So hatte denn das Jahr 1838 höchst günstig für die Sache der Carlisten begonnen. Durch die Eroberung von Morella sah sich Cabrera im vollständigen Besitze des Hochgebirges, welches die Grundlage und den Rückhalt aller seiner Operationen bilden mußte; in ihm konnte er mit Vortheil der Macht des Feindes sich entgegenstellen, von ihm aus als dem Centrum alle Provinzen der Christinos bedrohen und nach einander angreifen. Die Einnahme von Benicarló gab ihm einen Punkt am mittelländischen Meere und befestigte seine Herrschaft in dem fruchtbarsten Theile des Königreiches Valencia. Morella ward jetzt der Centralpunkt der carlistischen Macht im westlichen Spanien, wie Cantavieja bisher es gewesen war; zugleich schnitt es die Communication auf dem geraden Wege zwischen dem nördlichen Unter-Aragon und Valencia ganz ab, wodurch der Feind, das eine und das andere zu schützen, zu steter Zersplitterung seiner Kräfte genöthigt wurde.
Cabrera eilte, diese Vortheile zu verfolgen, zu kräftigster Offensive sie zu benutzen, während Oráa, der in Aragon eine neue Unternehmung gegen Cantavieja vorbereitete, rasch nach Valencia zur Deckung dieser Provinz zog, durch deren vollständige Eroberung Cabrera ungeheure Hülfsquellen sich geöffnet hätte.
[59] Die ganze Höhe des escaladirten Felsen betrug 143 Fuß.
[60] Die bei den Infanterie-Bataillonen befindlichen Sappeurs.
[61] Portillo ließ die Thüren der Anhänger Christina’s blau, die der Royalisten roth anstreichen, um Verwechselungen vorzubeugen!
XXII.
Der Frühling 1838 rechtfertigte keineswegs die Hoffnungen, welche durch die Eroberung von Morella angeregt waren; er brachte vielmehr allen carlistischen Armeen gleich empfindliche Verluste, von denen ich die Vernichtung der von Navarra zu neuen Expeditionen nach Castilien entsendeten Divisionen früher erzählte. Auch Cabrera, wenn er einzelne Vortheile errang, litt in seinen Unterfeldherren schwere Niederlagen und sah mehrfach seine eigenen Unternehmungen vereitelt.
Die Christinos hatten durch die Befestigung von Castellon, Villafamés und Lucena mit dem festen Bergschlosse von Villamaleja eine Linie nördlich vom Flusse Mijares gebildet, welche die Streifzüge der Carlisten nach dem südlichsten, reichsten Theile von Valencia sehr erschwerte, die Consolidirung aber ihrer Herrschaft daselbst unmöglich machte. Cabrera wollte diese Linie brechen und wandte sich deshalb gegen Lucena, welches, in der Mitte der beiden letztern Festungen und durch seine Lage äußerst stark, von ganz besonderer Wichtigkeit war. Alle Versuche Cabrera’s gegen dasselbe vor- und nachher scheiterten an der Festigkeit der Garnison, die meistens aus National-Milizen bestand, welche wegen exaltirter Gesinnungen aus ihrer den Carlisten unterworfenen Heimath geflohen waren und nun den Kampf des glühendsten Hasses und der Verzweiflung kämpften.