O, meine weissagende Seele! —

„Ja, ja; das Weihnachtsfest wird wohl Trauer bringen. Nun, die gute brave Excellenz ist gefaßt; aber — die Ueberraschung rathe ich doch ab.“

Meinst du? —

„Komteßchen, die liebe fromme Seele! mag den Papa vorbereiten. Sie ist ohnehin die Einzige, die nicht von der Seite des wunderlichen Kranken weichen darf.“

Und meine Mutter? —

„Weint oft in ihrem einsamen Kämmerlein, weil Excellenz die Thränen nicht wohl leiden können, und Lamentationen seinen Zustand erschweren.“

Mit einem ängstlichen Schrey des Schreckens bebte die Generalin von dem Sopha auf, dessen Polster so wie ihre Wangen von den Spuren ihres Jammers, wie im Abendthaue glänzten, als Theodor das einsame Gemach betrat, und das düster leuchtende Kaminfeuer ihn, einem Abgeschiedenen gleich, nur in unsicherer Schattengestalt kenntlich machte.

Theodor! du Schmerzenssohn! — Ein guter Engel führe dich her! — Der Moment ist wichtig, der wichtigste deines Lebens. — In der Hand des sterbenden Vaters schwankt noch das Zünglein der Waage — eile, daß die Segensschaale den Ausschlag gebe! — Adelaiden verdankst du, daß es damit noch nicht zu spät ist. —

Ich weiß alles. — Aber soll ich den Dahinscheidenden betrügen? — Ich kann die Bedingungen nicht erfüllen, und komme, seine Billigkeit, seine väterliche Nachsicht in Anspruch zu nehmen.

„Unglücklicher! du dringst nicht durch. Quittirst du, und bestehest darauf, Deutschland zu verlassen, so bleibst du — bis auf ein sehr geringes Pflichttheil enterbt.“