Die Gegend um Platten gehörte im Mittelalter zu der damals böhmischen Herrschaft Schwarzenberg, welche aber König Georg von Poděbrad, als seine Tochter sich 1459 mit dem Herzog Albrecht von Sachsen vermählte, diesem als Mitgift gab. Herzog Albrecht verkaufte die Herrschaft an die Herren von Tessau, und von dieser Familie ging sie 1532 kaufweise an den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen über. Ohne Zweifel wurde schon vor genanntem Jahre in dieser Gegend an mehreren Puncten, wie bei den jetzigen Ortschaften Irrgang, Zwittermühl, Breitenbach u. a., Bergbau auf Eisen und Zinn getrieben. Als 1532 auf dem Plattenberge »höfliche« (hoffnungsreiche) Zinngruben aufgefunden wurden, kamen immer mehr Bergleute aus der Umgegend, namentlich von Schneeberg, herbei, liessen sich hier nieder und gründeten Platten. Gleichzeitig fand die Gründung von Gottesgab statt. Der Bergbau machte in Platten bedeutende Fortschritte, viele neue Zechen wurden aufgenommen und auch einige Silbergänge erschürft: deshalb erliess der Kurfürst eine gedruckte Bergordnung und räumte der Bevölkerung die Befugnisse des Backens, Bierbräuens etc. ein. Im Jahre 1544 besass Platten bereits 8 Schmelzhütten und mehrere Eisengruben. Im schmalkaldischen Kriege hatte die churfürstliche Bergstadt, überhaupt die ganze Gegend bis an das Egerthal herab, viele Bedrängnisse zu erdulden. Christof von Gendorf zog im October 1546 mit zwei Fähnlein gegen Platten und erschreckte mit fünf grossen Stückbüchsen die dort befindliche sächsische Mannschaft so, dass sie die Flucht ergriff und die Stadt von kaiserlichen Truppen besetzt wurde. Aber im April 1547 kam die Stadt wieder in den Besitz des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Derselbe wurde bekanntlich vom Kaiser Karl V. in die Reichsacht erklärt und verlor sein Land, welches sein Vetter Moriz, der sich mit dem Kaiser verbunden hatte, erhielt. Am 14. October 1546 schloss König Ferdinand von Böhmen mit dem Herzog Moriz von Sachsen einen Vertrag ab, kraft dessen die südliche Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg mit Platten und Gottesgab sammt den Wäldern an Böhmen mit der Bedingung abgetreten wurde, dass dem Herzog die freie Jagd und der Genuss des Bergwerks-Zehnten blieb. Ein zweiter, im Jahre 1556 zu Schneeberg abgeschlossener Vertrag änderte erwähnten Vorbehalt dahin ab, dass der Zehnte zur Hälfte getheilt, aber auch der Gehalt der Beamten von jedem Theile zur Hälfte gezahlt werden sollte. Im Laufe der Zeit erhielt die Stadt von den Kaisern Ferdinand I., Maximilian II., Rudolf II., Mathias und Ferdinand III. mehrere Privilegien, hauptsächlich zur Förderung des Bergbaues. So verlieh K. Ferdinand I. am 30. Juli 1555 der Stadt neue Bergfreiheiten, gestattete den Einwohnern, aus abgetriebenen Waldstrecken Felder anzulegen, und ein Stadtwappen zu führen, das ausser dem österreichischen Schild und dem halben böhmischen Löwen eine Seifengabel und eine Keilhaue darstellte.

Die bis 1617 gemachten neuen Anstrengungen, den Bergbau zu heben, wurden durch den dreissigjährigen Krieg, der seine blutigen Wellen auch über die Bergrücken des Erzgebirges wälzte, unterbrochen. Und als 1653 diejenigen protestantischen Bewohner Platten's, welche nicht zum katholischen Glauben übertreten wollten, nach Sachsen auswanderten und auf dem Fastenberge die Stadt Johanngeorgenstadt gründeten, ging der Bergbau dem gänzlichen Verfalle entgegen. Nur 1739 trat eine neue günstige Epoche ein. Der Grenzzoll-Einnehmer Hessler machte in diesem Jahre auf der Zinngrube St. Conrad einen überaus glücklichen Anbruch. Sie lieferte 1740 eine Ausbeute im Werthe von 200.000 fl., die sich später auf das Vierfache erhöhte. Ebenso glücklich war Hessler mit zwei Silberzechen, dem Gottholds-Stollen und am Rosenhof. Dieser reiche Bergsegen bildete leider nur eine Ausnahme.

Spaziergänge und Ausflüge.

