[62] Es ist sehr natürlich, daß in höheren Chargen Männer sich fanden, die eben nur brav waren, da ja nebst Ausdauer die Bravour das hauptsächlichste Erforderniß des Guerillero in den ersten Kriegsjahren war. — Später zeigte sich der Scharfblick der Commandirenden in der Art, wie sie jeden Officier dahin zu postiren wußten, wo seine individuellen Gaben am meisten in Wirksamkeit traten.

[63] Die Bewegungen und Gefechte der beiden Heere und der einzelnen Divisionen sind vom General Baron von Rahden in seinem Werke über „Cabrera“ genau und im Detail gegeben.

[64] Alle Gebäude in diesem Theile Spaniens sind massiv.

XXIII.

Die Lage der christinoschen Armee vor Morella wurde mit jeder Stunde schwieriger. Der empfindlichste Mangel an Lebensmitteln machte sich im Lager geltend, die Transporte, welche mit großen Opfern herbeigeschafft werden konnten, reichten nicht mehr hin für so gehäufte Bedürfnisse, und als dann Llagostera, der fortwährend auf der Communications-Linie mit Alcañiz operirte, den letzten, sehnlich erwarteten Convoy auffing und fast ganz verbrannte, blieb dem Heerführer der Christinos nur die Alternative: „Einnahme der Festung oder rascher Rückzug.“ Oráa ließ die Bresche recognosciren, nachdem er nochmals umsonst die Besatzung zur Übergabe aufgefordert hatte. Der Ingenieur meldete, daß sie practicabel, wiewohl sehr schwer zu ersteigen sei; daß aber die hinter ihr aufgeführte Brustwehr jeden Erfolg sehr zweifelhaft mache. Da keine Wahl blieb, wurde der Sturm auf die Nacht vom 15. zum 16. August festgesetzt.

Um Mitternacht rückten die Colonnen der Stürmenden vorwärts. Die erste wandte sich gerade gegen die Bresche und gelangte unbemerkt bis an den Fuß der hier nicht hohen Felswand, welche sie ersteigen mußte; die andere unter Leitung des früheren Gouverneurs der Stadt, Oberst Portillo, zog den Fahrweg hinan; zwei kleinere Haufen zur Rechten und zur Linken waren bestimmt, die Aufmerksamkeit der Belagerten zu theilen. — Diese hatten die Compagnien Grenadiere von Tortosa und Jäger der Guiden von Aragon mit dem schweren Werke der Vertheidigung der Bresche beauftragt, während die Reste dieser Bataillone zu beiden Seiten die Thürme und die Schießscharten der Mauer besetzt hielten. Drei andere Bataillone von Tortosa und Aragon, am Abend in die Stadt gezogen, waren als Reserve in Masse aufgestellt, um sich sofort auf den eingedrungenen Feind zu werfen, oder standen in den barrikadirten Häusern längs der Angriffsfront.

Die Sappeurs arbeiteten indessen thätig an den Abschnitten, die allenthalben in der Stadt geöffnet wurden, und richteten die terassenförmig dem Umfange des Castells parallel laufenden Straßen zur Vertheidigung ein; die voluntarios realistas bewachten rings die Mauer. Da der Sturm mit Zuversicht erwartet wurde, befand sich Jedermann seit dem Anbruche der Nacht auf seinem Posten. Auch Graf Negri, selbst Alles überwachend, logirte in dem der Bresche nächsten Thurme; er ermahnte die Freiwilligen, nicht eher Feuer zu geben, bis der Feind den Fuß der Bresche erreicht habe.

Da ward das Geräusch der nahenden Massen gehört. Rasch entzündet wirbelte der ungeheure Holzstoß seine Flammen gen Himmel, die ganze Weite der Bresche in züngelnde Gluth hüllend und weit in die Nacht hinaus leuchtend. Kaum funfzig Schritt von der Bresche waren die Feinde entfernt. Sie hielten einen Augenblick hinter dem Felsenabsatz, dann schwangen sie sich mit wildem Gebrüll hinauf und stürmten rasend den Feuerwogen zu, die ihnen entgegenzuckten; von den Musikchören der ganzen Armee erschallte zugleich die Revolutions-Hymne Riego’s, zu fanatischer Wuth sie zu entflammen, während alle Regimenter, die Blicke auf das furchtbar erhabene Schauspiel gerichtet, in Schlachtordnung aufgestellt waren. — Todtenstille herrschte in der Stadt; der blutrothe Schein der Flammen zeigte den Anstürmenden die dunkeln Massen der Carlisten ihrer harrend, die Gewehre zum Schuß bereit.