Am 3. Februar stand seine Division, 3500 Mann Infanterie in fünf Bataillonen und 300 Pferden stark, in Baeza, die der Nordarmee, nur 1600 Mann Infanterie und 140 Pferde, in dem drei Viertelstunden entfernten Ubeda, nahe dem Guadalquivir, als Don Basilio die Nachricht erhielt, daß General Pardiñas, der das Commando der Colonne Uribarri’s übernommen, verstärkt durch die mobilen Truppen der Mancha über den Paß des Despeñaperros die Sierra morena überschritten habe und zum Angriffe heranziehend in la Carolina angekommen sei. Er ließ sofort den Brigadier Tallada auffordern, entweder durch einen forcirten Marsch dem Feinde entgegenzugehen und ihn überrascht anzugreifen, oder, was er selbst rieth, durch einen Nachtmarsch in den Rücken der Christinos sich zu werfen, den Paß des Despeñaperros zu besetzen und so, Andalusien und die Mancha zugleich bedrohend, jeden Umstand zu benutzen. Tallada antwortete, seine Truppen bedürften der Ruhe, und wies auch den Antrag, eine concentrirte Stellung bei Ubeda zu nehmen, mit dem Bemerken ab, daß er dafür einstände, daß der Feind gar nicht an einen Angriff denke.

Bei Tagesanbruch ertönte zugleich mit der Nachricht, Pardiñas sei wenige tausend Schritte von den Vorposten entfernt, lebhaftes Feuer von Baeza her. Don Basilio sandte einen Adjudanten an Tallada mit der Bitte, nur eine halbe Stunde sich zu halten, da er zu seiner Hülfe herbeifliege. Der Adjudant fand die ganze schöne Division in furchtbarer Unordnung, wie eine große Heerde von den feindlichen Massen vor sich her gejagt, Tallada selbst außer sich[42] und erhielt von ihm, da er ihn aufforderte, seine Leute zu sammeln, die Antwort, wie er nicht einmal für sich, geschweige für seine Leute einstehen könne. Erst als die Bataillone der Nordarmee mit Festigkeit den Sturm der Christinos ausgehalten hatten und selbst durch kraftvolle Bajonnettangriffe sie zurückdrängten, kam er in Etwas zur Besinnung und ordnete sein Corps zu geregelterem Rückzuge, dem die Division Don Basilio’s deckend sich anschloß, zwei Stunden weit bot sie unter stetem Feuer dem Andrange der feindlichen Infanterie und Cavallerie die Stirn, bis diese, ohne einen Gefangenen ihr abgenommen zu haben, die Verfolgung einstellten. Pardiñas schrieb die Rettung des Corps Tallada’s, welches 300 Gefangene einbüßte, der bewundernswürdigen Bravour der Truppen Don Basilio’s zu.

Dieser drang in die Provinz Murcia ein. Entsetzliche Leiden warteten dort der Freiwilligen, indem Regen und Schnee Wochen lang ununterbrochen auf sie herabstürmten und die Gebirge ungangbar machten; die Lebensmittel fehlten mehr und mehr, die Leute marschirten bald barfuß, und ihre Uniformen hingen in Fetzen herab. Da trennte sich Tallada eigenmächtig von dem Expeditions-Corps, um nach Valencia zurückzukehren: er ward am 27. Februar, da er eben den Jucar überschritten hatte, von Pardiñas in Castriel überfallen, nach der gänzlichen Vernichtung seiner Division gefangen und der Gerechtigkeit gemäß erschossen. Don Basilio aber, da die geringen Streitkräfte, welche ihm blieben, durch die Drangsale täglich mehr zusammengeschmolzen waren, wandte sich wieder nach der Mancha und vereinigte sich mit den dort hausenden Partheigängern.


