Von Tschochau aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und zwar zunächst nach Staditz; schon nach einer kleinen halben Stunde kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.
Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz, der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe [Seite 178].)
Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach Türmitz (Station der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.
Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach Nabrowan bis Razeine, von da links ab nach Dubitz und dann bis zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal. Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.
Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.) Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über Suchey nach Höben und von da entweder über Qualen nach Salesl (Station d. Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer, eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb. und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den Rücken des Glaberberges und dann in einer Thalsenkung über die kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow, dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205m hoch bei Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: von Tschochau über Nabrowan nach Razeine. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz, Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen Ufer.
Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend, eine lohnende Augenweide finden – einen Blick in das tiefliegende Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.
2. Von Teplitz nach Kostenblatt. Es sind dahin 2 Wege. Auf dem einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle, zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links – bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab, und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz, Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante Ruine Kostenblatt, 570m hoch, wohl eine mit von den schönsten des Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422–30). Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie – früher von Kunstadt, später von Podiebrad genannt – sie nachher gehörte, verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst. 3. Ein anderer Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob. Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes, dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke. Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das Bielathal.
Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2 St.) zu dem reizenden Wopparna-Thale. Bei Kleintschernosek kommt man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾ St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause (keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit der Bahn nach Teplitz.)
II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.
Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen, in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht, welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges trägt.