Touren:
Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss hin. Es ist: Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden über Hauenstein-Warta-Klösterle (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken, aus welchem sich die Bergspitze Burgstadel 925m erhebt, welche einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide, welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der *Oedschlossberg 917m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen Kopfes befinden, welche vom Volke die Zwerglöcher genannt werden, weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.
Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.
Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.
Giesshübler Sauerbrunn (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in nördlicher Richtung nach Welchau am rechten Ufer der Eger in einem von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer des Gutes Welchau ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner, welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers Anton Hasch zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am 21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station »Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.
2. Kaaden-*Leskau-*Schönburg. In westlicher Richtung gehen wir von Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe Leskau sich erhebenden Leskauer Schlossberg mit der malerischen Ruine der Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet, und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge Schönburg zuzueilen. Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen Ruinen des Schlosses Alt-Schönburg. Wir geniessen von hier aus eine herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren auf Neuschönburg; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden. Retour nach Kaaden.
3. Kaaden-Klösterle-Kupferberg- (*Sphinx und *Kupferhügel) Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz. (Herrliche Partie für drei Tage.) Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem 1¾ St. entfernten Klösterle. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.
Klösterle, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.
Gasthäuser: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus, herrliche Aussicht.