um in dem Augenblicke, der den Sieg für eine der streitenden Partheien sich entscheiden sieht, mit hohem Enthusiasmus sich zu erheben und einstimmig als begeisterte, ruhm- und lohnwürdige Patrioten sich zu verkünden. Ein geistreicher Officier, selbst Andalusier, stellte einst die Behauptung auf, der Krieg werde erst beendigt sein, wenn ganz Andalusien in Masse sich erhoben hätte; denn, setzte er auf das ungläubige Lächeln der Umstehenden hinzu, meine Landsleute rühren sich gewiß nicht, bis sie den Sieg für uns entschieden sehen.
Die Christinos boten nun alle Kräfte auf, um Gomez’s weitere Fortschritte zu hindern, weshalb General Rodil Madrid mit allen disponibeln Truppen verließ und, die Hauptstadt deckend, über Guadalajara mit 8000 Mann heranzog, während Alaix mit 9000 Mann unmittelbar die Expedition verfolgen sollte. Die vereinigten carlistischen Führer brachen am 15. Sept., nachdem ein Versuch gegen das feste Requena mißlungen, nach der Mancha auf, wurden aber am 19. bei Tagesanbruch in Villarrobledo auf der Gränze von Cuenca und la Mancha durch Alaix überfallen. Es gelang diesem, den rechten Flügel der Carlisten, ehe er überrascht sich hatte formiren können, zu werfen, und trotz einiger glänzenden Chargen der beiden Escadronen des Brigadiers Villalobos ritt der Chef der feindlichen Cavallerie, Oberst Don Diego Leon, mit dem Regiment Husaren der Kronprinzessinn, einige Bataillone nieder, die in wilder Verwirrung dem nahen Gebirge zuflohen. Der linke Flügel aber unter Cabrera’s Befehl wies, an das Gebirge gestützt, den Angriff kräftig zurück und deckte durch seine feste Haltung den Rückzug der übrigen Corps; dennoch verloren die Carlisten gegen 1300 Gefangene von den Bataillonen, die vor dem Andringen der Husaren sich zerstreut und dadurch wehrlos sich in ihre Hände gegeben hatten. Alaix hätte durch energische Benutzung seines Sieges dem Expeditions-Corps verderblich werden können. Er blieb aber, seine erschöpften Truppen ruhen zu lassen und die Gefangenen nach Cartagena zu senden, in Villarrobledo stehen und setzte sich erst nach mehreren Tagen zur Verfolgung in Bewegung.
Gomez hatte, so wie er die geschlagenen Truppen formirt, den Marsch auf Andalusien fortgesetzt. Er durchkreuzte die Mancha, warf sich in die Sierra morena, passirte den Engpaß des Despeñaperros, wo nur auf enger, zwischen Felsen und Abgründen eingezwängter Straße die Verbindung zwischen Castilien und Andalusien möglich ist, und zog am 26. Sept. in la Carolina im Königreiche Jaen, dann in das Innere streifend in Ubeda am Guadalquivir, in Baylen und Andujar auf der großen Heerstraße ein, überschritt jenen Fluß und rückte gegen Cordova vor. Am 30. Sept. erschien Cabrera, der die Vorhut befehligte, vor den Thoren der reichen Hauptstadt, wo Niemand den Feind erwartet hatte; ungeheure Verwirrung herrschte, während die Truppen und National-Gardisten großentheils in die Forts sich einschließen wollten, eilten andere zur Vertheidigung der Mauern und Thore. Da Cabrera, der an der Spitze einiger Reiter die Stadt umkreisete, einem derselben sich nähernd, es geschlossen aber ohne Truppen fand, befahl er den Einwohnern, es zu öffnen, und stürmte durch die Straßen, aus denen die Besatzung nach den Forts sich zurückzog, wo sie bald, 3500 M. stark mit drei Kanonen, sich ergab. Die Eroberung Cordova’s hatte dem eben so braven als wie loyalen Cavallerie-Brigadier Villalobos das Leben gekostet, da er mit weniger Mannschaft einem der festen Gebäude zufällig sich genähert hatte.
