Der Feind nahm fast die ganze Artillerie der Carlisten, von der Espartero mehrere in den Fabriken der Provinzen verfertigte Geschütze wegen ihrer besondern Schönheit als Merkwürdigkeit nach Madrid sandte, auch machte er eine bedeutende Zahl Gefangener. Am Nachmittage zog er in Peñacerrada ein, da die Garnison, so wie sie die deckende Armee auf der Flucht und die Christinos im Begriff sah, ganz die Festung einzuschließen, ohne Mittel zu längerer Vertheidigung sie verließ und in die Gebirge sich rettete. Der moralische Eindruck dieses Sieges war außerordentlich: gewiß ist er der größte und wichtigste, den Espartero mit den Waffen in der Hand je errungen hat, und Muthlosigkeit verbreitete sich bei der Nachricht des Geschehenen durch die Provinzen. Drei Tage später ward Guergué, als General en Chef ganz untauglich, des Oberbefehls enthoben.
[41] La Mancha umfaßt die Provinzen Toledo und Ciudad Real, beide zu Neu-Castilien gehörend.
[42] Tallada nahm kurz vor seiner Bereinigung mit Don Basilio einige Compagnien der königlichen Garde gefangen, und ließ die Officiere derselben trotz der zugestandenen Capitulation niedrig ermorden — aus Habsucht. Seit dem Augenblicke dieser Schandthat wich alle Energie, die vorher ihn ausgezeichnet hatte, von ihm, und ein furchtsames Schwanken und Geistesabwesenheit lähmten seine Talente, wie er denn von Unglück zu Unglück dem schnellen Untergange zueilte.
[43] Jedes bedeutende Dorf in der Mancha war zum Schutze gegen die Banden befestigt.
[44] Da die Züge Merino’s, deren Résumé Abmarsch, Aufenthalt in den Wäldern und Vernichtung ist, keine nähere Erörterung verdienen, erwähne ich ihrer hier kurz. Eine unbegreifliche Verblendung ließ diesen Greis, der längst sich überlebt hatte und dessen Ruhm seine Thaten weit überragt, in dem Jahre 1838 mehrfach zum Anführer kleiner Corps bestimmen, die er denn auch so trefflich zu handhaben wußte, daß er jedes Mal ganz ohne Truppen zurückkam. Es scheint wahrlich, daß es damals den Heerführern der Basken nur darauf ankam, der Castilianer sich zu entledigen, gleichviel auf welche Art. — Merino hatte zu seiner Zeit nur Cavallerie geführt und hatte gar keinen Begriff von der Infanterie; doch gab man stets ihm solche. Er verließ die Provinzen mit zwei Bataillonen, verlor sie, entkam nach Aragon, nahm dort das Commando der Castilianer-Bataillone, die von Zariategui dorthin sich gerettet hatten, zog, nachdem er der Belagerung von Morella beigewohnt, gegen Cabrera’s Willen — auf höheren Befehl — damit aus, verlor sie, kehrte nach Navarra zurück, erhielt neue drei Bataillone und verlor sie wieder in Castilien. Von da an blieb er unthätig. Es ist bekannt, wie der Gram ihn tödtete, da er bei Maroto’s Verrath im verhaßten Franzosenlande Zuflucht suchen mußte.
[45] Espartero soll persönlich sehr brav sein und zeigt dieses gern, indem er sich an die Spitze seiner angreifenden Escadrone stellt. Doch erzählten mir christinosche Officiere, welche bei jenem Angriffe sich befanden, daß Espartero, da die Husaren von Arleban mit Festigkeit chargirten, schweigend sein Pferd wandte und von der Tete zu der Queue der Colonne ritt.
XVII.
Don Rafael Maroto, in Andalusien geboren, diente im Unabhängigkeitskampfe gegen Napoleon und später in den Colonien gegen die Insurgenten, in welchem Kriege er bis zu dem Grade von Brigadier stieg. Auch er sog dort die niedrigen, selbstischen Ideen und Grundsätze ein, die in allen Generalen und Chefs, welche in jenen Kriegen gegen die aufgestandenen Amerikaner ihre Schule machten, mit seltenen Ausnahmen so auffallend sind und später in Unbeständigkeit, Bestechung und Verrath sich kund thaten. Bei seiner Rückkehr nach Europa hatte Maroto umsonst das Commando einer Brigade in der Garde zu erlangen gesucht; der Graf de España, damals Chef des Garde-Infanterie-Corps, wußte die mächtige Fürsprache, welche die schöne Frau des Brigadier ihm erlangt hatte, zu vereiteln, indem er dem Könige vorstellte, daß Maroto vorher selbst ein Kriegsrecht fordern müsse, um über sein Benehmen bei dem schimpflichen Ende jenes Feldzuges sich richten zu lassen. Bald nachher war er genöthigt, jene Frau, eine reizende, sehr reiche Amerikanerinn, nach ihrem Vaterlande zurückzusenden, da sich fand, daß er mit ihr sich verheirathet hatte, während seine erste Frau vergessen in Spanien lebte. — Maroto vereinigt mit niedrigen Gesinnungen hohe Talente; er ist fest, unbeugsam in seinem Willen, energisch in der Ausführung des Beschlossenen wie ohne Bedenken bei der Wahl der Mittel, dabei mit durchdringendem Verstande und herrischem Temperament begabt. Sein Äußeres und sein Benehmen üben auf die Umgebung, besonders auf die Frauen, so mächtig in Spanien, eine unwiderstehliche Gewalt: diese tief liegenden, dunkel glühenden Augen scheinen die Macht jener Schlange zu haben, deren Blick die zitternden Opfer fesselt und anzieht.