Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz (östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8m. Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das, abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess anregt.
Brüx-Kollosoruk-Kosel (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)
Brüx-*Sauerbrunn-Bilin (2 Stunden zu Fuss oder mit der Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik, betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln des Böhmisch-Zlatniker 517m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535m hohen Bořen vor uns, und gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte des nordwestlichen Böhmen, zum Sauerbrunn.
Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet. Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen. Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz. Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet nur zwölf Gulden in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6 bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz Besitzerin der Herrschaft wurde. Die Josefs- und Caroline-Quellen sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem »Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils so bedeutend versendet, dass heute über eine Million Glasflaschen in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron. Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron. Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung, Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches – mit Wein- oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt – vermöge seines grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen. Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).
Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige, compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist. Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in einer Stunde. Wir überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den Höhlungen ist die Michelshöhle die hervorragendste. An ihrem Eingänge ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er ist der Stolz der Gegend.
Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten, schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg. Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir den Millayer Berg 504m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg, Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das Auge den Rücken des Erzgebirges.
Eine eben so schöne Aussicht bietet der Ganghofer Berg, dessen Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem »Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön angelegte Promenadenwege führen.
Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem niedlichen Städtchen Bilin.
Bilin.
Gasthöfe: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.