Früher sagte ich, wie Maroto während des Winters durch die Anlegung mehrerer befestigter Punkte seine Herrschaft nach Alt-Castilien hinein ausgedehnt und zugleich Vizcaya gegen Angriffe von Westen her gedeckt hatte; die hauptsächlichste dieser Befestigungen war die des Fleckens Ramales in der Provinz Santander, über dem ein sehr starkes, regelmäßiges Castell errichtet war. In dem Orte war eine Kanonengießerei, die bei der Annäherung der Christinos zurückgezogen wurde. Aller jener festen Punkte sollte also Espartero sich bemächtigen, um dann nach Vizcaya vordringen zu können; Maroto zog sich vor den anrückenden Feinden langsam auf Ramales zurück. Schon nicht fern von diesem Punkte ward der Marsch der Christinos plötzlich aufgehalten: eine Höhle, in der Mitte einer senkrechten Felswand und nur mit Leitern zu ersteigen, war von dreißig Mann und einem Vierpfünder besetzt, welcher vollkommen die einzige durch die Schlucht sich windende Straße beherrschte. Drei schwere Geschütze wurden sofort gegen die Höhle aufgepflanzt und zwangen am folgenden Tage die Besatzung, sich zu ergeben, so daß der Zug fortgesetzt werden konnte. Mehrere kleine Forts, um nicht unnütz die Zeit zu verlieren, ergaben sich sofort, andere wurden geräumt; nur in Ramales, als dem wichtigsten Punkte, sollte der Schein eines kräftigen Widerstandes gerettet werden, weshalb Maroto eine ausgesuchte Garnison unter sehr entschlossenem Gouverneur in das Fort legte. Nachdem er am 30. April die herrlichsten Stellungen, wie jene Gebirge nur sie bieten konnten und wie sie stets den Heeren der Christinos ganz unzugänglich gewesen, nach kurzem Scharmützel mit den feindlichen Massen verlassen und so die Zugänge zum Fort ihnen frei gegeben hatte, stellte er mit seinen vierzehn Bataillonen rückwärts nahe demselben sich auf.

Espartero drang sogleich vor und errichtete die Batterien, während er eilf Bataillone der Garde dem carlistischen Heere zur Beobachtung gegenüber placirte; Maroto that keinen Schuß auf sie, sich mit der Rolle des müssigen Zuschauers begnügend. Bald begannen die Batterien, auf sehr große Distance angelegt, ihr Feuer gegen die Wälle des Forts, ohne den geringsten Eindruck auf dasselbe zu machen, und setzten es mehrere Tage lang mit großer Lebhaftigkeit und vielem Lärmen fort. Dann, da die Kanonen keine Wirkung hervorgebracht hatten, sandte Espartero seine zwei Bataillone Guiden vorwärts, welche, kaum belästigt, bis zum Fuße des Glacis drangen, dort sich etablirten und hinter Parapeten ein sehr lebhaftes Gewehrfeuer gegen die Werke eröffneten. Es ist leicht zu erachten, welchen Effekt diese neue Belagerungsmethode haben mußte; viel Pulver wurde verknallt, und die Garnison des Forts lachte darüber. Doch das wurde wohl langweilig, und für das damit Beabsichtigte war genug gethan; so kam denn am dritten Tage dieses Feuerns — am 8. Mai — ein Expresser Maroto’s und brachte dem Gouverneur des Forts die Ordre, da keine Hülfe möglich, also Vertheidigung unnütz sei, unter möglichst guten Bedingungen zu capituliren, worauf die Garnison, gegen welche eben so viele feindliche Gefangene abgeliefert wurden, das Fort übergab und zu der carlistischen Armee zurückkehrte, die bereits auf dem Rückzuge begriffen war. Die Christinos fanden die Werke im besten Zustande und die Magazine mit allem Nöthigen überfüllt; Espartero sandte pompöse Berichte nach Madrid, in denen er die unbegränzte Todesverachtung der nie besiegten Vertheidiger der Constitution und der unschuldigen Königinn auf das glänzendste hervorhob und ehrend die Bravour der feindlichen Armee und die Festigkeit der Garnison anerkannte. Maroto erließ Proclamationen in gleichem Sinne und überhäufte die Vertheidiger des Forts mit Ehrenbezeugungen, die sie erröthend empfingen, seine Armee mit schmeichelhaftem Lobe und Belohnungen, während sie fortwährend ohne Schwerdtschlag sich zurückzog.[53]