Von allen Seiten eilten die feindlichen Massen herbei, um combinirt das kleine Carlisten-Corps zu vernichten. Alaix hatte schon die Sierra morena überstiegen, und Rodil, durch die Vereinigung mit der Division Rivero 11000 Mann stark, zog durch die Mancha heran, während der General-Capitain von Andalusien die ganze Provinz in Kriegszustand erklärte und bei Sevilla ein Corps zusammenzog, General Escalante mit einer kleinen Colonne von Malaga, General Quiroga eben so von Granada und eine dritte Colonne von Estremadura heranrückte. Trotz so vieler drohenden Maßregeln konnte Gomez vierzehn Tage lang in Cordova bleiben, wo er eine Regierungs-Junta errichtet hatte und dauernde Herrschaft zu beabsichtigen schien; der größte Theil der Provinz, den Krieg schon als beendigt ansehend, proclamirte jubelnd Karl V. als König. Zahlreiche Rekruten-Bataillone, aus den Freiwilligen gebildet, die von allen Seiten herbeigeströmt, wurden rasch organisirt und exercirt. Damals zählte Gomez etwa 13000 Mann unter seinem Commando, weshalb ihm häufig zum Vorwurf gemacht ist, daß er mit solchen Streitkräften sich nicht in Cordova behauptete; doch darf nicht übersehen werden, daß ihm nicht nur die feindlichen Führer um mehr als das Doppelte überlegen blieben, sondern auch die Hälfte seiner Truppen aus so eben bewaffneten Rekruten bestand, daß die Lage der Provinz Cordova, rings den feindlichen Colonnen offen, sehr ungünstig ist, während die wilde und ganz nackte Sierra morena wohl Räuber-Banden bergen, nicht aber einer Armee als dauernder Aufenthalt und Stütze dienen kann, daß endlich von dem Geiste der Einwohner, so hell er plötzlich aufloderte, auf die Länge nichts erwartet werden durfte.
Nachdem Cabrera am 5. Oct. bei Baena die Colonne Escalante’s vernichtet und 400 Mann gefangen hatte, zog am 9. Gomez dem nahenden Alaix entgegen, kehrte jedoch ohne Kampf zurück und räumte am 13. die Stadt, die der Feind sogleich besetzte und unter dem Vorwande, die royalistisch Gesinnten zu strafen, fast sie ganz plünderte; die Truppen ließen die furchtbarsten Excesse sich zu Schulden kommen, Alaix selbst warf viele der angesehensten Einwohner in’s Gefängniß, erhob schwere Contributionen, raubte die kostbaren Kirchen-Geräthe und behandelte die Stadt schlimmer als eine feindliche. Gomez aber ward von dem Bedauern der Einwohner begleitet, als er abzog. Während der ganzen Expedition zeigte er so viel Menschlichkeit und Milde, daß selbst die Christinos einige Mal sein untadelhaftes Betragen anzuerkennen genöthigt waren: überall ward das Privat-Eigenthum streng respektirt und Niemand seiner Meinung wegen belästigt; er verkündete im Namen des Königs allgemeine Amnestie für Diejenigen, welche sich unterwürfen, und begnügte sich die National-Gardisten zu entwaffnen, wo sie sich nicht widersetzten, wenn sie aber Widerstand leisteten, als Kriegsgefangene sie zu behandeln. Viele von diesen entließ er nach kurzer Haft in ihre Heimath. Gomez sorgte dafür, daß die Contributionen, welche er allenthalben erheben mußte, mit Rücksicht eingetrieben wurden, die Disciplin wurde unter den Truppen mit Strenge aufrecht erhalten, jede Gewaltthätigkeit, jeder Insult hart bestraft, Plünderungen fanden selbst in den mit den Waffen in der Hand genommenen Städten niemals Statt. Dennoch hatten die häufigen Gefechte, da die Gefangenen stets dem Sieger ihr Geld ausliefern mußten, und die zahllosen Convoys und königl. Cassen, die auf dem langen Zuge der Division in die Hände fielen und unter die Truppen vertheilt wurden, solchen Überfluß an Geld in dem Corps erzeugt, daß die Einzelnen, in deren Taschen, wie gewöhnlich im Kriegerleben, durch Spiel das Geld sich concentrirte, dem Bürger allenthalben 25 und 30 duros in Silber für eine Gold-Unze — 16 duros, 84 francs — gaben.
Der eine Vorwurf, der nach deutschem Kriegsrechte dem carlistischen General gemacht werden könnte — er ließ die Gefangenen, wenn sie den forcirten Märschen nicht folgen konnten, niederschießen — ist durch spanischen Kriegsbrauch ganz zurückgewiesen, wie denn auch die Feinde stets eben dasselbe thaten und deßhalb nie der Grausamkeit ihn anklagten. Dagegen ließ Alaix in allen Orten des gewiß christinoschen Gebietes, in denen die Expedition gewesen, seine Soldaten ungestraft Ausschweifungen begehen, und fünf Parlamentäre, welche Gomez mit Vorschlägen wegen Auswechselung der Gefangenen und der Etablirung neutraler Hospitäler zu ihm gesendet hatte, unter ihnen einen Oberst, schickte er als Kriegsgefangene nach Granada. Die Anträge aber seines edlen Feindes, ihm die Gefangenen, da sie nicht zu folgen vermochten, gegen einen Empfangschein überliefern zu wollen, wogegen er eben so viele Carlisten, sobald er könne, zurückzugeben habe, wies er mit der Bemerkung zurück, die Gefangenen seien ihrer Parthei todt, möchten also seinetwegen sterben.