General Uranga hatte seit dem Abmarsche Zariategui’s bedeutende Vortheile davon getragen, indem die Unordnungen, welche unter den in den feindlichen Linien gebliebenen Truppen einrissen, ihm erlaubten, trotz seiner Schwäche die Offensive zu ergreifen. Escalera war von der nichtssagenden Verfolgung unserer Division eilig zurückgekehrt, um das bedrohete Peñacerrada zu decken; seine Soldaten ermordeten ihn zu Miranda de Ebro, und der greise Sarsfield, Vicekönig von Navarra, hatte am 26. August zu Pamplona dasselbe Geschick. Sofort warf sich Uranga auf das feste Peñacerrada, wichtig, weil es sowohl die directe Verbindung zwischen Vitoria und Logroña und dadurch zwischen dem östlichen und westlichen Theile des Kriegstheaters, als die reiche alavesische Rioja beherrscht; da der Feind keinen Versuch zum Entsatze machte, mußte die Garnison, 400 Mann mit vier schweren Geschützen, sich gefangen ergeben. Dann beschoß er den Brückenkopf von Lodosa, einen Hauptpunct der Ebro-Linie, und schlug den Partheigänger Zurbano, der dem bedroheten Fort zu Hülfe eilte, in der Ebene von Logroño südlich vom Ebro mit Verlust von 400 Todten und Gefangenen, wiewohl die Annäherung Ulibarren’s von dem westlichen Navarra her ihn nöthigte, die Belagerung aufzuheben. General Garcia aber nahm und zerstörte die Linie von Zubiri, seit so langer Zeit der Gegenstand täglicher Kämpfe, und öffnete den carlistischen Invasionen den feindlichen Theil von Navarra und das ganze Ober-Aragon; er belagerte Peralta, welches er früher schon überrascht, und zwang die 500 Mann starke Besatzung zur Capitulation. Ulibarren nahm es in der Mitte Octobers wieder. Zugleich erstürmten die Carlisten in der Linie von San Sebastian das von den Anglo-Christinos genommene Andoain, wobei mehrere Compagnien Engländer, die, in die Kirche eingeschlossen, bis sie ihre letzte Patrone verschossen, muthig sich vertheidigten, in die Pfanne gehauen wurden, wie so oft von ihren spanischen Gefährten erbärmlich verlassen.

Espartero war dem Könige nach den Nordprovinzen gefolgt und bezog wiederum die gewöhnlichen Stellungen in Alava und längs dem Ebro. Er beschäftigte sich während der letzten Monate des Jahres nur mit der Bestrafung der begangenen Excesse, vor Allem der an den Generalen verübten Morde, und mit Einführung einer strengen Disciplin, der seine Truppen so sehr bedurften. Die Vernichtung der französischen Legion, von der nur einige hundert Mann überblieben, welche fast alle nach Frankreich zurückgingen; die Entlassung der Trümmer der englischen Legion, da ihre Dienstzeit abgelaufen, und die Zurückrufung der portugiesischen Hülfs-Division nach ihrem Vaterlande hatten sein Heer sehr geschwächt, das nun mit Ausnahme von etwa 1500 Briten, die sich auf ein Jahr länger engagirten, ganz aus Spaniern bestand. Alle diese Verluste so wie die, welche der blutige Feldzug veranlaßt hatte, wurden indessen durch die Verstärkungen, die während desselben mit Entblößung der nicht aufgestandenen Provinzen zu ihm gestoßen waren, und durch eine neue bedeutende Quinta vollkommen ersetzt.

[38] ojala, wollte Gott, daß...! Daher Die, welche sich begnügten, mit ihren Wünschen den Erfolg der Sache zu befördern, von den Soldaten ojalateros genannt.

XIII.

