Adelaide arbeitete mit Karolinen an einer Stickerei, die zum Geburtstag der Frau von Elfen vollendet werden sollte. Georg unterbrach mit einem Postpaket die emsigen Künstlerinnen.
Meines Bruders Hand — Mathildens, und — von Bendheim; sagte leise mit steigender Verwunderung die Empfängerin. Kaum hatte sie einen der Briefe zur Hälfte gelesen, so bat sie erblassend: Zynthio mögte die Vorzeichnung der Stickerei an ihrer Statt vollenden, und eilte in ihr Kabinet. Karoline wendete ihre besorgten Blicke auf den Sicilianer, der Adelaiden eben so betroffen nachsah.
Die Gräfin entfärbte sich, ihre Stimme zitterte; die Angst würde mich antreiben, ihr zu folgen — aber sie könnte ungestört seyn wollen. Sie, als der vertrautere Freund des Hauses dürfen vielleicht —
„Zudringlicher seyn? — Nein, Fräulein! ich verstand ihren Wink, allein seyn zu wollen. Nie habe ich gewagt, dies stillschweigende Gesetz zu übertreten. — Droht ihrem Befinden ein Unfall, so ist Betty im Nebenzimmer, und zur Hülfe im Augenblick alles bereit.“
Eine Stunde später verließ Adelaide das Schreibepult. „Guter Georg!“ rief sie dringend dem Gerufenen entgegen — „laß dir den besten Renner aus dem Stall ziehen, und eile mit diesen Briefen nach der nächsten Post, von dort aus schicke ungesäumt eine Stafette mit deiner Depesche weiter. — O über den Dienstfertigen! Die Hast, mit der er den Auftrag schon erfüllt haben möchte, läßt ihn das Nothwendigste vergessen.“
Die Briefe habe ich doch alle richtig? —
„Ja, aber ohne diesen Kommandostab geht dir kein Fußbote aufs nächste Dorf, geschweige eine Stafette — sagte lächelnd Adelaide, und warf ihm eine gefüllte Börse zu. Georg verschwand, und die Erheiterte meldete für nächstens unerwarteten Zuspruch eines halb Europa durchwanderten Gastes an.“ —
Doch nicht jener Briefsteller, der meiner guten Adelaide vorhin das Roth von den Wangen blies? fragte Karoline; sonst rechne ich ihn ungekannt schon unter die Unwillkommnen.
Nichts weniger. Es ist mein Bruder, der Euch artigen Mädchen zwar gern gefährlich werden möchte, jedoch — wenn ich darum bitte — recht sehr willkommen zu seyn, so halbwegs verdient.