Graslitz-*Klingenthal, unmittelbar an der Grenze, wird durch das Zwodauthal in ¾ St. erreicht.

Klingenthal 576m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.

Gasthöfe: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen Zollamts – gehört zu Markhausen in Böhmen).

Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold und E. Leiterd in Brunndöbra.

Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt, wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen »Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben. Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.

Von Klingenthal lässt sich bequem der Aschberg besuchen. Der nächste Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra. Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog. Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe, sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern der niedrigen Stübchen – wie überhaupt im östlichen Vogtland – den Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe der Kinder anzieht.« Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. Der Aschberg, 925m, liegt hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl. sächsischen Triangulirung. Das Steingerölle lässt uns die geologischen Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene Rücken des Kiel (861m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.

Von Klingenthal nach Markneukirchen (mit der Bahn und dann retour).

Markneukirchen, Stadt, 504m Seehöhe, 4600 Einwohner.

Gasthöfe: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.

Eisenbahnverbindung: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger und nördlich gegen Leipzig.