Beobachten wir den Gang der Ereignisse in den baskischen Provinzen seit der Schilderhebung ihrer Bewohner, so frappirt uns die Bemerkung der anfänglichen außerordentlichen Fortschritte der Carlisten-Schaaren, des plötzlichen Stillstandes, der dann in ihrer Siegeslaufbahn folgte, und endlich des Rückganges, welcher nach einigen vergeblichen Versuchen zur Erlangung der früheren Superiorität mit dem gänzlichen Unterliegen der Parthei endete. Während Zumalacarregui, überall angreifend, überall siegreich, die Colonnen der Christinos vernichtet, ihre Massen zurückgewiesen, das Land nach Wegnahme aller festen Anhaltspunkte ihnen geschlossen hatte, werden seine Krieger später selbst in den ihnen ganz ergebenen Provinzen bedroht und angegriffen und statt kräftiger Offensive auf nie entscheidenden Vertheidigungskrieg beschränkt. Die Carlisten, da sie anfangs ohne Waffen, ohne Material und ohne Organisation die an Zahl unendlich überlegenen und mit allem der neueren Kriegskunst Nothwendigen im Überfluß versehenen Feinde verachten durften, sehen wir in den letzten Jahren mit Erstaunen die festen Positionen und die Forts, nicht selten ohne Kampf, verlieren, durch die ihnen der Eintritt in die benachbarten Gebiete des Feindes offen steht, und die ihm ihre eigenen Thäler verschließen. Und doch liefern ihnen nun ausgezeichnete Fabriken das sonst Fehlende; doch übertreffen sie, von erfahrenen Führern disciplinirt, schon ihre Gegner eben so an Kriegszucht, wie früher an Unerschrockenheit, und das Terrain, stets den Carlisten verbündet, stellt dem angreifenden Feinde seine furchtbaren Hindernisse entgegen!

Zur richtigen Würdigung der Ursachen, welche jene so verschiedenen Resultate erzeugten, werde ich darthun, wie es möglich war, daß die Carlisten überall, wo sie bedeutendere Corps bildeten, so große Vortheile davon trugen; und welche Gründe dann den Stillstand nothwendig nach sich ziehen und die Vertheidiger Carls V. von Stufe zu Stufe völligem Untergange zuführen mußten.

Die Hauptursache der Überlegenheit der früheren carlistischen Truppen beruht ohne Zweifel in dem Charakter und den Neigungen des spanischen Volkes, welche seine Art, den Krieg zu führen, von der aller andern europäischen Nationen wesentlich verschieden machen. Wie Spanien, von dem übrigen Europa durch die Pyrenäen-Kette geschieden, geographisch durch Lage, Clima und Produkte mehr Afrika angehört, so hat auch der Spanier in jeder Hinsicht größere Ähnlichkeit mit dem Morgenländer als mit Europa’s Völkern. Innige, achthundert Jahre lang dauernde Verschmelzung mit den durch muhamedanischen Enthusiasmus nach allen Weltgegenden fortgeschleuderten Arabern nährte in den Bewohnern der meisten Provinzen solche Hinneigung, die in ihrem Äußern, ihren Vorzügen, Leidenschaften, Sitten und Gebräuchen hervortritt, welche mit denen der Bewohner Nordafrika’s und des südwestlichen Asiens übereinstimmen. In Nichts ist jedoch die Ähnlichkeit der Spanier mit den Morgenländern so auffallend wie in ihrer Kriegesart.

Der Europäer kämpft in geschlossenen Massen, er sucht seine Stärke in der Vereinigung, er tritt seinem Gegner offen und fest gegenüber und thut keinen Schritt rückwärts, ohne von seinen Chefs dazu befehligt zu sein; ihm ist der Einzelne Nichts: im unbedingten Gehorsam, im nie schwankenden Zusammenwirken Aller weiß er das Element des Sieges zu finden. Diese Art zu kriegen hat den Heeren Europa’s die Überlegenheit gegeben, welche sie seit Jahrtausenden gegen die zahllosen Schwärme der Asiaten gelten machen. Diese fechten dagegen in langen aufgelöseten Reihen, sie brausen heran zum wilden Sturme und prallen zurück, um wieder zu gleichem Versuche vorzudringen; mehr vertrauen sie der persönlichen Gewandtheit und Kraft als des Führers weisen Anordnungen. Von dem Augenblicke an, in dem er die Seinen zum Kampfe führt, ist der Feldherr Soldat, welcher, der Leitung seiner Leute beraubt, nur noch durch individuelle Bravour vor ihnen hervorsticht und von ihrem Muthe den Sieg hoffen muß.