Da Cabrera mehrere Bataillone von Aragon erwartete, verließ er am Morgen des 1. Octobers seine Stellung, um die Vereinigung mit ihnen zu erleichtern. Zugleich brach auch Pardiñas von Maella auf, um den Heranmarsch der Verstärkung zu begünstigen, die von Caspe aus zu ihm stoßen sollte.[66]
Von Maella nach Favara, Südwest zu Nordost, erstreckt sich ein etwa drei Stunden langer Höhenzug, dessen obere, ganz kahle Fläche, ein Hochplateau bildend, in seiner größten Breite — anderthalb Stunden von jedem der beiden Orte — etwa eine halbe Stunde beträgt. Die Verbindungswege zwischen ihnen laufen zu beiden Seiten dieser Höhe in dem Grunde der sie cotoyirenden Thäler hin, von dem das nordwestliche, in dessen Tiefe das Flüßchen Nonaspe sich hinschlängelt, reich bebaut und hauptsächlich mit Weingärten und mit Olivengehölzen bedeckt ist, auch ist die Höhe dorthin sehr sanft abgedacht. Das andere südöstliche Ravin ist durch steil abfallende Wände gebildet und durch rauhe, vorspringende Felsmassen verengt; es ist mit Ausnahme von wenigen Olivenbäumen ganz ohne Cultur.
Pardiñas, die von Caspe herführenden Wege zu decken, schlug natürlich, links sich wendend, den Weg längs dem Flusse ein, um nach der Vereinigung mit der erwarteten Verstärkung Cabrera anzugreifen, während dieser, ohne von der Absicht und dem Ausbruch jenes Generals Nachricht zu haben, von Favara aus gleichfalls links das schroffere südöstliche Thal hinabzog, da die Bataillone, denen er die Hand reichen wollte, von Süden her naheten.
Die Eclaireurs der beiden Corps, längs den Flanken der Marschcolonnen schwärmend, trafen sich auf der Mitte des Plateaus und eröffneten alsbald das Feuer. Die beiden Generale schickten den Kämpfenden Verstärkung auf Verstärkung und zogen sich, ihrem Vortrabe folgend, nach und nach auf die Höhe des Plateaus, wo die Divisionen in Schlachtordnung auf einander stießen, so daß die Avantgarde einer jeden der Arrieregarde der andern gegenüberstand, welche die Christinos jedoch bedeutend zurückgehalten hatten. Die Front der Carlisten war jetzt nach Norden gerichtet.
Die feindliche Cavallerie der Avantgarde stürzte sich auf die beiden Bataillone von Mora, welche den rechten Flügel der Carlisten bildeten, durchbrach sie, noch nicht geordnet, und säbelte sie furchtbar nieder. Das Regiment von Tortosa sprengte zu ihrer Rettung herbei, und sie konnten, von den Guiden von Aragon aufgenommen, sich rasch formiren und wieder vordringen. Die Lanciers von Tortosa aber wurden durch einen neuen, heftigen Choc gleichfalls geworfen und verloren eine große Zahl Todter, da die Christinos Alle, welche sie einholten, mit dem Rufe: „heute giebt es keinen Pardon für Euch!“ erbarmungslos niederstachen, wiewohl diese, von den Pferden springend, sich gefangen gaben.[67] Zugleich griff Pardiñas mit seiner Infanterie des Centrum die Bataillone von Tortosa an, welche auf vierzig Schritt Entfernung mit Bataillons-Salven die Massen empfingen und dann mit dem Bajonnett ihnen entgegenstürmten. Unentschieden wogte der Kampf vor und zurück. Die braven Tortosiner wichen nicht, und die Bataillone von Cordova und Afrika, eben so brav, drangen immer wieder zu wildem Angriffe. So ward die Infanterie beider Corps in furchtbarem Handgemenge vermischt, aus dem die Losungsworte viva Carlos quinto! und viva Isabel segunda! verwirrt durch einander tönten, da nicht eine einzige Compagnie in sich geschlossen geblieben war.
Cabrera erkannte, daß der Augenblick der Entscheidung da war: ein Cavallerie-Angriff in solchem Chaos mußte Wunder thun. Er beorderte einige der Escadrone herbei, die so eben auf dem rechten Flügel die Fortschritte der feindlichen Reiter wieder gehemmt hatten. Aber ehe sie anlangten, stürzte er, schon leicht verwundet, an der Spitze seiner Ordonnanzen, kaum 60 Reiter, in die Mitte des Getümmels der Infanterie, mit dem Rufe: «hay cuartel, abajo las armas!» — es giebt Pardon, nieder mit den Waffen! — die Christinos betäubend. Die verwegene That hatte den herrlichsten Erfolg. Die Feinde überall mit der Infanterie von Tortosa gemischt, konnten sich nicht in Massen formiren; allgemeine Bestürzung, panischer Schrecken ergriff sie, und Pelotons, Compagnien und ungeordnete Haufen, wie sie aus dem Handgemenge sich vereinigen konnten, streckten die Waffen, Alles verloren wähnend, da sie die Cavallerie der Carlisten in ihrer Mitte sahen. Wenige flohen. Die Ordonnanzen und die herangezogenen Escadrone von Tortosa, der Infanterie das Werk der Entwaffnung überlassend, jagten an dem erstarrten Haufen der Christinos vorüber, die zagend die Gewehre niederwarfen, bis sie wieder und wieder die ganze Linie durchkreuzt hatten.
In einer Viertelstunde war das Unglaubliche vollbracht. Zugleich warf sich der linke Flügel Cabrera’s auf den zurückgezogenen, auf dem Abhange stehenden Nachtrab der Feinde, bei welchem sämmtliche Bagage sich befand. Er war sofort zerstreut und floh in gränzenloser Verwirrung auf Caspe, die Vernichtung der schönen Division verkündend, worauf die zur Verstärkung derselben bestimmten Truppen dort blieben.
Pardiñas hatte sich umsonst bemühet, das Gefecht wieder herzustellen; in Verzweiflung stürzte er mit der Cavallerie des linken Flügels zur Rettung seiner schon aufgelöseten Bataillone, aber die Escadrone wurden durch die Festigkeit einiger Compagnien von Tortosa geworfen und durch einen Chor der Lanciers ganz zerstreut und, in die Schlucht gedrängt, größtentheils gefangen. Bald war an die Stelle des wilden Tumultes majestätische Ruhe getreten, nur durch den jubelnden Siegesruf: viva el Rey! unterbrochen.
Schon verwundet, das Pferd unter ihm getödtet, floh Pardiñas allein und zu Fuß dem Ravin zu, durch welches Cabrera’s Armee heraufgezogen war. Vom Oberstlieutenant Rufo, einem Adjudanten des Generales, zu Pferde verfolgt, gelangte er bis zu dem Grunde des Thales, vermochte aber, geschwächt durch Blutverlust, nicht mehr, die entgegengesetzte, steile Höhe zu ersteigen. Er ergriff das Gewehr eines Grenadiers, der gleichfalls fliehend an ihm vorübereilte, und zerschmetterte durch einen Schuß den Arm Rufo’s, da dieser ihn aufforderte, sich zu ergeben. Das Feuer hatte schon ganz aufgehört; so zog dieser vereinzelte Schuß einige Ordonnanzen herbei, welche, den Adjudanten ihres Generales verwundet sehend, den feindlichen Anführer niederhieben, wiewohl er als Pardiñas sich kund gab.[68]