Da setzte Cabrera schaudernd die Mehrzahl der Verschmachtenden in Freiheit und vertheilte sie alle unter die Bauern zur Verpflegung. Oráa lud den Fluch aller menschlich Denkenden jeder Parthei auf sich; die Exaltados aber riefen ihm Beifall zu und — — schimpften Cabrera als blutgierigen Tiger!
[56] Der General Baron von Rahden irrt, da er in seinem Werke über Cabrera sagt, daß dieser zu Cordova die ersten Gefangenen nach seiner Mutter Ermordung gemacht habe.
[57] Viele Reiter waren auf den furchtbar forcirten Märschen — täglich zwölf bis achtzehn Meilen durch Feindes Land — aus eigener oder ihrer Pferde Ermüdung zurückgeblieben, mehrere todt niedergefallen.
[58] Ein kleiner Theil des Fürstenthums Catalonien liegt südlich vom Ebro, von diesem Flusse, dem Meere, Valencia und Aragon umgränzt. Dieser Theil war, wie Valencia und Unter-Aragon, Cabrera untergeben.
XXI.
Als die Expeditions-Division von Zariategui in Aranda de Duero mit der königlichen Armee sich vereinigte, sandte er die in Valladolid und in der Provinz neu errichteten Bataillone nach der Sierra de Soria, um ihre Ausbildung zu vervollkommnen. Die größere Zahl derselben gelangte bei dem Rückzuge der beiden Expeditions-Corps in der zweiten Hälfte des Octobers 1837 mit ihnen nach den baskischen Provinzen, wo sie das beklagenswerthe Corps von Castilien bildeten; drei dieser Bataillone aber unter dem Obersten Savega sahen sich nach manchen Abenteuern und Gefahren, die meistens in der gänzlichen Unerfahrenheit der Rekruten ihren Grund hatten, durch die Colonnen Espartero’s abgedrängt und in die Sierra zurückgeworfen. Die ungeheuren Mühseligkeiten hatten auf die junge, des Krieges ganz ungewohnte Mannschaft so entmuthigend gewirkt, daß die Brigade schon von 2800 Mann auf 1700 zusammengeschmolzen war, ohne daß irgend ein ernstliches Treffen Statt gefunden hätte.
Savega war ein habsüchtiger Mann, der erfreut, als unabhängiger Chef dazustehen, den Truppen seine Absicht erklärte, in der Provinz Soria sich zu halten, wo er natürlich sein persönliches Interesse leicht befördern konnte; er begann also, sofort eifrig große Getreidevorräthe aufzustapeln. Doch das Officier-Corps dachte anders. Es stellte ihm vor, daß das Bleiben unvermeidliches Verderben nach sich ziehen müsse, weil die Mannschaft neu ausgehoben und größtentheils noch gar nicht im Feuer gewesen sei; weil es so ganz an Munition fehle, daß jeder Soldat nur fünf Patronen habe, wobei an Ersatz derselben nicht zu denken sei; weil zwei Colonnen von Burgos und Soria zu ihrer Verfolgung eilten; weil endlich der fortwährende Mangel am Nöthigsten in der rauhen Jahreszeit die ganz abgerissenen Truppen zur Desertion verleiten werde, welche die Nähe des kaum verlassenen väterlichen Daches noch besonders begünstige. Sie forderten ihn daher auf, die Brigade entweder nach Aragon oder nach den Nordprovinzen zu führen.
Da der Oberst unter nichtigen Vorwänden auf seinem Entschlusse beharrete, entschlossen sich die Officiere, selbstständig zu handeln. Sie sammelten daher in einer Nacht das eine Bataillon vollständig, die Hälfte des zweiten und die Jäger-Compagnie des dritten und verließen das Städtchen, in dem es dem Obersten mit Hülfe einiger ergebener Officiere gelang, den Rest der Leute, etwa 600 Mann, zurückzuhalten: wenige Tage nachher wurden dieselben vom Feinde ereilt und sofort zersprengt, der Oberst ward gefangen. Doch will ich diese willkürliche Trennung nicht rechtfertigen; wohl aber darf ich sagen, daß das Corps fortan stets durch Disciplin und Bravour sich auszeichnete und so jenen Fehler — bei dem übrigens die Bataillons-Chefs an der Spitze standen — vergessen machte.