Ueber die Entstehung des Gnadenortes erzählt die Sage Folgendes: Nach der Zerstörung des Nonnenklosters in Schwaz durch die Hussiten verbargen die fliehenden Nonnen die Holzfigur »Maria mit dem entseelten Körper ihres Sohnes im Schoosse« in das Laubwerk einer Linde. Als nun eine Magd in der Nähe dieses Baumes von einer Schlange angegriffen wurde, rettete sie ein flehender Blick zu dem plötzlich offen erscheinenden Gnadenbilde. Das nun dadurch bald berühmt gewordene Bild wurde nach Graupen feierlich abgeholt, verschwand aber mehreremal auf den früheren Ort. 1442 wurde daselbst von Albert von Kolowrat eine Kapelle erbaut, und der Ruf des Gnadenbildes ging damals schon weit. 1507 wurde eine Kirche, 1584 von Popel von Lobkowitz ein Kreuzgang mit mehreren Kapellen erbaut, seit 1591 hatten Jesuiten hier die Aufsicht. 1602 kam das Gut Geiersburg, zu welchem ausser Sobochleben das Graupner Vorwerk »die Scheune« (eben der Gnadenort) gehörte, um diese Zeit schon ein förmliches Dörfchen, an den Protestanten Kekule von Stradonitz; die Kirche war aber von diesem Besitze ausgeschlossen. Am 5. Juni 1618 flohen die Jesuiten mit dem Gnadenbilde nach Dux. In der Kirche predigten Protestanten. Aber nach der Schlacht am Weissen Berge trat ein Umschwung ein; Kekule starb am Schlagfluss, als ihm die Confiscirung seiner Güter gemeldet wurde. Der kais. Oberstwachmeister Alex. Regnier, Ritter von Bleileben wurde der Besitzer. Da sein Sohn, der hierorts berüchtigte Hans von Bleileben, von schwedischen Officieren aus unbekannten Gründen nach einem Male getödtet wurde – er liegt in der Graupner Kirche begraben – vermachte seine Mutter, geb. von Pichelberg, 1662 das Gut Sobochleben an die Jesuiten. Der Ort führte von da an den Namen Mariaschein statt wie bisher Mariascheune. 1679 Gründung der Lateinschule. 1773 wurde bei der Auflösung des Ordens die Herrschaft Sobochleben eingezogen, aber 1806 an die hier seit 1779 (eigentlich erst 1798) bestehende Probstei zurückgegeben. Seit 5. Dec. 1852 besteht die Verfügung, dass der Ordinarius (Bischof) von Leitmeritz unumschränkter Verwalter des Kirchengutes sei. Bald darauf zogen die Jesuiten wieder ein. Heute haben sie in dem südlich von der Kirche befindlichen Gebäude ein Obergymnasium mit einer Pensionsanstalt. Vom 11. bis 28. Sept. 1813 war das Kloster und der Kirchgang von Preussen befestigt worden.

Der Besucher vergesse nicht auf den Wunderbrunnen mit erfrischendem klaren Wasser im Vorhofe und auf den Fressbrunnen ausserhalb des Klosters, eine eisenhaltige kalte Quelle; ihr Genuss soll Appetit erregen.

