Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten Schlackenwerths in Augenschein genommen haben, kehren wir der Stadt den Rücken, um unsere Tour fortzusetzen. Ein wahrhaft entzückendes Landschaftsbild entrollt sich vor unseren trunkenen Blicken! Inmitten einer vegetationsreichen Ebene mit wogenden Feldern, beblumten, saftiggrünen Wiesen und ergiebigen Obstbäumen sehen wir aus dreiviertelstündiger Entfernung die waldesdunklen und mannigfaltig geformten Berge des wie eine Mauer steil sich aufthürmenden Erzgebirges, durchbrochen von einem tiefgefurchten, romantischen Querthal, dem unsere Tour gilt. Wir wandern, aufjauchzend vor Lust, auf der schönen, beiderseits mit Obstbäumen bepflanzten Aerarialstrasse in nördlicher Richtung weiter und gelangen in einer halben Stunde nach Unterbrand, wo wir den grossherzoglich Toskanischen Meierhof besichtigen, dessen landwirthschaftliche Maschinen, den neuesten Fortschritten auf diesem Gebiete Rechnung tragend, besonders den Oekonomen interessiren dürften. Von hier erreichen wir nach ¼stündiger Wanderung das freundliche, mit Obstbäumen geschmückte Dorf Oberbrand, dessen Einwohner noch den lohnendsten Feldbau betreiben. Statt der Obstbäume bilden aber bald Vogelbeerbäume mit ihren zinnoberfarbenen Beeren Strassenspalier; wir stehen an der Eingangspforte des engen, prächtigen Weseritzthales. Die Strasse, ein schmaler Wiesensaum und die rauschende Weseritz bilden die Thalsohle, während zur Rechten und Linken die mit Fichten, Tannen und Buchen reich bedeckten Abhänge mit jedem Schritte steiler und majestätischer sich gestalten. Bald wird das immer höher aufsteigende Thal etwas weiter, wir schreiten an mehreren, schon zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Mühlen vorbei, Hansgirgs Verse reproducirend: »Im Erzgebirge, wie klappern die Mühlen so laut; so laut, wie rauschen die Bächlein gar frisch im Kühlen so traut, so traut.« Oberhalb der Herrenmühle (die dritte Mühle oberhalb der Trinksmühle mit Restauration) betreten wir – was den Touristen warm empfohlen werden kann – den links von der Strasse abzweigenden, bequemen Fussweg, der in Serpentinen durch den schattigen Wald aufwärts führt. Nach kurzer Steigung erreichen wir den ebenen Seilerweg, der, an der westlichen Berglehne sich dahinziehend, eine wunderschöne Aussicht gewährt (siehe Joachimsthaler Spaziergänge 3). Verfolgt man dagegen die Strasse, so kommt man zum k. k. Hüttenwerke (siehe Joachimsthaler Spaziergänge 2), das uns daran erinnert, dass wir in der Nähe von Joachimsthal sind, das jedoch – wir meinen die eigentliche obere Stadt – die Krümmung des Thales noch verhüllt, links erblickt man die Barbara-Kapelle. Hier sieht man den untersten Theil der Stadt, nordwestlich aufsteigend, und hoch auf dem Berge nordöstlich die Prokopi-Kapelle. Immer mehr sind die Wälder gelichtet, und was sich die Natur abzwingen liess, ist zu Feldern und Wiesen verwandelt.
Joachimsthal.
Gasthöfe: Hôtel zur Stadt Dresden, im oberen Theile der Stadt am Marktplatze gelegen. – Hôtel zum wilden Mann, das zweite Haus neben genanntem Hôtel.
Photographische Ansichten von Joachimsthal und hervorragenden Gebäuden dieser Stadt bei dem Photographen Anton Kraus (Marktplatz).
Post- und Telegraphenamt auf dem Marktplatze.
| Postverbindung | nach | Schlackenwerth | täglich | 3 | mal. |
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| " | " | Weipert | " | 1 | " |
Privatfuhrwerke bei Rudolf Günther, Christof Porkert und Wilhelm Seidl. Auf besonderes Verlangen besorgt auch der Hôtelbesitzer »zur Stadt Dresden« Fahrgelegenheiten.
Aemter. Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt, Bürgermeisteramt, städt. Forst- und Rentamt, Sparkassa (sämmtlich im Stadthause), Berg- und Hüttenverwaltung sowie Forstamt (Oberamtsgebäude), Notariat, Finanzwachkommissariat.
Beschreibung und Geschichte der Stadt.