Postverbindungnachdem Bahnhofe »Schlackenwerth«.
""Joachimsthal täglich 3mal.

Aemter: Bürgermeisteramt. Spar- und Vorschusskassa.

Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen, dem Grossherzog von Toskana gehörigen Herrschaft, liegt am Fusse des Erzgebirges an der Wistritz und an der Buschtiehrader Bahn in einer schönen und reizenden Ebene, welche nördlich von den gewaltigen, waldbekrönten Bergketten des Erzgebirges, westlich von dessen milderen Ausläufern, südlich von den Karlsbader Hügelketten und östlich von dem kegelartig gestalteten Egergebirge eingeschlossen wird. Dieser sehr fruchtbare, an Aeckern und Wiesen reiche Basalt-Kessel wird vom Wistritz- und Weseritz-Bache durchfurcht. Ersterer nimmt, bevor er Schlackenwerth erreicht, den Weseritzbach auf. Die Stadt zählt 2000 Einwohner, welche sich hauptsächlich mit der Landwirthschaft beschäftigen.

Sehenswürdigkeiten. Das grossherzoglich Toskanische Schloss, in einfachem Renaissancestyl erbaut, ist in jüngster Zeit durch zwei Seitenflügel und einen rückwärtigen Trakt vergrössert worden. Dasselbe besitzt einen grossartigen Rococo-Park mit hundertjährigen Eschen und Linden, stattlichen Erlen, Ahornen, Weiden, Cirpisbäumen und hohen Tannen, sowie mit anmuthig angelegten Spaziergängen. Mitten im Parke, der in den Sommermonaten von Karlsbader Curgästen und Touristen sehr häufig besucht wird, steht das im Rococostyle erbaute herrliche Gartenhaus, ein octogones, barockes Gebäude mit Restauration. (Geschichtliches siehe bei der Geschichte der Stadt.)

Die Pfarrkirche, im gothischen Styl erbaut und neu renovirt, hat ausser dem imposanten Hauptaltar noch 6 Seitenaltäre. Das Altarbild des ersteren stellt die Grabbestattung Jesu vor und ist ein Meisterwerk des berühmten böhmischen Malers Karl Skreta. Das Piaristen-Collegium mit einem durch den letzten Gymnasialdirector P. Ernst Miebes, einen geborenen Schlackenwerther, trefflich angelegten, reichhaltigen Lehrmittel-Cabinet, mit einer werthvollen Bibliothek, im grossen, schönen Archivsaale, an dessen Wänden nebst den Ahnenbildern der Lauenburger auch die Bildnisse der kaiserlichen Hoheiten Leopold II. und Maria Antonia in Lebensgrösse prangen. Für den Archäologen und Bibliographen ein Unicum: Der Manuskript-Pergamentcodex vom Jahre 1353, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, und vier Homilien des hl. Bernhard enthält.

Geschichtliches. Das Piaristen-Collegium wurde von Anna Magdalena Popelia, der Gemahlin des Herzogs Julius Heinrich von Lauenburg, 1666 gestiftet; das Gymnasium, 1780 in eine Normalhauptschule verwandelt, wurde 1804 abermals eröffnet und bestand bis zum Jahre 1820, in welchem die beiden Humanitätsklassen aufgehoben wurden, so dass nur die 4 Grammatikalklassen blieben, die aber 1852 sammt der Hauptschule geschlossen wurden. Durch die wahrhaft fürstliche Munificenz der durchlauchtigsten Frau Grossherzogin Maria Antonia und des edlen Grossherzogs Leopold II. konnte am 1. Okt. 1863 das Piaristen-Untergymnasium wieder eröffnet werden, das aber leider mit dem Schuljahre aufhörte. – In der Piaristenkirche, welche 1674 eingeweiht worden ist, befindet sich auf dem Hochaltare die Muttergottesstatue Maria-Treu, wohin nicht nur Schlackenwerther, sondern auch Katholiken aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen.

Porzellanfabrik von Pfeiffer und Löwenstein. (Rechts von der Strasse zum Bahnhofe.) – Actienbräuhaus. (Links an der Karlsbader Strasse.)

