„Hm! — sollte das mit seinem rastlosen Umhertreiben übereinstimmen? Zwar, was er aus den Büchern zu lernen hat, das fliegt ihm nur so in den Kopf, aber sind die Schulstunden vorbei, dann geht’s über Busch und Graben, auf’s Bogenschießen, andres Schießgewehr gebe ich ihm nicht in die Hände, so lüstern er auch immer nach den Stutz blickt, der über mein Bett hängt. — Ich denke es würde ein guter Forst- und Waidmann aus ihm werden, und läßt man so ein Wörtchen gegen ihn fliegen — huch! wie lebt und webt alles an ihm, wie blitzen seine Augen!“ —

„Da könnte ihm auf meinen Gütern geholfen werden. Ich habe einen tüchtigen Oberförster — und wenn Sie mir ihn also anvertrauen wollen“ — —

„Ich muß wohl, so ungern ich auch den Buben von mir lasse.“

„Welche Nothwendigkeit heischt aber diese Trennung?“

„Mein Hauskreutz, Herr Graf! Ein Uebel, das wohl mancher ehrliche Mann mit mir gemein hat. Mein erstes Weib starb ein Jahr nach Rellmanns Tode. Kleine Kinder, weitläuftige Haus- und Fabrikenwirthschaft nöthigten mich bald, zu einer zweiten Heirath zu schreiten. Die Stiefmutter meiner eignen Kinder, ist es zwiefach gegen den armen Georg. Darum danke ich Gott, wenn ich eine gute Freistatt für den kleinen Rellmann bei Ihnen finde, so ist ihm und mir für’s erste geholfen. Ausgestrichen wird er darum doch nicht in meinem Herzen, und so Gott meinen Handel und Wandel ferner zu segnen beschlossen, auch nicht aus meinem letzten Willen.“

Alexis drückte dem Zeugfabrikanten recht brüderlich die Hand. „Braver Mann, Sie sollen Freude an Ihrem Werk der Menschenliebe erleben. Georgs zweiter Pflegevater wird — das verspreche ich Ihnen als ehrlicher Mann — eben so väterlich für ihn sorgen, als sein Vorgänger.“

„Dann, Herr Graf! — dann wird unser aller Vater da oben einst zu uns sagen: ihr habt meinen Willen erkannt, und eure Pflichten als gute Menschen erfüllt.“

Georgs Abschied von seinem Wohlthäter kostete ihm heiße Thränen, so sehr der Knabe auch über seine Bestimmung entzückt war.