IV. *Geiersburg.

Station der Dux-Bodenbacher B. Hohenstein. Von Mariaschein und Graupen ist das Thal, in dessen Tiefe sich auf einem Berggipfel diese Ruine befindet, auf einem hübschen schattigen Wege, ganz am Abhange der Berge zu erreichen. Man geht in diesem Thale an einer Restauration fort, sich rechts haltend, bis zu einer Wegtheilung, dann wieder rechts und erreicht in ½ St. diese romantisch gelegene Burgruine, in deren Inneres einzudringen etwas Uebung im Klettern erfordert. Man thut es nur selten, da es wenig Interessantes bietet. Der hohe Thurm und die klafterdicken Mauern sprechen für eine grosse Festigkeit dieser Burg. Sie wurde als Landesfestung gegen Meissen bereits unter dem Namen Chlumec von den böhmischen Herzögen errichtet. Es wurde hier der Zoll und die Wegmauth gezahlt für die Saumthiere – damals die gewöhnliche Verkehrsart. Im 12. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Riesenburg und erhielt ihren jetzigen Namen. Interessant ist, dass der letzte ohne Nachkommen war und seine Herrschaften unter seine Edel-Knechte vertheilte. Sie fiel einem gewissen Blasius zu. Seit 1329 war sie Eigenthum des Bischofs von Prag (daher mons episcopalis), deren einer, Erzbischof Johann von Genczstein, hier vor dem Zorne König Wenzels IV. seine Zuflucht fand (1393; der Name Johann von Nepomuk spielte dabei eine Rolle). Ihre Besitzer wechselten dann, ihr letzter ist Wolfgang von Salhausen, der im J. 1526 hier ein Fest feierte. Da gab Glatz von Altenhof, ein Gast, unvorsichtig einen Büchsenschuss ab, dieser entzündete das Strohdach und die Burg brannte nieder und liegt seither in Trümmern. Der Herrschaftssitz wurde nach Sobochleben verlegt, mit welchem die Ruine gemeinsame Schicksale hat. Die Aussicht von der Ruine auf das Tiefland und das jenseitige Mittelgebirge ist über alle Beschreibung entzückend.

Es knüpfen sich viele alte Volksmärchen an dieses Bergschloss, die zum Theile Spiess in dem Ritterroman »Hans von Bleileben« oder »der irrende Geist bei Teplitz« der Lesewelt seinerzeit zum Besten gegeben hat.

V. Tellnitz-Schönwald-Nollendorf.

Man fährt bis Tellnitz (Station der Dux-Bodenbacher E.), geht einen sehr hübschen Thalweg (Strasse) bis Hintertellnitz bei den letzten Häusern auf einem Fusspfade rechts von der Strasse ab, dann wieder auf ihr fort – der Spaziergang ist in der frischen Waldluft sehr angenehm – und erreicht dann bald das Dörfchen Adolfsgrün (1¼ St.). Hier auf der Höhe ein weiter Blick über das Plateau bis zum Mückenberg und zum Geisinger Berg. Von hier nach Streckenwalde und Schönwald (¾ St.). Von Schönwald, einem grossen langausgedehnten Gebirgsdorfe mit einigen guten Gasthäusern, erreicht man in ¼ St. den Sattel oder *Spitzberg, einen Basaltkegel mitten aus dem Gneis hervorragend, der wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht über das Plateau und seinen allmähligen Abfall nach Sachsen die leichte Besteigung überaus lohnt und dennoch unter den Touristen im Ganzen wenig bekannt ist. Von Schönwald ist das industriereiche (Sammet und Knöpfe), über eine Stunde sich ausdehnende Peterswald (2600 E., Gasthaus zur Post) in ½ St. zu erreichen. Dieses wurde 1813 durch fortwährende Durchmärsche hart mitgenommen. Napoleon übernachtete hier 16.–17. Sept. Das Haus, jetzt eine Finanzwachkaserne, trägt die Inschrift: »Haec domus auxilio patris aeterni exstructa«. Am 17. Sept., während der Schlacht bei Arbesau hatte Napoleon den Kirchthurm von Nollendorf bestiegen. Von beiden erreicht man in etwa 1 Stunde Nollendorf, mit seiner berühmten, weit sichtbaren und daher auch eine weite Aussicht bietenden Kirche – bekannt als Nollendorfer Kapelle. Schöner ist noch die Aussicht von der Nollendorfer Höhe bei Jungferndorf, zwischen Peterswald und Nollendorf (von ersterem fast 2, von letzterem ½ St. entfernt). Man erblickt von hier die Spitzen des Elbesandsteingebirges, des Lausitzer und Isergebirges. Von Nollendorf auf der sanft abfallenden Strasse – die ganze Partie ist der berühmte Nollendorfer Pass – gelangt man wieder nach Tellnitz. Doch versäume man nicht, das einige Minuten rechts von der Strasse gelegene, neuerbaute gothische Kirchlein zu besuchen. Es ist wegen seiner idyllischen Lage einer kleinen Abbiegung höchst werth.

Diese ganze Tour dürfte ein mässig rasch gehender Fussgänger in einem Tage, zum Abendzug der D.-B.-B. nach Teplitz leicht zurücklegen.