Nach der Räumung Cordova’s warf sich Gomez in die Sierra morena. General Rodil im Norden, General Alaix im Süden folgten seinem Marsche parallel auf einer Entfernung von vier bis fünf Meilen, ohne daß einer der beiden einen Angriff auf das Expeditions-Corps versucht hätte, welches so zwischen sie eingezwängt war. Nachdem er drei Tage in solcher Begleitung geblieben war, täuschte Gomez die ihrer Beute gewissen, stets für den nächsten Bericht die Vernichtung des schon rettungslosen Feindes verheißenden Generale, ließ sie weit zurück, stieg vom Gebirge nach Norden herab und erschien nach einigen Scheinmärschen am 22. Oct. vor der festen Stadt Almaden, bekannt durch seine reichen Quecksilber-Minen. Die Avantgarde unter Cabrera’s Führung überraschte eine vom General Flinter, dem Chef der activen Division von Estremadura, zur Recognoscirung entsendete Schwadron Carabiniers und drang mit ihr, auf dem Fuße sie verfolgend, in die Stadt ein, wo auf die größte Sorglosigkeit, da Niemand, auf den Schutz der christinoschen Divisionen vertrauend, einen Angriff erwartet, eben so große Verwirrung folgte. Flinter, ein Engländer, und Brigadier de la Fuente, Gouverneur der Festung, schlossen sich mit 1800 Mann in zwei massive Gebäude ein, schnelle Hülfe hoffend, mußten aber, da diese nicht erschien, nach verzweifeltem Widerstande, capituliren. Zwei Tage nachher überschritt Gomez, der dem Drängen anderer Chefs auf Vernichtung der Quecksilber-Minen fest widerstanden hatte, die Guadiana und stand am 27. in der bedeutenden Stadt Guadalupe in der Provinz Toledo, schon nahe der Gränze von Estremadura, wohin er sich wandte: ihm parallel, wenige Stunden, wie immer entfernt, folgte General Rodil, der gleichfalls die Guadiana passirt hatte.

Die feindlichen Anführer schmiedeten fortwährend Einfange-Pläne, bald selbst von den liberalen Blättern mit Hohn bedeckt, da ihr gerühmtes System der parallelen Linien den einzigen Erfolg hatte, daß die in jeder Depeche als ganz umstellt geschilderte Expeditions-Division stets von neuem unter den Händen ihnen entschlüpft war und nebenher von Stadt zu Stadt unbelästigt einherzog. General Narvaez war mit neuen 6000 Mann von Madrid hergesandt: er sollte, die Hauptstadt deckend, Gomez von Osten drängen, während Rodil, den Übergang über den Tajo zu vertheidigen, beim Puente del Arzobispo sich aufstellte und Alaix, der nun auch die Sierra morena überschritten, im Süden an der Guadiana operirend, die Carlisten von dort abschneiden und, wenn sie gegen den Tajo vorgingen, auf Rodil werfen sollte, um sie zwischen beiden Corps zu erdrücken. Gomez aber, anstatt wie man gewiß erwartete, den Übergang dieses Flusses zu versuchen und durch das westliche Spanien nach den baskischen Provinzen sich zu wenden, stand bis zum 3. November abwechselnd in den reichen Städten Caceres und Trujillo, ruhig hin und her die schönsten Gegenden Estremadura’s durchziehend und seinen Truppen die nöthige Erholung gebend. Indem ihm eben so langsam die Division Rodil auf der gewöhnlichen Entfernung von einigen Leguas folgte, entwaffnete er allenthalben die National-Gardisten, die zitternd sich unterwarfen, rüstete die zahlreichen Partheigänger der Provinz und wandte sich, da er einen vollständigen Aufstand nicht organisiren konnte, unerwartet wieder gen Süden. Am 6. Nov. passirte er die Guadiana bei Medellin, wenige Stunden von Alaix entfernt, und drang in das Königreich Sevilla ein.

