[1] Als Ferdinand II. am Fusse des Kulmer Berges sein Heer ordnete und von der Höhe herab den Klang der Glocken vernahm, soll er ausgerufen haben: »Jede freie deutsche Reichsstadt könnte stolz sein, ein solches Geläute zu besitzen.« – In die Glocken sind zahlreiche Namen von Wallfahrern und Reisenden eingegraben.
Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der »Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von – Schweinen ausgewühlt worden sei.
Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod« d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren, altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.)
Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen, muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal, selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt, der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte. (Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau – siehe dieses).
Franzensbad-Schönbach.
Schönbach nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen.
Gasthof: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus.
Postverbindung über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth.
Musikschule, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist.