„Sieh, Bursche! hielt ich dich jetzt nicht für eine Art Gecken, von denen man sagen muß: Sie wissen selbst nicht, was sie thun — in diesem Augenblick würdest du mir verächtlich! — Ich glaube, der Pinsel unterfängt sich, mich der Kabale zwischen ihm und seinem Liebesglück bei der Gräfin zu beschuldigen.“

Der Landrath war in allem Ernst böse, und Julius, der wohl einsah, daß er des Onkels Beistand nicht verlieren dürfte, legte sich mit Bitten und Schmeicheln zum Ziel. Er versprach, sich seiner Verbannung aus Wallersee auf vier Wochen wenigstens zu unterwerfen, sich still und leidlich zu verhalten, und ohne Vorbehalt auf Karolinens Hand, die jetzt der stolze Vater ihm auf jeden Fall versagen würde, dem Mädchen selbst mit der bisherigen Vertraulichkeit und wohlwollender Achtung zu begegnen.

Karolinens Bekehrung überlaß ich Adelaidens Klugheit — fügte der Landrath noch zum Schluß hinzu. — Das weibliche Ehrgefühl kann auch nur von der zarten Schicklichkeit eines Weibes in jene nöthige Reizbarkeit gebracht werden, ohne den Stolz und die Ansprüche des Mädchens zu kränken.

Die Cousine nahm des Vetters finstere Laune für Verdruß, daß er sie nun mehrere Wochen hindurch nicht sehen würde; da eine vorgeschützte Reise zu seines Vaters Bruder ihn hinderte, ihr Vergnügen durch seine Gegenwart in Wallersee zu vergrößern. Sie selbst tröstete ihn, daß nichts schneller laufe, als die Zeit, und Wiedersehen nach langer Trennung das Süßeste sey, was ein treues Herz erfreuen könne. —

Was die Frühlingssonne der knospenden Schöpfung war — so wie der junge Mai den stürmischen Aprill verdrängte, und sich schöner entwickelte, als je die Dichter ihn besungen hatten — eben das war Adelaide für Karolinens Blüthen; auch das artige Landmädchen entwickelte sich unter der jungen Gräfin Leitung zur reizenden Hebe, die selbst den Landrath mit dem Becher hoher Vaterfreude über ihre Verwandlung berauschte.

Ich hoffe, sagte Adelaide dann mit sanftem Händedruck zu dem vergnügten Alten: der Ritter würde noch gern um diese Perle einen Zug nach Palästina unternehmen.

Hm! — ich zweifle. Herzen lassen sich nichts unterschieben — und dann — zum Lükkenbüßer wäre sie überall zu gut. Ich wünschte, sie ahndete, daß sie dies als Weib nur ihrem Vetter seyn könnte, ohne daß ein wörtlicher Commentar sie davon unterrichtete.

Zeit bricht Rosen, sprüchwörtelten unsere Alten, und die ehrlichen Leute wußten wohl, was sie sagten. — Befiehlt die subtilere Nothwendigkeit, dem Geliebten nur den Grad eines Vetters zu zuerkennen, so wird Lina dem Willen des Vaters und der jungfräulichen Würde vielleicht ohne sonderlichen Zwang Gehör geben. Als sie vor einigen Tagen vernahm, Graf Julius sey, während wir einen Besuch in der Nachbarschaft abstatteten, in der Hoffnung uns zu sehen, hier gewesen, bewunderte ich die Ruhe, mit der sie seinen vergeblichen Versuch bedauerte.

Die Dirne ist leichtsinniger, als ich geglaubt hätte, aber in gegenwärtigem Fall frommt es uns allen. — Nun, ich habe meine Sach’ Gott heimgestellt — singt auch ein braves altes Lied — und ich habe meine Noth mit dem Mädchen in ihre gütige, geschickte Hand gelegt; besser konnte sie nicht aufgehoben werden; denn ich betrachte Sie als einen Engel, uns von Gott geschenkt, Leiden zu versüßen und Freuden uns zu erhöhen. —

Ich kann es dem Passionsritter nicht verargen — murmelte der Landrath, indem er sich aufs Pferd und noch einen väterlichen Liebeskuß nach Adelaidens Fenster warf — wenn er um eines solchen Mädchens willen nicht nur seiner Braut, der ganzen Welt, ja sich selbst ungetreu wird.