Cabrera, der seine Unzufriedenheit über die Vorsicht des Obergenerals, der ihm zu sehr den Kampf vermied, nicht verhehlte, trennte sich mit einem großen Theile der Cavallerie von dem Expeditions-Corps, und zog durch die Sierra morena, die Mancha und Castilien den ihm untergebenen Provinzen zu, da die beunruhigenden Nachrichten, welche von dorther über die durch den Feind errungenen Vortheile einliefen, seine Gegenwart unumgänglich erforderten. Miralles — el serrador — war schon früher mit seiner Brigade dahin zurückgekehrt, so daß nur noch die schwache Brigade Quilez mit Gomez’s Division vereinigt blieb, welche nun 5000 Mann Infanterie und etwa 1000 Pferde zählte, die meistens in Andalusien requirirt durch besondere Güte sich auszeichneten. Die dort neu gebildeten Bataillone hatten sich natürlich fast ganz zerstreut, so wie die Strapazen zugenommen. Das Commando der schönen Division Rodil, dessen Unthätigkeit die Christinos erbitterte, war dem General Rivero übertragen.

Gomez durchzog den westlichen Theil von Sevilla, die herrliche Stadt bedrohend, überschritt am 10. Nov. den Guadalquivir und nahm am 14. Ecija, eine der ersten Städte des Königreiches in der fruchtbaren Ebene von Sevilla. Vier Divisionen, ein Ganzes von 30000 Mann bildend und fortwährend verstärkt, operirten nun gegen ihn, da Espinosa im Süden ihn bedrohete, während Narvaez Sevilla deckte und Alaix von Norden, Rivero von Osten her drängten. Dennoch wand sich Gomez mitten zwischen die feindlichen Colonnen hindurch, erreichte die Sierra de Ronda, nahm am 16. Nov. diese Stadt und richtete sich, alle vier Divisionen hinter sich herziehend, nach dem äußersten Süden der Halbinsel, wo er in Algeciras eindrang und San Roque und das campo de Gibraltar[22] besuchte, dessen Garnison unter die englischen Kanonen sich geflüchtet hatte. Ein englisches und ein portugiesisches Kriegsschiff beschossen hier, jedoch fast ganz ohne Effekt, die Division; auch nahmen sie das Fahrzeug, auf dem die Junta mit einem Theile der königlichen Gelder — 30000 Thlr. — sich eingeschifft, und lieferten sie den Christinos aus. Da aber die Feinde dem Expeditions-Corps, zwischen ihren Truppen und dem Meere auf der schmalen vorspringenden Südspitze des Königreiches eingeschlossen, jeden Ausweg sicher genommen glaubten, hatte Gomez wiederum die christinoschen Generale getäuscht und, wiewohl so furchtbar bedrängt, daß er die Division in mehrere kleine Colonnen theilen mußte, die Sierra de Ronda erreicht, wo er, am 25. Nov. von Narvaez am Guadalete ereilt, 150 Gefangene verlor, welche von der Nachhut abgeschnitten wurden.

Gomez’s Lage war höchst bedenklich. Er war umringt von sechsfach überlegenen Streitkräften in einer Provinz, in der er keinen Anhaltspunkt hatte, ohne irgend eine Verbindung mit den carlistischen Armeen und vor Allem beschwert und gehemmt durch mehrere tausend Gefangene und einen ungeheuren aus Maulthieren und großen Wagen bestehenden, oft zwei und drei Stunden Weges einnehmenden Convoy, wie die Beute nach solcher Expedition ihn bilden mußte. In Andalusien länger sich zu halten war unmöglich, und doch hatte er bestimmten Befehl, im Süden Spanien’s zu verharren, um die Aufmerksamkeit der Feinde zu theilen und nicht vor der Einnahme von Bilbao die bedeutenden ihn verfolgenden Truppenmassen nach den Nord-Provinzen zu ziehen. Gomez glaubte trotz dem der Nothwendigkeit weichen zu müssen; gewiß fehlte er schwer, da er direkt jenen Provinzen sich zuwandte. Einmal entschlossen, that er zur Rettung seiner Division das unmöglich Scheinende: nachdem er den größten Theil der Gefangenen in Freiheit gesetzt hatte, legte er in sechs und zwanzig Tagen auf großen Umwegen die Entfernung von dem Felsen Gibraltar’s zu dem vizcaischen Meere zurück, indem das Corps täglich Märsche von zwölf bis vierzehn Stunden, an einzelnen Tagen bis zu siebenzehn Stunden machte. Nur spanische Truppen möchten zu Ähnlichem fähig sein. Noch erstaunlicher ist, daß die ihn verfolgende Colonne nicht nur eben diese ungeheuren Märsche machen, sondern selbst ein Mal ihn überholen konnte.

