Sonderbar! sagte finster der hinzugetretene Prinz. Es scheint, Sie besiegelten bei diesem Altar einen Bund mit ihrem Blute, das selbst die makellose Reinheit meiner Schwester zur Mitschuldigen bezeichnete.
Einen Bund des heiligen Andenkens dieses Altars! fiel schwärmerisch Mathilde sein. Wem der Tod dieses Engels das Herz zerriß, der weihe sich dem mit Blut besprengten Bunde!
Der weihe sich ihm, bis das zerrissene Herz kein Blut mehr zu vergießen hat! — sagte Julius, und nahm die ihm über dem Sarg dargebotne Hand Mathildens.
Ein vernehmliches Ah! zitterte aus Adelaidens Brust, eine schwache Bewegung erschütterte den leblosen Körper —
Was war das? — Allmächtiger Gott! werden die Todten lebendig? fragten sich die Ergriffenen. Schauder der Ahndung durchbebte die Bundesverschwornen. — Die Schloßuhr schlug sechs; das dumpfe Trauer-Geläute der Kirchen umliegender Dorfschaften begann, und unsichtbare Chöre tönten in sanft klagenden Harmonieen.
Doktor Weidenbach trat ein; er hörte und eilte, sich selbst zu überzeugen. So waren doch meine Zweifel gegründet? rief er. Jetzt erst hat die Seele den Körper verlassen. Die Veränderung der Liniamente, das Ausspannen des Körpers — jetzt können wir mit Gewißheit sagen, daß sie aufgehört hat zu leben. Der bisherige Zustand war — ein Scheintod.
Phrenetisches Lachen schallte aus dem Zimmer der Generalin dem Leichenzuge nach. Den Fackelschein, das Läuten der Glocken, hielt die freudige erwartungsvolle Mutter für das Zeichen, daß Alexis und Adelaide im hochzeitlichen Pomp sie einzuholen kämen. Das heftige Lachen endete mit einem Stickfluß — und als das Trauergefolge zurückkam, war wirklich Gräfin Ludmilla dem Theuersten, was sie auf Erden gehabt — ihrem Gemahl und ihrer Tochter nachgefolgt.
Die Morgendämmerung fand den Prinzen in lebhaftem Gespräch mit Zynthio in des Letztern Zimmer.