Haben wir Altvater Peintl unseren Gruss zugewinkt, und das letzte Häuschen von Neuhammer im Rücken, so winken uns höhere Gebirgskuppen, und ernster Fichtenwald nimmt uns auf. Die Strasse windet sich in vielfach gebogenen Zickzacklinien etwas steiler durch den dunkeln Vierfels (rechts), den hochbewaldeten Kaiserbuchwald (links). Die Berge treten näher und näher heran, das sanfte Rauschen des zur Linken fliessenden, forellenreichen Weissbächleins gewährt eine interessante Unterbrechung der Waldeinsamkeit. Dort, wo sich die Strasse stark nach Rechts wendet, verlässt uns unser traute Begleiter und versteckt sich am Fusse des sich hinter uns erhebenden kahlen Berges »Kohlhau«, wo er sein Quellchen hat. Die Strasse wird etwas steiler, und die Höhe, vom Volksmunde »das Abg'span« genannt, ist erreicht, eine steinerne Säule markirt dieselbe. (Links zweigt ein Fussweg, der sog. Buttersteig, ab und führt nach Breitenbach und Johanngeorgenstadt.) Den Schlusstheil unserer Wanderung bildet das Zurücktreten des Waldes, an dessen Saume wir ein anmuthiges Forsthaus begrüssen; noch ein Viertelstündchen, und wir sind in Platten, dem Ziele unserer Wanderung.
Platten.
Gasthöfe: Waldhütter's Gasthaus (an der Ecke des Marktplatzes). Rathhaus.
Post- u. Telegrafenamt am Marktplatz.
| Postverbindung | nach | Joachimsthal | täglich | 1 | mal. |
| " | Neudek | " | 1 | " | |
| " | Karlsbad | " | 2 | " | |
| " | Johanngeorgenstadt | " | 2 | " |
Aemter: Bezirksgericht. Steueramt. Bürgermeisteramt (im städt. Rathhause).
Beschreibung und Geschichte der Stadt.
Die k. Bergstadt Platten liegt an der Südwestseite des Plattenberges auf dem Kamme des Gebirges, welches dicht nordwestlich an der Stadt allmählig nach der sächsischen Seite, im Süden aber mehr steil nach Böhmen abfällt. Die Stadt ist sehr regelmässig gebaut und zählt 2500 Einwohner, die Viehzucht, Blechlöffel- (aus Eisenblech und aus Stabeisen), Blechspiegel- und Blechfeuerzeuge-Fabrication, Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei und Korkschneiderei betreiben. Nicht weniger als eine halbe Million Dutzend Löffel, und zwar beiläufig 30 verschiedene Sorten, werden von Grosshändlern in Platten und Neudek jährlich nach allen Richtungen versendet. Der Gesammtwerth der in Platten erzeugten Blechspiegel wird auf ungefähr 40.000 fl. geschätzt.
Sehenswürdigkeiten: Grosse Löffelfabrik von Kolb und Kerl. Die Stöpselfabrik des Vincenz Gerber. – Zu erwähnen ist der durch die Stadt fliessende sog. Stadtgraben, ein Bach, der nördlich von Gottesgab entspringt und schon in alter Zeit von der Stadtgemeinde durch die Waldungen zum Betrieb der Berg- und Pochwerke, Mühlen und Schmelzhütten hieher geleitet worden ist und noch immer erhalten wird.