Über Ossuna und Lucena richtete sich Gomez auf das Königreich Jaen; am 29. November ward er von Alaix bei Alcaudete überrascht, litt jedoch außer einem Theile der Bagage keinen Verlust. Er passirte die Guadiana, überschritt am 2. December die Sierra morena durch den Despeñaperros und durchkreuzte in stets forcirten Märschen die Provinzen der Mancha und Guadalajara. Ihm folgte auf dem Fuße Alaix, von dessen Division 800 Mann, die durch so gewaltige Anstrengungen erschöpft zurückblieben, unter einigen Sergeanten nach Jaen zogen und die Stadt plünderten. Am 8. December langte Gomez nach einem Marsche von funfzehn Stunden Abends neun Uhr in Huete an: eine Stunde später überfiel Alaix, der an dem Tage siebenzehn Stunden zurückgelegt, die Stadt, in der die Compagnien mit Austheilung des Soldes beschäftigt waren. Er machte ungeheure Beute, aber kaum 200 Gefangene, da die Division nach den ersten Schüssen zwar in gränzenloser Verwirrung aus der Stadt entflohen war, sich aber sofort in dem Felde formirte und kaum eine Meile entfernt in Ordnung campirte. Sie durchzog mit reißender Schnelle die Provinzen Soria und Burgos, passirte den Ebro und langte am 19. December in Orduña, der Hauptstadt Vizcaya’s, an. Zugleich war Alaix mit den 6000 Mann, die von seiner Colonne ihm gefolgt, in Valmaseda angekommen und vereinigte sich mit Espartero, ihm folgten Rivero und Narvaez. Am 24. December erstürmte Espartero die Positionen der Carlisten vor Bilbao und entsetzte die wichtige Stadt.

Gomez, da er mit 2900 Mann die Nord-Provinzen verlassen und fortwährend von zwei bis fünf überlegenen Corps verfolgt wurde, hatte in sechs Monaten Spanien in jeder Hinsicht durchkreuzt; er hatte alle Provinzen des Königreiches, mit Ausnahme von Catalonien, berührt und war in viele der bedeutendsten Städte eingerückt. Wie oft er auch in den Berichten der Feinde als verloren, vernichtet erschien, wußte er immer durch gewandte Bewegungen sie zu täuschen, er nahm unter ihren Augen verschiedene feste Punkte und vernichtete selbst durch glückliche Gefechte mehrere Colonnen. Häufig mit doppelt so viel Gefangenen belastet, als er selbst Truppen zählte, lieferte er in die Depots der Nord-Armee und von Aragon über 9000 Gefangene ab, wiewohl er alle National-Gardisten und später viele Soldaten in Freiheit gesetzt hatte; und trotz so vieler Beschwerden und Kämpfe, trotz der erlittenen Unfälle kehrte er endlich mit fast 5000 Mann, worunter 700 Pferde, vollkommen organisirt und disciplinirt, nach Vizcaya zurück.

Zum Erstaunen Aller, welche nur diese glänzende Seite der Expedition beachteten, ward Gomez sogleich seines Commandos entsetzt, arretirt und vor ein Kriegsgericht gestellt. Er wurde angeklagt, seinen ursprünglichen Auftrag in Galicien und Asturien nicht erfüllt, später den erhaltenen Befehlen zuwider das südliche Spanien verlassen und durch seine Rückkehr das Scheitern des Unternehmens auf Bilbao veranlaßt zu haben. Dazu kamen Beschuldigungen über Mißbrauch und Vergeudung der königlichen Gelder; doch wurden sie nie bewiesen. Später ward Gomez in Rücksicht auf seine sonst ausgezeichneten Dienste durch die Gnade des Königs in Freiheit gesetzt.