Setzt man nun den Weg gleich hinter der Station gegen das Gebirge fort, so gelangt man an die Eichwald-Graupner Strasse, diese passirt man schräg rechts und findet sofort wieder einen Pfad, der dann sowohl auf die Rosenburg, als auf die Wilhelmshöhe und in den Ort Graupen führt. Von Eichwald führt die erwähnte Strasse in 1 Stunde über Pihanken, Dreihunken, Judendorf hin. Auf ihr schöne Aussicht auf das Thal.

Graupen, Bergstadt, an 3000 Einw. zählend, die sich von Kohlen-Zinnbergbau, der Fabrication von Wirkwaaren, Dachpappe und Korbflechtereien nähren, ist ein Specificum in seiner Erscheinung. Es ist sehr lang in das mitunter ziemlich steilsteigende schmale Thal hineingebaut. Die Bauart oft alterthümlich. (Gasth. Stadt Dresden.) In der Kirche ist eine Darstellung des Fegefeuers sehenswerth. Zu erwähnen ist die heilige Stiege, die man kniend zu erklimmen pflegt.

Aussichtspunkte sind: a) die *Wilhelmshöhe, nach König Friedrich Wilhelm III. von Preussen benannt, dessen Lieblingsplatz das hier war. Die Aussicht prachtvoll, die Restauration sehr gut.

Etwas höher ist b) die *Rosenburg, die Aussicht daher auch weitgreifender, ohne bedeutenden Unterschied. Es ist hier eine Ruine, die nach den erhaltenen Resten zu schliessen, eine der schönsten und grössten in Böhmen sein musste. Sie wurde um 1330 von Timo von Kolditz erbaut, von den Taboriten auf ihrem Zuge gegen Sachsen 1429 erstürmt, wurde jedoch bald darauf wieder hergestellt, 1584 kam sie in kaiserlichen Besitz, 1619 kaufte sie die Stadt. Mit dem traurigen Verfall der ehemals wohlhabenden Stadt Graupen verfiel sie auch selbst. Der mittlere Theil der Ruine ist in einen Rosengarten verwandelt und bietet einen herrlichen Anblick. Die Fernsicht von dem Pavillon ist eine der reizendsten. (Restauration.)

Eine etwas weitere Partie, aber jedenfalls die lohnendste ist der Mückenberg mit dem Aussichtspunkte *Mückenthürmchen, das zugleich Restauration ist und selbst für die Nacht gute Unterkunft bietet

Es führt eine Chaussée hinauf, die Hauptstrasse aber in Graupen, die sich dann nach Sachsen fortsetzt, in das Müglitzthal nach Lauenstein und Bärenstein, in etwas mehr als 1½ St. Der Wanderer zu Fuss kann oberhalb Graupen, bei einer grossen Biegung der Strasse nach links, rechts auf einem etwas steileren, aber kürzeren Weg über die Ortschaft Obergraupen entweder wieder die Strasse erreichen, dann beim Mauthaus rechts, an der 1700 erbauten Sct. Wolfgangskapelle vorbei, oder direct auf leicht auffindbaren Pfaden zu der Restauration gelangen.

Das Mückenthürmchen nimmt eine derartige isolirte Stellung ein, dass die Aussicht nach allen Seiten ungehemmt ist. Am grossartigsten ist der Blick nach Böhmen. Als Grenzpunkte der Aussicht seien erwähnt: nach Süden über den gar merkwürdig klein erscheinenden Schlossberg weg sind es die Höhen des Mittelgebirges; im Südosten der Geltsch, der Říp bei Raudnitz, die Bösige und der Jeschken bei Reichenberg. Im Osten in weiter Ferne der Höhenzug des Riesengebirges, die Lausitzer Berge und der Iserkamm. Nach Norden hin ist die Aussicht weniger bedeutend, gar auffällig ist der Gegensatz der rauhen, ziemlich unfruchtbaren, an Abwechslung armen Gegenden gegen die fruchtbare Ebene im Süden. Man sieht die Elbhöhen bei Dresden und bei sehr klarem Wetter durch ein gutes Fernglas hat Schreiber dieses die Thürme der kath. Kirche in Dresden gesehen. Nach Westen sieht man die Fortsetzung des Erzgebirges; über Ossegg, an seinen rothen Thürmen leicht kenntlich, ragt der schon erwähnte Wieselstein, in weiter grauer Ferne der Fichtelberg bei Joachimsthal und noch das Fichtelgebirge (Ochsenkopf?) hervor. Die Rundschau umfasst einen Kreis von 350km Durchmesser. Die Aussicht wird von vielen mit der vom Brocken und der von der Schneekoppe verglichen.

Erwähnt sei noch die uralte Glocke im Thurme, die einst den Bergleuten zum »Einfahren« in die Zinnwerke geläutet haben soll, dann weiter der grosse Erdsturz unmittelbar bei dem Gebäude.

Von hier gehen Wege ab: über Siebenhügel nach Zinnwald 1½ St. und Eichwald (2½ St.), über Voitsdorf in das Müglitzthal (1 St.), über Ebersdorf, Streckenwald nach Schönwald (Spitzberg) (2½ St.) oder von Streckenwalde zur Nollendorfer Höhe (2½ St.), endlich noch über Ebersdorf nach Adolfsgrün und Hintertellnitz, dann durch das Tellnitzer Thal zur Station Tellnitz über 3 St.

*Mariaschein (Station der Aussig-Teplitzer E. etwa 20 Min. entfernt) ist von Teplitz eine Stunde, von Graupen einige Minuten entfernt. Es ist als wunderthätiger Wallfahrtsort weithin bekannt, von Pfingsten bis Ende December kommen zahlreiche Processionen von Nah und Fern allwöchentlich hier an. Die Kirche, reich ausgestattet – das Gnadenbild in goldener Kapsel am Hochaltar – ist von einem Kreuzgange umgeben, in welchem sich zahlreiche Kapellen der Clary-Waldstein, Lobkowitz und mehrerer Städte befinden. Die vielfach beschädigten Wandgemälde haben Bezug entweder auf die Gründung des Klosters oder auf stattgefundene Wunder.