Wisse, gute Adelaide, du beschuldigst mich einer Schwäche, der du selbst unterworfen bist, nur daß du dich größer, erhabener auf deinem stolzen Zelter ausnimmst! — Du schwingst dich mit der Geisteskraft eines Weltweisen zum vollkommensten Erdengeschöpf hinauf, ohne Enthusiasmus für dies glänzende Ziel würde das siebzehnjährige Mädchen dies nicht ausdauernd wollen, nicht vermögen. — Ich lebe nur dem weichen Gefühle meines Liebe und Freundschaft bedürfenden Herzens. — Mein Ideal von Glückseligkeit steht tief unter dem deinigen — aber ich umfasse es mit glühender Seele — während dich das letztere in sokratische Temperatur versetzt. — Bedaure mich, wenn du schlußgerecht Unglück für mich daraus folgerst: um so mehr, da ich dir aufrichtig bekenne, daß ich jenem Ideal treu zu bleiben mir fest gelobt, und noch nichts weniger, als für die Anträge des Großherzogs, mich entschieden habe. —

Gleiches Blut wallt in den Adern meines Bruders, gleiche Standhaftigkeit in dem System heißer reiner Liebe, motivirt auch seine Begriffe über das, was er darf oder nicht darf; so sehr diese Begriffe auch die exemplarische Staatsklugheit vor den Kopf stoßen mögen.

Verzeihe der schwesterlichen Liebe den Verrath an der Freundschaft — der nur dir Lebende ist mit deinem Entschluß, dich nie zu vermählen, bekannt. Eine Adelaide beschließt nie, ohne reiflich erwogen zu haben, und Beharrlichkeit ist dann ihr Gesetz — folglich versiegt nie die Quelle süßer Hoffnung für meinen Bruder. Sein letzter Brief überzeugt mich neuerdings, daß, kühn durch diese Hoffnung, er den Zweck seiner Sendung schlecht befördere und uns auf die gehoffte Erbprinzessin vergeblich warten lassen werde. — Verdamme ihn, wenn deine strenge Weisheit auch schon über deine Herzensgüte, ja selbst über die menschliche Billigkeit, gesiegt hat.


Am lodernden Kaminfeuer, auf seinem mit Leder beschlagenen Armstuhl sitzend, und unzufrieden mit dem Schneegestöber des angehenden Aprills aufs Fenster hinblickend, blies der Landrath von Elfen formidable Wolkensäulen von Tabacksrauch um sich — die, je mehr ihm, außer dem Kitzel des angenehmen Brandopfers Virginischen Kanasters, noch etwas Wichtigeres auf der Zunge lag, immer dicker und undurchdringlicher wurden.

Graf Hochburg ergriff jetzt auch die Beilage zum hamburgischen Korrespondenten.

„Lass das nur weg;“ sagte der alte Herr. „Mir liegt dermalen etwas näher, als jene Ediktalien, Citationen und Ankündigungen wunderthätiger Arkane. — Höre, Neffe! Ich verstehe mich nicht auf das verfängliche Betasten des guten Gewissens eines ehrlichen Kerls — also ohne Umschweife: Freund, wie stehst um dein Herz? — wem gehörts?“

Lieber Onkel! — Karoline ist mit Ihrer Einwilligung meine Verlobte —