Am 10. Mai ergab sich Guardamino, worauf die christinosche Armee in Vizcaya vordrang, ohne daß Maroto eine der unnehmbaren Positionen, an denen so oft die Feldherren der Usurpation gescheitert, zum Schlagen benutzt oder einen Versuch gemacht hätte, in den wilden Schluchten und Ketten, so gefürchtet vom Feinde, den Eroberungen desselben ein Ziel zu setzen. Im Gegentheil, Valmaseda, Arciniaga und die andern festen Punkte Vizcaya’s, mit so vielem Blute behauptet, unter so vielen Beschwerden befestigt, wurden ohne Widerstand verlassen; am 22. Mai besetzte Espartero Orduña, die Hauptstadt der Provinz, und eilte, zum Waffenplatze sie umzuschaffen. Selbst die berühmte Peña de Orduña, den Paß über den Hochrücken der Pyrenäen, den hundert Mann gegen ein Heer vertheidigen, fand er unbesetzt.

Schrecken, Entsetzen ergriff die Basken, ihr Vertrauen wich, da sie so Unerhörtes, nie für möglich Gehaltenes sahen; wo waren die Zeiten, in denen der große Zumalacarregui seine Landsleute zu Kampf und Sieg führte? Die Verschworenen aber streuten heimlich mannigfache Gerüchte aus über Transaction und bald zu hoffenden Frieden, dessen Herrlichkeiten sie listig dem geängsteten Volke in den schönsten Farben ausmalten.

Während Espartero in Vizcaya vorwärts marschirte, war Don Diego Leon in Navarra thätig gewesen. Die Carlisten hatten wenige Stunden von Pamplona entfernt eine Brücke über die Arga geschlagen und sie durch eine regelmäßige Verschanzung, das Fort von Velascoain, gedeckt; ihnen war dadurch der Übergang über jenen Fluß gesichert, und sie konnten nach Belieben das feindliche Navarra bis Ober-Aragon hin durchstreifen. General Leon zog mit vierzehn Bataillonen gegen dieses Fort, zu dessen Unterstützung zwei navarresische Bataillone, spät durch andere zwei verstärkt, dort waren.[54] Das Kanonenfeuer, am 29. und 30. April mit großer Lebhaftigkeit und Kraft unterhalten, brachte gar keine Wirkung auf die Besatzung hervor, weshalb General Leon, ein entschieden braver Mann, nachdem er die Jäger-Compagnien bis zum Fuße der Werke vorgeschoben, an der Spitze seiner Bataillone unter dem heftigsten Feuer der Garnison den Fluß passirte. Einige Bataillone drangen zum Sturm in geschlossenen Massen vorwärts, während die andern rechts und links vom Fort gegen die carlistischen Bataillone sich wandten. In Gefahr, abgeschnitten zu werden, und ganz ohne Hoffnung auf Entsatz verließ die Garnison die Verschanzungen, in denen der Feind fünf schwere Geschütze erbeutete.

Don Diego Leon ward von diesem Siege — er hatte wiederholt der Sache der Constitution sehr wichtige Dienste geleistet — zum Grafen von Velascoain ernannt; Espartero aber, weil er ohne Sieg der Armee Maroto’s in das Innere von Vizcaya gefolgt war, erhielt den Titel des Herzogs des Sieges — duque de la victoria —, den einst mit mehr Recht Carl V. dem getödteten Zumalacarregui verliehen hatte, das Andenken des unbesiegten Helden zu ehren.

Der zweite Act des großen Trauerspieles war vollendet!

[50] Es befanden sich zwischen dreihundert und vierhundert Officiere in Cadix, den Expeditionen Negri’s, Don Basilio Garcia’s und Merino’s, dem Heere Cabrera’s und den Partheigängern der Mancha angehörend. Letztere wurden später alle erschossen.

[51] Ihre Lieblings-Phrase: „ya les haremos à Ustedes sentir lo que es el ser prisionero nuestro.“

[52] Die Spanier bezeichnen den Kirchhof mit dem Namen des campo santo.