Er muß dieser Feierlichkeit ausweichen, antwortete Mathilde. Ueberhaupt wäre Beschäftigung, Zerstreuung das heilsamste für ihn. Wir wollen ihn dieser Einsamkeit entziehen —

Das wäre Wohlthat für den armen Julius, meinte Karoline.

Und als wohlthätige Absicht wenigstens nahm Graf Hochburg die schmeichelhafte Einladung Mathildens auf; in den nächsten acht Tagen trieb ihn sein rastloser Schmerz der Freundin seiner Adelaide, der Genossin des Trauerbundes, nach in die Residenz.


Still wie in dem Kloster La Trappe war es jetzt in Wallersee. Zynthio traf Reiseanstalten, er mußte für seine Gefährten mit denken, denn Georg und Betty schlichen traurig ab und zu; ihnen war eine Zeichnung von Adelaidens schöpferischen Händen — eine Blumenguirlande, so diese in ihren Haaren getragen, eine ihrer Lieblingscompositionen für Guitarre oder Pianoforte das wichtigste, was sie als Erbstücke mitzunehmen und sorgfältig einzupacken würdig erachteten. Schon war der Tag ihrer Abreise festgesetzt, als Georg eines Abends athemlos und zitternd in seines Freundes Zimmer stürzte. Adelaidens Geist! rief er — oder mich täuscht ein Blendwerk der Hölle. Er riß Zynthio mit sich nach dem untern Stockwerk, wo er die Erscheinung gehabt —

Ist’s möglich? rief Zynthio, als er die Fremden erblickte — Wen sehe ich? —

Ihre Schwester Seraphine, Signor Camillo! — sagte Graf Bendheim. Ich bedaure! ich glaubte Freude zu bringen, und finde ein Haus der Trauer.

Verzeihen Sie, Herr Graf, wenn ich überzeugt bin, daß Sie ein Haus des Friedens in Trauer und Verwirrung zu versetzen hofften. Sie sehen, Ihre Absicht ist vereitelt, der Zweck Ihrer Reise nach Italien verfehlt, und Sie geben mir wirklich, gegen Ihren Willen, den Trost, eine geliebte mir anvertraute Schwester früher wieder zu finden, als ich hoffen durfte, nachdem ich die Andere verlor! — Und wer ist ihre zweite Begleiterin? —

Zynthio! