Kind! ich begleite dich — versicherte bedächtig die Generalin. Ich hätte keinen ruhigen Augenblick zu Hause.

O, dann werden mir zwei Wünsche für einen gewährt! liebkoste ihr zärtlich die dankbare Tochter.

Ueberraschen werden wir sie freilich — meinte die Mutter — Theodor ritt schon diesen Morgen hinüber — melden konnte er uns nicht, denn er wußte von nichts. Wir überfallen sie beim Mittagstisch — denn jetzt müssen wir fahren; lange dürfen wir auch nicht ausbleiben: erstlich die Abendluft; dann kommt heute Graf Julius wieder. — Zwei, drei Stündchen sind bald verstrichen! — ermahnte die Besorgte noch, und trippelte, sich zu der Ausfarth anzuschicken.

Du leistest uns doch auch Gesellschaft, guter Zynthio? flötete ihm schmeichelnd die liebliche Freundin zu — Sieh, wenn du fein vernünftig seyn, und es dir nur allein gesagt seyn lassen willst, so wisse — daß ich wohl zum Letztenmal mit den Lebenden gemeinschaftliche Sache machen, und mit euch herumkutschiren werde! —

O Gott! — Wie lange war ich mit dieser Neuigkeit vertraut! — Ja, Adelaide! — längst riß sich schon die Hoffnung aus meiner Seele! — Sie haben mich ja Resignation gelehrt! —

Dank, feurigen Dank dir! edler, geliebter Bruder! — Wüßtest du, wie glücklich mich deine Fassung macht! Nun kann ich erst mit Sicherheit eine Last — ach eine sehr angenehme Last auf deine Schultern legen; dir ein Vertrauen gewähren, das du standhaft und doch mit theilnehmendem, fühlenden Herzen aufnehmen und seine Bedingungen erfüllen mußt! — Bald, bald sprechen wir deutlicher hierüber. O Zynthio! behalte diesen Muth bei! du wirst dann ein großes Verdienst um die Heiterkeit meiner letzten Stunden haben — Ich sage dir: dein Lohn wird in deiner Liebe zu mir liegen — denn du wirst erfahren, daß der Tod mir ein beneidenswerthes Geschenk war!

Und ich soll dieser Wohlthat nicht theilhaftig zu werden wünschen? —

Nein, Zynthio, nein! Dein Leben sey dir heilig! — Sey mir das, was ich einst meinem Vater war; mein letzter Wille hat große Forderungen an dich — wem könnte ich sie anvertrauen, als dir! —

Das war ein großes Wort! von Adelaiden gesprochen, ein großes Wort! — Wohl, ich will und werde dies Vertrauen rechtfertigen!

Gott Lob! wir sind einig. — Man kommt, nichts mehr von meiner nahen freundlichen Aussicht! — nicht alle sehen mit unsern Augen.