Durch seine Lage auf einer kleinen Felseninsel wird Cadix zur außerordentlich starken Festung gemacht, während die Nähe des festen Landes ihm erlaubt, den höchsten Einfluß auf die dortigen Ereignisse zu üben, wie in den Kriegen und Umwälzungen, welche in diesem Jahrhunderte die Halbinsel zerrütteten, mehrfach sich bewährt hat. Die Entfernung von der Küste reicht hin, um gegen eine Belagerung von dort aus wie gegen die Wirkung auch der schwersten Kanonen die Stadt zu sichern, doch vermögen große Mörser ihre Geschosse bis zu ihr zu schleudern; so verursachten die Franzosen in dem einen Stadtviertel, bis in welches sie ihre Bomben trieben, einige Verheerung, da sie die gewaltigen Mörser, welche später als Trophäe nach England gebracht wurden, nahe am Strande aufgepflanzt hatten. Eine zwei Stunden lange, schmale Landenge verbindet die Festung mit der Isla de Leon und der auf derselben liegenden Stadt San Fernando, die, gleichfalls stark befestigt und durch einen Wassergraben ganz vom Lande getrennt, als Außenwerk von Cadix betrachtet werden darf. Jene Enge, künstlich erhoben, ist so schmal, daß die auf ihr hinlaufende Chaussée zu beiden Seiten vom Meere bespült und zur Zeit der höchsten Ebbe von grundlosem Moraste umgeben, oft aber von den Wellen bedeckt ist; sie wird durch starke Cortaduras — Abschnitte — gedeckt und kann in wenigen Minuten ganz vernichtet werden.
Noch gehören mehrere bedeutende, zum Theil auf abgesonderten Inselchen angelegte und hauptsächlich zur Deckung des Zuganges zum Hafen bestimmte Forts in das Vertheidigungs-System der Festung, welche, so lange der thätige Erfindungsgeist nicht mit neuen, furchtbareren Angriffsmitteln uns bekannt macht, als von der Landseite aus unnehmbar betrachtet werden darf.
So war ich endlich auf dem Punkte angelangt, der nach dem furchtbar mühevollen Marsche noch traurigere Ruhe mir gewähren sollte. Nachdem wir einige Tage in dem Stadtgefängnisse, einem der ausgezeichnetsten Gebäude der Stadt, zugebracht hatten, wurden wir nach den Casematten gebracht, die vom Meere bespült und schauerlich feuchtkalt zu unserer Aufnahme bestimmt waren. In tiefe Kerker, die durch die Thür Licht und Luft erhielten, waren je dreißig bis vierzig gefangene Officiere eingeschlossen, während die Unterofficiere und Soldaten in der großen Caserne von la Isla zurückblieben. Unter den Unglücklichen, die abgezehrt und bleich uns zu begrüßen kamen, fand ich einige der Cameraden, die mit mir aus den baskischen Provinzen abmarschirt waren, und viele andere, welche wir dort zurückgelassen hatten, mißmuthig über die Entscheidung, die sie noch unthätig zu bleiben verdammte. Tief bewegt lernte ich die unendlichen Leiden kennen, die sie bestanden, und vernahm die Kunde von dem rühmlichen Tode so Vieler, die ich einst trauernd scheiden sah, deren Glück ich oft beneidet hatte; mit innigem Schmerze hörte ich die Schilderung von dem Untergange der kleinen, schönen Division, da sie, wie die Tausende anderer Braven, nutzlos dem unvermeidlichen Verderben geweiht war.
[39] Nicht mit dem gleichnamigen Dorfe der Provinz Cuenca zu verwechseln, in dem ich gefangen genommen war.
[40] Ferdinand VII. ließ Bäcker, Mehl, Wasser und alles zum Backen Nöthige von Alcalá nach Madrid bringen, ohne doch so gutes Brod dort schaffen zu können; die Luft soll Schuld daran sein. Jenes Brod ist in der That schöner als das beste Biscuit und wird auf Maulthieren nach Lissabon, Madrid und selbst Barcelona versendet.
XVI.
Don Basilio Garcia war, wie ich früher erwähnte, von der Hauptarmee der Nordprovinzen in den letzten Tagen des Jahres 1837 entsendet worden, um in der Provinz Cuenca und in la Mancha,[41] zu deren commandirendem General er ernannt war, zu operiren, die dort existirenden zahlreichen Carlisten-Guerrillas zu vereinigen und durch bessere Organisation dem Feinde sie furchtbar zu machen. Er sollte daher zuerst nach Aragon ziehen, da Cabrera Befehl hatte, eine seiner Divisionen Don Basilio zu untergeben. Oráa vereitelte, indem er in Daroca sich aufstellte, den Versuch der Division, von Calatayud aus nach Cantavieja durchzudringen, und schob sie, auf der Straße nach Teruel ihren Marsch cotoyirend, nach der Provinz Cuenca, wo wir am 13. Januar 1838 auf die Verfolgungs-Division Uribarri trafen und, von der Übermacht erdrückt, geworfen wurden.
Von Aragon abgeschnitten wandte sich Don Basilio in forcirten Märschen nach der Mancha und erreichte die Sierra von Toledo, wo er sofort eine kleine gegen Palillos operirende Colonne ganz vernichtete. Wenige Tage später begegnete er, ohne daß einer der beiden Anführer von des andern Expedition Kunde gehabt hatte, dem Corps des Brigadier Tallada von der Armee Cabrera’s; es war von Chelva zu einem Zuge nach der Mancha und Andalusien abmarschirt. Don Basilio wünschte, daß diese Division sich ihm anschließen möge, weßhalb er, da Tallada, dessen Truppen weit zahlreicher waren, gar keine Neigung zeigte, ohne besonderen Befehl Cabrera’s sich ihm unterzuordnen, so weit nachgab, daß sie gemeinschaftlich die Leitung des Corps übernehmen wollten, bis Cabrera entschieden habe, welche seiner Divisionen dem königlichen Befehle gemäß zu Don Basilio’s Disposition gestellt sei. Die beiden Chefs durchzogen darauf die Mancha, überstiegen die Sierra morena und drangen in das Königreich Jaen — Andalusien — vor, wobei Tallada durch gelegentliche Eigenmächtigkeiten seine Selbstständigkeit schien darthun zu wollen.