Post- und Telegrafenamt (ersteres Lange Gasse, letzteres Wenzelsplatz). Aussig-Teplitzer Bahn mit dem Bahnhof Preschen, 10 Minuten entfernt; Prag-Duxer Bahn mit den Stationen Sauerbrunn und Bilin. Bielathalbahn, Verbindung mit Aussig.
Fahrgelegenheiten: Postomnibus zum Bahnhof in Preschen.
Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen Fortsetzung der Hradischt heisst.
Geschichtliches. Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon 744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem 11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253 regierte, erhielt Hogerius, der Truchsess dieses Königs, die Burg und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342 wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426 bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch. Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan, diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz, der gegenwärtige Besitzer.
Sehenswürdigkeiten: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche Schloss mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere Gegenstände gefunden; die schöne Pfarrkirche ist auch zu beachten. Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die neugebaute Schule und das Gerichtsgebäude.
Touren:
Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte Bilin oder von der entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, Lobositz.)
Bilin-*Radelstein. Zum Radelstein entweder über Kutschlin und Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken, dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her. Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht möglich ist.
In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der Südseite des Plateaus. Im Süden erblicken wir zwischen den Launer Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg; im Südosten präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg (Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine, an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.
Östlich vom Radelstein liegen der Suttomer Berg und Skalken, südlich von diesen der Werschetiner Berg – auf derselben Strasse wie zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716–1724 durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen, da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9m hoher ovaler Thurm, mit 3·7m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7m über dem Boden in der Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben Stunde nach Woborzitz, in dessen Nähe sich der Woborzitzer Berg, der Werschetin, 426·6m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.