(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen: Sandau-Königswart.)

Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen *Schlosse und Parke des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir verweilen mit Vergnügen bei der interessanten Münz-, Waffen-, Gemälde-, Mineralien- und Geweih-Sammlung, Bibliothek. Wir finden hier historische Raritäten, wie einen Degen Ludwig's XVI., ein Waschbecken Napoleons I., einen Schreibtisch des berühmten österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000 Francs geschätzter »Rasender Roland.« Ein Curiosum von noch grösserem Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs bezahlt hat.

Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II. die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne, da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort. Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten nordöstlich gelegenen Städtchen Königswart am Fusse des Glatzberges.

Gasthöfe: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. Casino Fremden zugänglich.

Der junge, aufstrebende Curort


*Königswart

liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948m hohen, mit Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt.

Gasthöfe: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison: Brunnen-Musik.

Post- und Telegrafen-Amt.