Drei Cabecillas hatten sich in diesem Theile Neu-Castiliens besonders hervorgethan: Jara hatte einige tausend Mann Infanterie gebildet, d. h. Bauern gesammelt, die nicht exercirt und ohne Uniform größtentheils mit Büchsen und Jagdflinten bewaffnet waren; Orejita führte ein Bataillon und etwa funfzig Pferde; Don Vicenta Rojero — Palillos genannt — commandirte mehrere Escadrone Reiter, deren Zahl den Umständen nach zwischen sechshundert und tausend schwankte. Diesen Chefs schlossen sich mehrere Partheigänger an, die gewöhnlich in Estremadura sich aufhielten, aber häufig nach der Mancha hinein streiften und gleichfalls 800 bis 1000 Pferde vereinigen konnten.

Alle diese verschiedenen Banden nannten sich Carlisten und wollten für eifrige Verfechter der Religion gelten, während sie die Sache, welche sie zu vertheidigen vorgaben, durch fluchwürdige Excesse schändeten. Ich spreche nicht davon, daß sie die Feinde, welche in ihre Hände fielen, unbarmherzig opferten: sie thaten Recht daran. Wie konnten Männer anders verfahren, die, weil sie schwächer waren, durch die Gegner von den Wohlthaten jedes Vertrages ausgeschlossen wurden, die Alles, was ihnen angehörte, ihnen nahestand, getödtet, verwüstet und vernichtet sahen? Früher habe ich erzählt, durch welche Gräuel die Christinos den Aufstand in diesen Provinzen zu unterdrücken suchten; sie konnten nach solchen Schauder erregenden Thaten nie Schonung erwarten. Nein — wenn jene Männer, zur Raserei getrieben, mit Feuer und Schwerdt gegen die Liberalen das Werk der Rache übten, handelten sie nur gerecht und erfüllten ihre Pflicht; denn da wäre Milde und Verzeihen zur verächtlichen, unvermeidliches Verderben nach sich ziehenden Schwäche geworden.

Aber Entehrung häuften sie auf sich selbst, und sie schändeten die Sache, für die sie zu kämpfen vorgaben, indem sie ihrer Rache Wuth von den Erbärmlichen, die sie hervorgerufen, auf das ganze Menschengeschlecht ausdehnten und — zu Räuberbanden sich erniedrigten. Von ihren Gebirgen aus — denn auch die Reiter hatten ihre Zufluchtsorte in den schroffsten Gebirgen gesucht, welche die prachtvollen Pferde mit erstaunlicher Ausdauer auf und ab kletterten — durchstreiften sie die umliegenden Provinzen, mordeten und brannten; sie plünderten die Reisenden und die Waaren, welche nur in großen Convoys mit Bedeckung von Truppen transportirt werden konnten, schleppten die Gefangenen in ihre Schlupfwinkel und ermordeten sie, wenn nicht bald reiches Lösegeld aus ihren Händen sie rettete. Auch die unglücklichen Bauern blieben nicht verschont. Ihre Ernte wurde häufig zum Futter abgemähet und fortgebracht, wenn nicht gar muthwillig zerstört, die Maulthiere auf dem Felde aufgefangen und erst gegen Auszahlung großer Summen herausgegeben. So sanken diese Banden zu verzweifelten Räubern im ganzen Sinne des Wortes herab, die, wo sie erschienen, Tod und Elend in ihrem Gefolge führten. Die Carlisten, d. h. die Männer, welche in den regelmäßigen Heeren für die Aufrechthaltung der Rechte ihres Königs ehrenvollen Kampf kämpften, wollten natürlich nie jenen Schaaren der Mancha den Ehrennamen von Carlisten zugestehen. Die Christinos aber benutzten schlau die von Jenen verübten Gräuel, um den Anhängern Carls V., unter deren Namen sie verbreitet wurden, den Abscheu der Welt zu erregen.

