Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.

Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer geblieben ist.

Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur selbstständigen Stadt.

Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1. Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre 1879 über 32.000.)

Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm, so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt, jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist der Kurpark. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein grossartiger Neubau, das Gartengebäude. Im Osten befindet sich das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.

Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf den Schlossplatz mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut), der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man in den fürstlichen *Schlossgarten, ein bescheidener Name für einen herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.

Mit dem Kurpark hängt der Seumepark zusammen, ein umgewandelter alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich die neuerrichteten Payeranlagen, überragt von dem Mont de Ligné, (Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden, gelangt man in den Kaiserpark, eine ebenfalls reizende Anlage der Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng gothischen Style erbaute kath. Kirche von Schönau, das Stefans- und Steinbad, das grossartige k. k. Militärspital und davor den Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen geschmückte Giselastrasse, welche zum Teplitzer Bahnhof führt, einem grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben befinden sich auch Gartenanlagen.

Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: Die evangelische Kirche (Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der Freitreppe eine der *schönsten Aussichten. In derselben Gasse wird sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der fürstl. Claryschen Familiengruft.

Spaziergänge.

1. Die *Königshöhe (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne Aussicht.