Oberstlieutenant Rufo, mit einer Schwester des Grafen von Morella verlobt, starb einige Wochen nach der Action in Valderobles, da die sogenannten Wundärzte nicht sogleich zur schwierigen Amputation geschritten waren. Die Nachricht von der Verwundung des Geliebten warf seine Braut, die liebenswürdigste von den drei reizenden Schwestern des Generals, auf das Krankenlager; sie überlebte nur um einen Tag die Schreckenskunde von seinem Tode.

Der Sieg nach einstündigem, furchtbarem Ringen war vollkommen. 3500 Mann waren gefangen, über 4000 Gewehre, zwei Geschütze, 350 Pferde und die ganze reiche Bagage wurden auf dem Schlachtfelde erbeutet. Nur 800 bis 900 Mann, zum Theil unbewaffnet, entkamen nach Alcañiz und Caspe, wo sie die größte Bestürzung verbreiteten, die bald durch das ganze christinosche Spanien wiederhallte. — Der Verlust der Carlisten war sehr bedeutend, wie solcher Kampf ihn mit sich brachte, sie zählten ungefähr 1200 Mann Todter und Verwundeter, ein Viertel ihrer ganzen Stärke.

Nach dem Siegestage von Maella entsendete Cabrera drei Bataillone und zwei Escadrone unter dem Oberst Polo nach Castilien, wo sie bis in die Mancha vordrangen und, ohne Widerstand zu finden, einen großen Convoy von Lebensmitteln sammelten — der Winter war ja nahe. — Er selbst durchstreifte mit der Division vom Ebro Nieder-Aragon bis an die Thore von Zaragoza, während sein Adjudant, Oberst Garcia, der wegen seiner mannichfachen militairischen Kenntnisse bei dem gänzlichen Mangel an Genie-Officieren[69] deren Functionen versah, die Blockade von Caspe leitete. Llagostera aber drang von neuem in die Ebene von Valencia und bis in das Königreich Murcia vor; bei seiner Rückkehr traf er auf den General Borso und ward am 2. December bei Chiva geworfen, wobei er etwa 200 Gefangene einbüßte, welche erschossen wurden, da schon das Repressalien-System in Kraft getreten war. Doch später davon.

So wie das Belagerungsgeschütz dort anlangte, war Cabrera nach Caspe geeilt; er ließ sofort die Batterien errichten, beschoß die Stadt kräftig und hatte sich schon in einigen Häusern unmittelbar neben der Mauer festgesetzt, als General van Hahlen mit starkem Corps zum Entsatz nahete. Auf seiner Flanke und in den Communicationen bedrohet, zog Cabrera seine Artillerie am 18. October zurück, hob die Belagerung auf und wandte sich nach dem Königreiche Valencia, wo Forcadell durch Überfall des Castells von Villamaleja sich bemächtigt hatte. Da van Hahlen sich sofort dahin in Bewegung setzte, stand der carlistische Feldherr nach einigen Gewaltmärschen wieder in Aragon und erneuerte die Belagerung von Caspe, die auch dann fehlschlug, weil Niemand in der Armee sich fand, der eine Mine, welche nothwendig war, mit gehöriger Wirkung anzulegen wußte.

Cabrera durchzog in den letzten Tagen des Novembers noch ein Mal die fruchtbare Huerta und machte einen vergeblichen Versuch, Lucena in Valencia durch Hunger zur Übergabe zu zwingen, worauf er nach Morella ging, da die Witterung für den Augenblick jede Operation unmöglich machte. Mehrere Monate verflossen in anscheinender Unthätigkeit. General van Hahlen begnügte sich, Convoys nach den vorgeschobenen Festungen zu escortiren und im Halbkreise auf der großen Straße von Castellon nach Valencia, Teruel, Daroca und Zaragoza um das carlistische Gebiet in beobachtender Ferne sich zu bewegen. Der Graf von Morella aber arbeitete an der Completirung und Ausbildung der Armee, ersetzte das Vernichtete und Mangelnde und traf alle Vorbereitungen, um mit dem Frühjahre kräftig die Offensive ergreifen zu können, da die glänzenden Erfolge des letzten Feldzuges die Überlegenheit des carlistischen Heeres unter Cabrera’s Leitung factisch dargethan hatten.

Cabrera ward schon von den Anhängern Carls V. als der Mann betrachtet, der den Krieg beenden und dem Könige den Weg zu dem Throne seiner Väter öffnen würde; in ihm concentrirten sich jetzt alle Hoffnungen. Von der Armee der Nordprovinzen erwartete, wünschte man nur noch, daß sie sich halten und so die ihr gegenüber stehenden Truppen dort fesseln möge. An endlichen Sieg durch sie dachte Niemand mehr: „Das Übrige wird schon Cabrera thun“ klang vertrauensvoll aus Aller Munde. — Wer hätte ahnen mögen, daß Verrath die Waffenthaten des jugendlichen Helden vergeblich machen und das sinkende Gebäude der Revolution stützen werde!


Der Winter von 1838 zu 1839 sticht in der Geschichte des spanischen Bürgerkrieges blutig durch eine lange Reihe systematischer Metzeleien hervor, die das Gefühl mehr empören müssen als alle die Gräuel, welche in den ersten Jahren des Krieges verübt wurden, weil diese durch die Leidenschaft des Augenblickes und die Verhältnisse eine theilweise Entschuldigung finden könnten, während jene, nachdem lange schon menschlicherer Kriegsgebrauch herrschend gewesen, mit kalter Berechnung und an Unglücklichen Statt fanden, die, seit längerer Zeit schon gefangen, eben deshalb gegen jede Gefahr gesichert und unter den Schutz von Allem gestellt erschienen, was die Leidenschaften des Menschen bändigen kann. Ich will die Umstände darlegen, welche jene Blutscenen veranlaßten, die natürlich ganz und allein dem carlistischen General zugeschrieben wurden und gegen ihn den Abscheu der Welt häuften.

Als ich in der Armee Cabrera’s ausgewechselt wurde, war ich, wie hoch ich die militairischen Eigenschaften dieses Anführers stellte, von eben so hohen Vorurtheilen gegen ihn als Menschen befangen. Ich betrachtete die Darstellung, welche die Blätter des liberalisirten Spanien von seiner Grausamkeit, seinem Blutdurst und den zahllosen Schandthaten gaben, die ihm zugeschrieben wurden, als übertrieben zwar, aber doch in ihren Grundstrichen wahr und gegründet. Daher konnte ich, wie sehr auch der blutige Krieg mit Scenen von Härte und Rücksichtslosigkeit mich vertraut gemacht, ja mich gewöhnt hatte, mit Gleichgültigkeit den Tod und das Elend der Menschen bloß als materiellen Verlust oder Gewinnst zu berechnen, dennoch nur mit Grauen auf den Mann sehen, der so jedes höhere Gefühl verleugnete, der ohne Veranlassung mit Wollust das Blut seiner Mitmenschen stromweise vergoß, und der in Anderer Jammer sein Vergnügen, sein Glück fand. Denn so schilderten ihn die Christinos, doch mit unendlich stärker aufgetragenen Farben.