Übrigens waren diese Banden doppelt furchtbar, durch die hohe individuelle Bravour, durch welche sie, wiewohl nicht organisirt und ohne Disciplin, nicht selten den gegen sie operirenden Truppen verderblich wurden. Vor Allem zeichnete die Cavallerie Palillo’s durch seltene Todesverachtung, ja Verwegenheit sich aus und erwies dem Expeditions-Corps während der kurzen Zeit, die es mit ihm vereinigt blieb, wiederholt große Dienste. Die Bewaffnung der Reiter bestand in Säbel, Pistolen und dem Trabuco, jenem gefürchteten Carabiner, dessen Lauf von der Schwanzschraube zu der Mündung allmählich sich erweitert und mit einer Handvoll Kugeln, oft funfzehn bis zwanzig Stück, geladen wird. Er kann nur auf geringe Entfernungen gebraucht werden und wird neben der rechten Seite frei auf dem linken Arm ruhend abgedrückt, da der Rückstoß anderes Anlegen nicht erlaubt; seine Wirkung ist ungeheuer, indem die Geschosse wie die Cartätsche einen Streukegel bilden, der Alles vor sich niederreißt. Die christinosche Cavallerie ward bei dem Anblicke der Trabucos, mit denen die Palillos unbeweglich bis auf wenige Schritt ihre Annäherung abzuwarten pflegten, von panischen Schrecken ergriffen, und es sind Beispiele vorgekommen, daß ein Mann, mit dieser Waffe versehen, eine Straße oder eine Brücke mit Erfolg gegen feindliche Detachements vertheidigte.

Solche waren die Banden, welche Don Basilio um sich vereinigen, denen er Ordnung und Kriegszucht einflößen, die er an regelmäßigen, ehrenvollen Kampf gewöhnen und dadurch der Sache nützlich machen sollte, der sie dem Namen nach angehörten. Leider war er nicht der Mann für so schwierigen Auftrag, der eisernen Willen, Entschlossenheit, Kraft und — Glück erforderte. Don Basilio besaß keine dieser Gaben. Im Anfange freilich, da er nur den Eingebungen der wahrhaft ausgezeichneten Männer folgte, die ihn umgaben, des Marquis von Santa Olalla, seines Secretairs, des Oberstlieutenant Alcalde, des Obersten Fulgocio und so vieler anderer Chefs, die fast ohne Ausnahme auf diesem für die Division so glorreichen wie unglücklichen Zuge getödtet wurden oder in Gefangenschaft fielen; da waren seine Maßregeln trefflich, und der Erfolg schien sie krönen zu wollen. Er nahm das schon von Gomez eroberte Almaden und in wenigen Tagen fünf andere kleine Forts[43], an denen alle Versuche der Partheigänger gescheitert waren, wodurch er ihre Achtung vor seiner überlegenen Macht erzwang. Dann erließ er strenge Strafbefehle gegen Jeden, der ein Vergehen gegen die Disciplin oder die geringste Erpressung und Beleidigung der Einwohner sich zu Schulden kommen ließe. Wer des Diebstahls überwiesen war, wurde ohne Gnade erschossen, wer ohne Erlaubniß auf eine Stunde sein Corps verließ, wurde erschossen; die Christinos selbst rühmten, daß Don Basilio mit ihren Generalen gemeinschaftlich auf die Banditen Jagd mache, die bisher jene Provinzen infestirten.

Da er so den ersten, dringendsten Schritt gethan, um die Räuber in Soldaten umzuschaffen, strebte er, möglichst sie zu organisiren und zugleich zu überwachen, indem er viele seiner besten Officiere unter die Corps von Palillos, Jara und Orejita vertheilte. Auch wollte er Einigkeit und Combination in ihre Operationen bringen und hoffte, wenn er einigermaßen an militairisches Handeln sie gewöhnt, um seine kleine Division als den Kern ein furchtbares Corps zu bilden, welches im Innern Castiliens, im wahren Centrum der Monarchie, von entscheidendem Einflusse auf den Krieg werden mußte. So weit war Alles gut.