Dort jene Nymphen-Gestalt am Bassin, welche das mit Blumen zierlich umwundne Füllhorn über den mit Moos gekrönten Häuptern der Nestors des Karpfengeschlechts ausschüttet — sollte das nicht meine Adelaide seyn? — dachte Theodor und eilte leise, die ihn nicht bemerkende Pflegerin der Wasser-Patriarchen mit seiner Umarmung zu überraschen.
„Willkommen an meinem Herzen, du Einzige!“ rief er, und erstickte mit einem feurigen Kuß den Schrei auf ihrer Lippe, als die Erschrockene das Gesicht kaum zur Hälfte nach ihm gewendet hatte, welches ein neidischer Basthut verbarg.
Karolinens Bestreben, sich aus den Armen des ungestümen Fremden zu winden, bewirkte in der nächsten Minute die Erkennung seines Irrthums. Verlegenheit und Entschuldigung von einer, — Bestürzungstammelndes: Wer sind Sie? glühende Wangen, furchtsam forschende Blicke von der andern Seite, machte die Unterhaltung für Beide zwar interessant genug, doch gewann sie nur durch Adelaidens Herbeifliegen an Lebhaftigkeit und leichterer Erklärung.
„Noch einmal an mein Herz, Theodor, du sehnlichst Erwarteter!“ sagte Adelaide, indem sie den kaum Freigelaßnen wieder mit einem Arm umschlang, und mit dem andern Karolinen an sich zog — „ich verlange vollen Ersatz der Küsse, die meine Freundin Karoline von Elfen auf meine Rechnung empfangen hat.“
Ich will den mir nicht gebührenden Empfang an die Behörde ehrlich erstatten, erwiederte diese, und begann die Zahlung auf Adelaidens Lippen. Graf Wallersee wollte die Entschädigung selbst leisten, und Karolinens Verwirrung erneuerte sich, als sie auch ihre Wangen von Theodors Küssen brennen, und sich mit dessen Schwester zugleich von seinen Armen umschlungen fühlte.
„Das hätte er doch nicht thun sollen!“ klagte sie sich eine halbe Stunde später, als sie in ihr Kabinet geflüchtet war, um die vertraulichen Mittheilungen des ersten Wiedersehens zwischen Geschwister und der erfreuten Mutter nicht zu stören. „Wie mich die Lippen schmerzen! wie ich glühe! und die Brust — er muß mich gewaltig gedrückt haben: denn es ist mir so beklommen. So küßt Julius nicht, nein! so nicht. Ach, der Vetter sollt’ es von ihm lernen — ich glaube, sein Kuß wäre süßer!“
Nichts mehr von dieser Julie La Valette! ergoß sich das geheilte Bruderherz den nächsten Tag, als er mit der geliebten Schwester in der Jasminlaube saß. — Herkules stand am Scheidewege. Die Phryne ließ die Maske noch früh genug fallen; ich entdeckte die Abgründe ungeachtet der täuschenden Blumenpfade, so wie Julie meine Kräfte, ihren unersättlichen Eigennutz zu befriedigen, schwinden sah. Durch manche meiner Erzählungen war ihr dein Edelmuth bekannt; frage nicht, welche Projekte die Elende darauf bauete. Als ich sie entschlossen verwarf, enthüllte sich das Laster; ich schleuderte die Natter von mir, und dankte Gott, daß noch kein unauflösliches Band mich mit — der Vice-Gemahlin des Düc de *** vereinigt hatte. Frankreich hatte keinen Reiz mehr für den Getäuschten, ich kehrte zurück, und denke doch wohl noch einen Platz in meinem Vaterlande zu finden, auf den sich ein Stück Brod verdienen und ruhig essen läßt.
Sophie ist vermählt — sagte Adelaide — einer Bedingung wärest du also enthoben, wenn deine Neigung nun einmal nicht für sie gesprochen hätte; und der Majorats-Herr darf hoffen — —