1. Zum *Plattenberg, nach Auerhahnl (Irrgang). Eine gute Strasse führt in nordöstlicher Richtung über den Plattenberg (1038m), von dem man eine schöne Aussicht über Platten und Bärringen hat. Bei der auf der Höhe steigenden Säule zweigt sich links ein Waldweg ab, auf dem man zu einer Triangulirungspyramide kommt, von der man eine reizende Aussicht über einen Theil von Sachsen und Böhmen geniesst.

Zur Säule zurückkehrend, kommen wir auf schöner Strasse in stiller Waldeinsamkeit nach Irrgang, wo dem Spaziergänger das kleine, aber durch seine reinlichen Gastleute bekannte sog. Auerhahnl zu einem frischen Trunk und stärkenden Imbiss einladet. Links von diesem Gasthause sehen wir ein Eisenwerk (Hilfgotteseisenzeche). Rechts unterhalb dieses Eisenwerkes liegt das sog. Schneebergl, ein mit Jungholz bewaldeter Scheitel, wo sich mehrere Verritzungen, von altem Bergbau herrührend, finden, in deren Tiefe immerwährender Schnee sichtbar ist.

2. Zur Wolfs- und Eispinge. Bei der Kolb und Kerl'schen Löffelfabrik theilt sich der Fussweg. In nördlicher Richtung führt er bei dem aus den Zeiten des Bergbaues herrührenden Pulverthurme und der ehemaligen Papiermühle vorbei. In dem niederen Fichtenstande, in den der Weg eintritt, theilt er sich von neuem. Wir halten uns rechts und kommen zu der vom Steige rechts sich befindlichen Wolfspinge. Dieselbe ist ein alter Tagbau, der nun als riesiges Felsennest von der primitiven Abbauung der Erze vor dreihundert Jahren Zeugniss gibt; die Annalen erzählen, dass man darin centnerschwere Zinngraupen gefunden hat. Etwas nördlicher kommen wir, das Augenmerk ängstlich auf unsere Füsse richtend, zur sog. Eispinge. Risse und Spalten in die Erde, die der Fuss zu überschreiten vermag, und die mit Gestrüpp überwachsen sind, verhindern den Zutritt des Sonnenlichtes in die gähnende Schlucht, in welcher ewiges Eis in mächtigen Stalagmiten, die Wände emporstrebend, sich befindet. Bemerkt sei, dass es auf dem Plattenberg ausser den beiden genannten Zeugen alten Bergbaues noch andere offene Stollen und Höhlen gibt (bei Irrgang die Schneepinge).

3. Nach *Ziegenschacht (1 St.). Von der oben genannten Löffelfabrik betreten wir links den Wiesensteig. Zur Rechten und Linken breiten sich im schönsten Farbenschmucke prangende Wiesen aus. Wir gehen gegen Norden und kommen nach kurzer Strecke in eine Fichtenjugend, in welcher zwei Waldwege führen, die sich aber wieder vereinigen. Hat man die abgeholzte Richtung erreicht, so hält man sich links. Der Weg führt wieder in einen Fichtenbestand hinein, aus dem er erst in Ziegenschacht heraustritt. Die schöne Waldeinsamkeit, der duftige Harzgeruch und brennende Meiler machen diesen Spaziergang zu dem angenehmsten in Plattens Umgebung. Gasthaus im Ziegenschacht.

Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.

Die vom Bahnhofe aus nach Schlackenwerth führende Aerarialstrasse verfolgend, betreten wir die auf der sog. Weheditzer-Zettlitzer Höhe links sich abzweigende und durch den Ort Ottowitz führende Bezirksstrasse, die sich zwischen gutbebauten und ergiebigen Fluren dahinzieht, deren Inneres auch reiche Kohlenlager birgt. Man geniesst eine hübsche Aussicht nach Zettlitz, Altrohlau. An der sog. Widitzmühle, dem Widitzhofe und einigen Häusern der Gemeinde Halmgrün vorbei leitet die Strasse durch einen grossherzoglich Toskanischen Fichten- und Föhrenwald und bringt uns nach 1¾stündiger Tour in das Dorf Grossenteich (liegt 1 St. sw. von Schlackenwerth) mit dem nördlich am Dorfe gelegenen, einem kleinen See gleichenden Grossteich von 110⅓ J. Area. Hier bietet sich ein schöne Rundsicht; man erblickt westlich die Dörfer Ruppelsgrün und Edersgrün, gegen Norden und Nordwesten das Erzgebirge mit dem Wölfling, gegen Osten und Süden das Duppauer Gebirge. Wir wandern auf der Strasse noch ¼ Stunde weiter und erreichen Lichtenstadt, wo sich uns gleichfalls eine gute Rundsicht erschliesst.