Er besetzte demnach mit einem kleinen Theile seiner Truppen die Muela de la Garumba, eine nahe Morella steil sich erhebende und bis über el Orcajo sich hinziehende Bergmasse, die, zum Hochplateau erweitert, zur Erhaltung der Verbindung mit Cantavieja von Wichtigkeit war; mit den übrigen Bataillonen stellte er theils dem andringenden Oráa sich entgegen, theils occupirte er die oft durch Schluchten und über wildes Gebirge führenden Wege nach Alcañiz und suchte die Herbeiführung der schweren Artillerie und der Convoys möglichst zu erschweren. Seine Armee bestand — einige Rekruten-Bataillone waren unbewaffnet — aus sechszehn Bataillonen in drei Divisionen und aus neun Escadronen, da das Lanciers-Regiment von Tortosa dem Grafen de España zu Hülfe gesendet war. Dazu kam die castilianische Brigade, jetzt unter Merino’s Befehl, und die Trümmer der Expedition von Don Basilio Garcia und Negri als batallon espedicionario und escuadron del conde Negri. Da aber die Corps ohne Ausnahme durch die Unglücksfälle der letzten fünf Monate sehr geschwächt waren, zählten sie nur 9700 Mann Infanterie, von denen 1300 — von Aragon und Tortosa — die Besatzung der Festung und des Castells bildeten. Die Cavallerie enthielt fast 1000 Pferde.

Morella’s Befestigungswerke hatten Nichts mit den Meisterwerken eines Vauban oder Coehorn gemein. Ganz abgesehen davon, daß die Vertheidigung durch die Lage der Stadt und noch mehr des Castells lediglich bohrend wurde, und daß kein vorliegendes Werk die Mauern gegen den unmittelbaren Angriff deckte, waren diese schwachen Mauern mit den unregelmäßig vertheilten flankirenden Thürmen wohl darauf berechnet, dem Stoße des ehernen Widderkopfes zu widerstehen; aber der Alles niederschmetternden Gewalt des Pulvers mußten sie augenblicklich unterliegen. Und doch waren sie Alles, was Kunst für die Vertheidigung der Festung gethan hatte. Desto mehr begünstigten sie ihre Lage und die Eigenschaften des sie umgebenden Terrains.

Die Mauer ist rings umher auf ungeheure Felsmassen basirt, welche, bald unmittelbar zu ihrem Fuße, bald mehr oder weniger — doch nur unmittelbar neben dem Castell über funfzig Schritt — vorspringend, zwölf, dreißig, an einzelnen Stellen selbst funfzig und mehr Fuß tief perpendiculär sich hinabsenken. Sie bilden daher die eigentliche Mauer der Stadt, indem sie, sollte auch in das künstliche Werk Bresche geöffnet sein, den Sturm fast unmöglich machen oder doch, wo etwa einzelne Einschnitte oder Schluchten, die sehr selten sind, weniger steil auf die Höhe der Felsen führen, den Stürmenden zwingen, unter dem wirksamsten Feuer der Belagerten auf weiten Umwegen emporklimmend der Bresche zu nahen. Eben diese Felsbildung macht die Anwendung der Minen dem Belagerer unzulässig, während wiederum die Lage der Stadt auf hohem isolirten Berge gegen sehr wenige Punkte die Aufstellung von Bresche-Batterien erlaubt, da die umliegenden Höhenpunkte fast alle entweder zu weit entfernt sind oder, bedeutend niedriger, die Wirkung der Geschütze unendlich schwächen, wo nicht ganz vereiteln. Einige dieser Höhen sind selbst dem Fußgänger nur mit Gefahr zugänglich, für Artillerie also impracticabel.

Der Belagerer hat also, um Bresche zu legen, doppelte Schwierigkeit zu überwinden: die Mauer muß von der Stelle, auf der die Batterie errichtet werden kann, wirksam zu erreichen sein, und das zwischenliegende Terrain muß nach geöffneter Bresche den Sturm gestatten.

