B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus.
Falkenau.
Gasthöfe: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus, Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause.
Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht.
Eisenbahn: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden.
Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948m. Inmitten dieser Ebene, »das Falkenauer Land« genannt, liegt:
Falkenau – Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park. Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite, gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende der Stadt führt eine neue 132·3m lange Eisenbrücke auf das linke Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor, dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau besang der Naturdichter Anton Fürnstein, welcher ein Krüppel war und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte. Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.« Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische, Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht, bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem, günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen; sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer Erinnerung werth ist.
Spaziergänge:
Falkenau-*Hartenberg. Wir gehen von Falkenau auf der Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau. Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen. Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende Davidsthal mit den Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa 20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft ansteigt, nach Josefsdorf, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse rechts zum Schlosse und Dorfe Hartenberg abbiegt.