Lichtenstadt.
Gasthöfe: Zum Rathhaus. Zur Sonne.
Postamt. Bürgermeisteramt (im städt. Rathhaus).
Sehenswürdigkeiten: Eisengiesserei-Fabrik des Heinrich Reichel (5 Minuten oberhalb der Stadt). Lichtenstadt gehörte i. J. 1217 dem Wladik Hroznada, welcher es dem von ihm gegründeten Stifte Tepl vermachte. Diese Schenkung bestätigte Karl IV. am 3. Mai 1350 und ertheilte zugleich die Erlaubniss, in dem an Lichtenstadt anliegenden Walde oder auf anderen, dem Stifte gehörigen Gütern Mühlen und Eisenbergwerke anzulegen. Die Geistlichen zogen fleissige deutsche Ansiedler in die Gegend, welche in den öden Waldstrecken viele Ortschaften anlegten. Zur Zeit des Husitenkrieges kam das Gut an die königl. Kammer, bis Kaiser Sigmund 1437 es nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick zum Geschenk machte. In älterer Zeit wurde hier Bergbau auf Silber und Zinn betrieben, der aber im Husitenkrieg einging. Unter Kaiser Ferdinand I. erblühte der Bergbau von neuem, allein der 30jährige Krieg vernichtete ihn. In den Jahren 1770 und 1785 stellte man neue Bergbauversuche an, erzielte aber keine Erfolge.
Besteigung des *Wölfling. In der unmittelbaren Nähe von der Reichel'schen Fabrik erhebt sich rechts der sog. Hohenberg, an dessen Fusse der israelitische Friedhof gelegen ist; links »der ausgedehnte und hohe Glasberg, welcher mit seinen Abhängen bis an den Fuss des Gebirges (Erzgebirges) abdacht und sich als ausgebreitetes Gebirgsjoch von seiner sich steil erhebenden ansehnlichen Kuppe in nordwestlicher Richtung bis auf den Hauptkamm des Gebirges hinzieht. Der höchste Punct dieses Gebirgsjoches ist der Trausnitzberg, westlich von Salmthal. Durch die südlichen ausgedehnten Gipfel des Glasberges wird diese weiter nordwestlich liegende Kuppe, sowie der höhere Hauptkamm des Gebirges, verdeckt.« Einer der südlichen Gipfel heisst *Wölfling und gewährt wegen seiner frei vorspringenden Lage eine umfassende, prachtvolle Aussicht, wie sie nur wenige Puncte des Erzgebirges gewähren. Fast ausnahmslos in den bezüglichen Reise-Führern ignorirt, lässt sich auf dem Wölfling nur hie und da ein Tourist sehen. Wir können die Besteigung dieses Berges, obgleich die dahin führenden Wege manches zu wünschen übrig lassen, allen Erzgebirgstouristen auf das wärmste empfehlen. Wir besteigen in einer Stunde den Wölfling von Lichtenstadt aus, passiren den sog. »Kirchsteig«, der beim lichtenstädter Schiesshause seinen Anfang nimmt und durch die Waldung oberhalb des Dorfes Edersgrün führt. (Mit Wagen kommt man auf der Bezirksstrasse über Merkelsgrün, Salmthal in 1¼ St. nach Bärringen, von wo südlich der gewöhnliche Weg, das sog. »Bärringer Strass'l« durch die grossherzogliche Waldung in 1 Stunde nach Wölfling führt, oder man fährt auf der vor der Reichel'schen Fabrik abzweigenden, über Edersgrün, Tüppelsgrün bis Neudek leitenden Bezirksstrasse bloss bis Tüppelsgrün, von wo sich in nordwestlicher Richtung ein Waldweg nach Kammersgrün schlängelt; der nicht gar gute Verbindungsweg zieht sich in einer sanften Anhöhe nach Wölfling und kann ebenfalls in 1 Stunde zurückgelegt werden. Ist man am Gipfel des Berges angekommen, so sieht man das Forsthaus und noch ein einzelnes Haus. Beide bilden das »Vorder-Wölfling«. Von da bietet sich dem Beschauer ein wahrhaft entzückender und seltener Anblick