Solcher Punkte aber findet sich in der That nur einer: nahe dem Thore San Miguel im Norden der Stadt, wo, etwa fünfhundert Schritt von ihr entfernt, die Höhe la Querola sich erhebt, während der Zugang zu der Mauer möglich bleibt; doch ist der Sturm auch hier mit großen Gefahren verbunden, da auf Pistolenschußweite ein Felsabsatz erklimmt oder die gewöhnliche unter dem Feuer der Festung in starken Windungen zum Thore hinaufführende Straße erstiegen werden muß. Dort finden sich denn auch dicht neben einander die Spuren mehrerer Breschen. Denn Morella war stets von politischer und militairischer Bedeutsamkeit; durch seine Lage auf den Grenzen von Valencia, Catalonien und Aragon, deren Communicationen es beherrscht, und seines Castells mehr noch als der Stadt wegen für wichtige Festung gehalten, hatte es seit den frühesten Zeiten während der Kriege der kleinen christlichen Könige unter sich und gegen die Araber, wie im Successions-Kriege und in dem Kampfe des spanischen Volkes gegen Napoleons Massen manche Belagerung ertragen und oft seinen Herrn wechseln müssen.

Nur zwei alte Breschen finden sich an andern Stellen der Mauer. Die eine, nicht zweihundert Schritt vom Fuße des Castells entfernt, ward durch den General Starhemberg geöffnet — noch jetzt von den Spaniern als el gran capitan bezeichnet —; sie bot zwar die größte Bequemlichkeit zum Sturm dar, da das Terrain zwischen ihr und der Batterie ganz eben, aber diese Batterie war kaum hundert Schritt von der Festung entfernt, und dicht hinter ihr fällt der Fels wenigstens sechszig Fuß furchtbar schroff hinunter, so daß nur ein Fußsteig in vielen Windungen hinaufführt. Und ein schwindelfreier Kopf ist nöthig, um diesen Fußsteig zu benutzen! Es müssen daher ganz besondere Verhältnisse obgewaltet haben — etwa gänzliche Entblößung der Veste von Artillerie — damit Starhemberg dort am Fuße des Castells die Batterie etabliren und die Geschütze entweder jenen Felsen hinaufschaffen, oder längs der Mauer auf dem gewöhnlichen Fahrwege in die Batterie sie führen konnte. Übrigens war dem wackern Deutschen solche Kühnheit dennoch fruchtlos; als die Bresche bei der Annäherung einer Entsatzarmee erstürmt war, fand er eine unmittelbar dahinter liegende Kirche in einen Abschnitt verwandelt, den er à vive force nicht nehmen konnte, so daß er die Belagerung aufheben mußte.

Die zweite Bresche war gerade auf der entgegengesetzten Seite der Festung nach Osten hin geöffnet. Eine zu beiden Seiten von wilden Felsmassen hoch umgränzte Schlucht, die dem Beschauer durch Kunst in den Granit gebildet zu sein scheint, führt sanft steigend bis unmittelbar zum Fuße der Mauer, und da der senkrechte Felsen, auf dem diese gegründet ist, nur drei Fuß hoch über jenen Einschnitt sich erhebt, würde hier im Vergleich mit den andern Seiten der Festung, der Sturm sehr leicht sein. Die Batterie dagegen konnte nur auf den etwa 700 Schritt entfernten Rocas de Beneito angelegt sein, die, selbst von den Bergbewohnern für unzugänglich gehalten, der Placirung des schweren Geschützes gewaltige Hindernisse entgegensetzen, deren Überwindung mit Bewunderung für die Männer uns erfüllt, welche solches vollbracht haben. Auch diese Bresche soll aus den ersten Jahren des Erbfolgekrieges herstammen; ich konnte nicht erfahren, von wem.

Die Franzosen fanden die Veste unbesetzt. Als Marschall Suchet in der Mitte des Jahres 1813 hinter den Ebro, Valencia räumend, sich zurückzog, blieb eine Besatzung von 300 Mann in Morella und schloß sich beim Anrücken der Spanier in das Castell ein. Fortwährend von einigen Bataillonen blockirt und gelegentlich durch eine Mörserbatterie beworfen, hielt sie sich bis zum Anfange des folgenden Jahres, worauf sie capitulirte, selbst die Bedingungen vorschreibend. So wie sie aber die Stadt betraten, warfen sich die Einwohner auf sie und plünderten sie aus; dann wurden sie gefangen fortgeschleppt, anstatt den Bedingungen gemäß nach Frankreich geführt zu werden. —

Doch zurück zu 1838.