Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »*der Ressel« auf Vereine und Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund, sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden, bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil er einst zum Schlosse gehörte.
Dem oberwähnten *Schlossberge müssen wir noch an dieser Stelle mehr Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt 1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens« aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.
Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.
In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig. Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500 Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.
Touren.
Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal. (Von da über Niklasdorf nach Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf-Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung – siehe Bereisung von Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung, biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten) und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den Gasthöfen zum »schwarzen Adler« und zur »frohen Aussicht« findet man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle »Grundbach«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann »Ruttenbach« heisst.
Von Ober-Georgenthal wird Eisenberg in 25 Minuten und Hammer-Johnsdorf in 30 Minuten erreicht – zu beiden Orten führen prachtvolle Waldwege (siehe für Eisenberg Bereisung von Görkau und für Hammer von Oberleutensdorf aus).
Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf. (1¾ St.) Diese Tour hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann Rosenthal, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer Strecke von 5251m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf, überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).
Brüx-*Püllna in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse; in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20 Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen, ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer Bürger und Kaufmann Adalbert Ulbrich die Aufmerksamkeit von Männern der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr. Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J. 1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug. Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von 20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem Tode übernahm dessen ältester Sohn Adalbert die Versendung auf eigene Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen, mehrere Sprachen sprechenden Sohne Konstantin, in erfolgreicher Weise fort.