Der Erbprinz? — Mein Gott! ist er wieder angekommen?

„Für Niemand sichtbar, als für mich. Mit unserm Fasanenwärter im Einverständniß, kam er als reisender Jäger diese Nacht bei seiner Waldhütte an, nahm Herberge daselbst, und ließ mich durch eine falsche Einladung von Mathilden in aller Frühe dahin locken.“

Liebes Kind! die Sache ist ernsthaft — schlimmer als ich glaubte. Der Unbesonnene! Und was ist seine Absicht?

„Mich mit der Unmöglichkeit bekannt zu machen, eine längere Trennung zu ertragen. Er spricht von lästigen, ja selbst unsrer Ruhe gefährlichen Anschlägen des jungen Graf Bendheims, und droht, in längstens vier Wochen wieder am Hofe seines Vaters, berufen oder nicht berufen, willkommen oder nicht willkommen, zu erscheinen, und die beabsichteten Zwecke des Fürsten andern Händen zu überlassen.“

Die Generalin schlug die Hände über den Kopf zusammen, und blickte starr umher, als fürchtete sie, durch eine der drei Thüren des Zimmers den Unwillkommenen eintreten zu sehen. Nach einer kleinen Pause fragte sie kleinlaut: Wie hast du denn diesen Tollkopf bedeutet?

„Mit der Würde des Mädchens, das von ihm verlangen darf, einen solchen Besuch nie zu wiederholen: ihren Ruf, ihre Ruhe fürs künftige mehrerer Schonung werth zu achten. Er versprachs; indeß dem sey wie ihm wolle, meine theure Mutter sieht das Zusammentreffen aller dieser Umstände gewiß für einen Wink der Vorsehung an, ihre Ansprüche der verwittweten Frau von Zach mit der anständigsten ehrenvollsten Manier zu cediren.“

Freilich, freilich — So zusammen gehalten, bei so bewandten Fällen — bin ich genöthigt, und noch überdies mit guter Miene bei schlimmen Spiel, der Fürstin den Kauf aufzusagen, soll ihr und mir nicht das Mutterherz für Leid über unsere Kinder brechen. — O, der rasende Roland! — Verderben brächte er über mich und dich, du Unschuldige! Wohl, es geschehe, wie du mir gerathen.

Die Generalin hielt Wort, so viel es ihr kostete, die Residenz, welche nun schon ihre Heimath geworden, die Fürstin, in der sie eine schwesterliche Vertraute gefunden, und den Hof, welcher ihr Element zu seyn schien, zu verlassen, und trat mit ihrer Adelaide Anfangs Juni die Reise nach den Bädern an. Der Herbst fand sie schon als Einheimische auf Wallersee, den erwählten Aufenthalt für kommenden Winter und Sommer.

„Es ist schön, ganz wie ich es längst um Ihretwillen wünschte“ — sagte Zynthio, als Adelaide am Abend vor ihrer Abreise aus der Residenz ihm mit hoher Rührung um den Hals fiel, und eine bedeutende Thräne in ihrem Auge zitterte — „allein zu spät; was wird es jetzt überhaupt helfen? Mit blutendem Herzen beginnt die sich Opfernde die Heldenthat, und Genesung dem Liebekranken bewirkt man demohnerachtet nicht.“