Nun so staune denn noch die Nachwelt die Seelengröße eines Weibes an, das sich geneigt fand, in den Armen eines jungen hübschen Mannes, der ihr Liebe einflößte und ihre Menschheit in Wallung bringt — eines Herzens zu spotten, das sich für sie verblutet, Thron und Leben mit ihr getheilt hätte, eine Venus Urania mit Minervens Weisheit begabt, in ihr anbetete. — O, ich Thor! der bei der Berührung ihrer Fingerspitzen sich zu einem Gott erhoben fühlte! — Doch, vergolten soll ihr werden — ich will ihr einen Spiegel vorhalten, Worte ihr in’s Gewissen rufen, vor denen sie wie eine gemeine Sünderin erbleichen soll! — Geduld, wir sprechen uns.
Um Gottes willen! was wolltest du?
Der Einladung gehorchen, die das Mädchen von Wort an mich ergehen ließ. Auf den achtzehnten November bin ich bestellt, sie in die Brautkammer zu begleiten. — Den zweiten Januar soll die berühmte Vermählung seyn? — Ich halte mich an die erste Verabredung. — Im Sarge, sagte sie. — Hahaha! — Einer Leiche ähnlich will ich dich schminken, Schauspielerin! — Jetzt fort zur Jagd. Der alte Hirschfänger Bendheim soll seine Freude an meiner Mordlust haben!
Im Hause des Landraths von Elfen wurden wieder einmal große Anstalten zu einem Banquet getroffen, desgleichen der sonst Ruhe und häusliche Bequemlichkeit liebende Hausherr sich nur selten zu Schulden kommen ließ. Für Tafelmusik war gesorgt, auch sollte ein lustiger Tanz die Gäste das Abschiednehmen vergessen, und — nicht wie man zu sagen pflegt in den Tag — sondern in die Nacht hineinleben und jubeln lassen. Adelaidens Nahme prangte im Blumengewinde über den Aufsatz der Tafel. Köche waren verschrieben worden — wiewohl unter vierzig der auserlesensten Speisen, welche selbst den Gaumen eines Domherrn gekitzelt hätten, die beliebten Klöße mit gebacknem Obst nicht fehlen durften, denen Adelaide einst huldigte. — Alles lebendige Wesen der Elfenschen Hausgenossen- und Dienerschaft drehte sich um die Achse des Strebens, das heutige Fest zu verherrlichen.
Anderthalb Stunden über Mittag waren verflossen, da erinnerte neckend Frau von Elfen ihren mit nochmaliger flüchtiger Revision der bereiteten Tafel beschäftigten Gatten — daß heut vor einem Jahre er gewaltig über das Verweilen der Wallerseeschen Damen geeifert, und sie fast aus Ungeduld wieder in die Residenz zurückgewünscht habe. Nun, da eine von ihnen sein Schooßkind geworden, mache er es wie alle schwache Väter, er übersehe mit freundlicher Geduld ein Vergehen des Lieblings, welches er an den weniger geliebten Kindern mit Strenge rügen würde.
Länger halte ich es auch wirklich nicht aus — sagte von Sorge ergriffen der Landrath. — Ich reite ihnen entgegen, die schon anwesende Gesellschaft mag mich entschuldigen! — es muß etwas vorgefallen seyn; sie versprachen mit Hand und Mund sich pünktlich um zwölf Uhr einzustellen. — Sieh, was ist das? Julius sprengt in den Hof, als wenn ein Heer Kosacken hinter ihm drein jagte. Er ist todtenblaß — Großer Gott! —
Er eilte dem Grafen entgegen. Um Gottes willen! — schrie dieser. Onkel! schicken Sie nach dem Arzt, nach unserm geschickten Weidenbach; fort, fort — Ihre Jagdkalesche — was die Pferde laufen können!
Weidenbach ist hier, der befindet sich schon unter den angekommenen Gästen. —
O, Gott sey Dank! —