Die Erbauung Schlackenwerths (zuerst Schlawkes Warthe, später Schlawkes Werth, zuletzt Schlackenwerth) wird dem Slavek von Riesenburg zugeschrieben, welcher die Stadt dem Bürgermeister und Rath überliess, so dass dieselbe von König Johann (1310) bis zu Kaiser Sigmunds Regierung unter dem Stadtrathe verblieb, bis endlich genannter Kaiser dieselbe im J. 1419 an seinen Kanzler Caspar Schlick verpfändete, der, aus einer Egerischen Patricierfamilie stammend, bis zum Reichsgrafen (1437) emporstieg und mit Elbogen, Falkenau und Schlackenwerth belehnt wurde. Graf Caspar Schlick, dreier Kaiser Reichskanzler und »ein Mann von grosser Geistesgewandtheit«, wurde der Begründer dreier berühmten, reichbegüterten Grafenlinien, von denen die Schlackenwerther Schloss, Dominium und Stadt bis zum Jahre 1578 beherrschte. Unter der Regierung des Königs Georg von Poděbrad wurde ein Theil des Schlosses und der Stadt in Asche gelegt, da Graf Schlick mit den Schlackenwerthern an den katholischen Herrenbund gegen den König sich angeschlossen hatte. 1578 kam die Herrschaft Schlackenwerth an die Schönburge, Stadt und Schloss wurden 1621 von den Soldaten Mannfelds geplündert. Die nach der Schlacht am Weissen Berge von dem königlichen Fiscus eingezogene Herrschaft überliess Kaiser Ferdinand II. im J. 1625 käuflich dem Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Derselbe liess 1650 mit Benützung der Grundmauern des Schlick'schen Schlosses ein neues Schloss aufbauen und mit einem Geldaufwande von 60.000 Reichsthalern einen grossartigen Park anlegen, der mit seinen Wasserleitungen und 50 Springbrunnen eine Art Klein-Versailles darstellen sollte und von einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts sogar das achte Wunder der Welt genannt wurde. Dem verstorbenen Herzog Julius Heinrich folgte sein Sohn Julius Franz, dessen Tochter Franziska Sybilla Augusta sich 1690 nach dem Tode ihres Vaters (1689) mit dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden vermählte. So gelangte der Besitz an das Haus Baden-Baden, um bei demselben bis 1782 zu verbleiben. Nach dem Tode des Markgrafen August Georg erhielt dessen Nichte, die Prinzessin Elisabeth Augusta von Baden, das Nutzungsrecht der Herrschaft Schlackenwerth von der Kaiserin Maria Theresia lebenslänglich. Von 1799 fiel auch das Nutzungsrecht wieder an die Kammer zurück. Später kam Schlackenwerth an Ferdinand II., Grossherzog von Toskana. Als Grossherzog Leopold II. von Toskana, der edle, so schwer geprüfte Fürstengreis aus Habsburgs Herrscherhause, in dem verhängnissvollen Jahre 1859 mit der grossherzoglichen, hochherzigen Familie hier bleibenden Aufenthalt genommen, begann für Schlackenwerth eine neue segensreiche Periode. In Schlackenwerths Annalen wird für immerwährende Zeiten mit goldenen Lettern der denkwürdige 23. Februar 1861 glänzen, wo Leopold II., Grossherzog von Toskana und Erzherzog von Oesterreich, einstimmig zum Bürgermeister der Stadt Schlackenwerth gewählt wurde. »Leopold II. nahm aber nicht blos die Wahl als Bürgermeister an, sondern unterzog sich auch persönlich allen durch die Communalgesetze gebotenen Pflichten, ein schönes und seltenes Beispiel in der That, welches hier einerseits aus einem Familienzuge der Habsburger, der Achtung vor dem Volke, anderseits aus dem in Italiens Boden tiefgewurzelten Bewusstsein, bei der Gemeindeautonomie mit der Entgegennahme des Rechtes sich auch im strengsten Sinn der Pflicht zu unterziehen, entspringt. Diese enge Beziehung zwischen dem Grossherzog und der Bürgerschaft Schlackenwerths erneuerte sich bei der Wiederwahl (22. August 1864), deren Annahme wieder erfolgte und in der Stadt grosse Freude hervorrief.« Der durchlauchtigste Grossherzog-Bürgermeister leistete für Schlackenwerth wahrhaft Hervorragendes und Unvergängliches! Aber auch dessen durchlauchtigste Gemahlin, die Frau Grossherzogin Maria Antonia bewährte sich stets als eine hohe Gönnerin und fürstliche Wohlthäterin dieser Stadt. »In ganz ähnlicher Weise übertrug sich auch dieses Verhältniss auf den dermaligen Besitzer und seine Gemahlin«, nämlich auf Sr. kais. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Ferdinand IV., Grossherzog von Toskana, und Ihre kais. Hoheit die durchlauchtigste Frau Grossherzogin. Von hohen fürstlichen Besuchen, deren sich Schlackenwerth zu erfreuen hatte, heben wir hervor: Den Besuch Sr. kais. u. kön. Majestät des Kaisers Franz Josef I. am 23. Juni 1864, welchen Tag Grossherzog Leopold II., der damalige Bürgermeister Schlackenwerths, durch eine Gedenktafel aus Marmor am Rathhausgebäude verewigte. In demselben Jahre (am 30. Juni 1864) stattete auch König Otto von Griechenland der grossherzoglichen Familie einen Besuch ab. König Johann von Sachsen, der gekrönte Dante-Uebersetzer, Vater der ersten Gemahlin des Grossherzogs und Grossvater der Erzherzogin Maria Antoinette, der fürstlichen Dichterin, verweilte wiederholt bei der Grossherzog Toskanischen Familie zum Besuche.