von einem bunten Gemische von Waldungen, Feldern, Wiesen und Teichen, Städten und Dörfern, Bergen und Thälern, dass demselben, überwältigt von dem herrlichen, farbenprächtigen Bilde, unwillkürlich ein »Ach« entfällt. Lässt man das Auge gegen den Fuss des Berges schweifen, so erblickt man südlich und südwestlich an dem Abhange kleine Vorberge und Thäler, welche reizend aussehen; namentlich nimmt sich das Dorf Tüppelsgrün, am Tüppelsgrüner Bache gelegen, sehr schön aus. Verfolgt man die Ebene südöstlich, so sieht man viele Ortschaften, darunter Schlackenwerth, die Gegend von Buchau, Giesshübl, die Ruine Engelhaus; südlich die Gebirgskette von Tepl, die Stadt Karlsbad mit ihren Ausflugsorten, z. B. Bahnhof, Waldschloss, Dreikreuzberg, Hirschensprung und Antonienshöhe, ferner Donitz, Fischern, Dallwitz, Aich, Altrohlau, Zettlitz u. a., den Grossteich und mehrere kleinere, zu Tüppelsgrün gehörige Teiche (Wiesenteich, Haideteich); südwestlich Neurohlau mit seinem grossen Teich, Chodau mit mehreren umliegenden Ortschaften, Elbogen, Altsattel, Neusattel, Falkenau und Umgebung, Maria-Kulm, die Gegend von Eger und Franzensbad. Ueberdies wird die lachende, herrliche Landschaft – das Egerthal – von dem Silberbande der Eger durchzogen. Einen unvergleichlich schönen, köstlichen Anblick geniesst man hier kurz vor Sonnenuntergang durch das Blitzen der vielen Teichspiegel, das Brennen der Fabriks-Essen von Dallwitz, Aich, Fischern, Altrohlau und Chodau. Von Wölfling gelangt man in nordwestlicher Richtung zu dem sog. »Hohen Hau« (zu Kammersgrün gehörig), woselbst ein Gloriett errichtet ist zur besseren Aussicht auf das Egerland. – Die Strasse, welche sich nördlich am rechten Ufer des forellenreichen Wistritzbaches zwischen Wiesen im reizend schönen, romantischen Wistritzthale dahinzieht, führt nach ½stündiger Wanderung durch das Dorf Merkelsgrün, welches am Wistritzbache gelegen, rechts von Feldern, links von Wiesen umgeben ist. Beim Wirthshause führt rechts von der Bezirksstrasse eine Strasse zur Porzellanfabrik. Wir schreiten auf der nun am linken Ufer des Wistritzbaches führenden Strasse entlang weiter und gelangen nach dem an Merkelsgrün unmittelbar sich anschliessenden Orte Salmthal, das 1 Stunde nw. von Lichtenstadt an den Thalgehängen des Glasberges und Plessberges liegt. (Holzschleifereien des Wilhelm Schreiter, Heinrich Kluge u. Comp. und Johann Geutner.) (Erwähnenswerth ist, dass hier hinter dem Gasthause »zum grünen Thal« durch ein enges Seitenthal, den sog. Modersgrund, ein guter Waldweg nach Abertham führt.) Weiter thalaufwärts steigend, kommen wir nach ½ Stunde in Bärringen an.
Bärringen.
Gasthöfe: Rathhaus und Stadt Leipzig.
Post- u. Telegrafenamt. Bürgermeisteramt.
Die Bergstadt Bärringen mit 2360 Einwohnern liegt hoch im Gebirge an der Schwarzen Wistritz. Die Haupterwerbsquellen sind Rindviehzucht, Stickerei und Spitzenklöppelei. Erwähnenswerth ist wohl hier die Gimpelzucht, die den Züchtern jährlich einige hundert Gulden abwirft. Die jungen Gimpel werden nämlich aus dem Neste genommen, zu Hause erzogen und gelehrt, indem man ihnen das einzuübende Liedchen bloss mit dem Munde rein und immer gleichmässig vorpfeift. In jüngster Zeit wurde hier durch Vermittelung des Herrn Ritters von Dotzauer auch die Harzer Kanarienvogelzucht eingeführt.