Adelaide entfaltete das Schreiben der Fürstin, es lautete:
„Der Tod der Solly hat freilich die Oberhofmeisterinstelle endlich erledigt, aber noch will der Zufall mir die Erfüllung meiner herzlichen Wünsche erschweren. Die Wittwe des Ministers Zach, welche durch den Prozeß mit den Lehnsvettern ihres verstorbenen Gemahls alles, bis auf ihr kleines eingebrachtes Vermögen, verloren hat — supplicirt um diese Stelle. Zach machte sich um den Staat verdient, das ist nicht zu läugnen. Eine Pension, die dem Gehalt der in Anspruch stehenden Charge gleich käme, dürfte für den Finanzetat etwas zu Ungewöhnliches, und folglich denen in der eingeführten Regel graugewordnen Verwesern desselben zu Auffallendes seyn. Der Fürst mögte sich so ungern das Vergnügen refüsiren, meine Freundin als Grande Maitresse unauflöslich an unsern Hof zu fesseln — er weiß, welchen Werth ich auf diese Gefälligkeit legen würde, — und doch kann er nicht umhin, auch Rücksicht auf die Ansprüche der verwittweten Zach zu nehmen, besonders da, als ihr naher Verwandter, der Oberjägermeister Bendheim, das Gesuch unterstützt. —
Mein Gemahl meint: hier sey guter Rath theuer! — aber ich denke: Nein. — Entschädigung werde der Hülfsbedürftigen von dem, was sonst für die überflüßige Befriedigung meiner kostspieligen Launen bestimmt war, aber nicht auf Kosten der schönsten Forderungen meines Attachements für Sie. — Dagegen erwarte ich von Ihnen, liebe Gräfin! alles Enthaltens einer unzeitigen Delikatesse; und wenn das voreilige Gerücht Ihnen die Prätensionen der Zachschen und Bendheimschen Allianz schon als akkordirt zu Ohren brächten, mir nicht durch übelangebrachte Resignation entgegen zu wirken. Ich engagire Sie für diesen Nachmittag, mich auf meine Meierei Luisensruh zu begleiten; dann das Weitere.“ — —
Nun, liebe Adele! fiel jetzt die Gräfin ein — kann ich nicht mit dem Fürsten sagen: hier ist guter Rath theuer? —
„Nichts weniger. Nie versahen uns Verhältnisse, neue unerwartete Ereignisse wohlfeiler damit“ — entgegnete die Gefragte.
Und welches Benehmen schrieben mir diese Verhältnisse vor? —
„Der Vorsehung zu danken, die meine edle Mutter durch hinlängliches Vermögen in Stand setzte, zum Vortheil einer unbegüterten Familie auf die angebotne Gnade der Fürstin Verzicht leisten zu können.“
Mein Gott! — So — de But en blanc —?
„Nicht de But en blanc! — Ihr Zweck ist redlich und unfehlbar.“
Aber die Fürstin will die Zach entschädigen. Ich selbst denke mich an Großmuth nicht übertreffen zu lassen, denn ich verlange nicht den ganzen Gehalt, die Hälfte davon möge die Revenüen der ärmern Wittwe vermehren; und somit könnten die Wünsche des Fürsten und seiner Gemahlin erfüllt werden, ohne der Ministerin Unrecht zu thun.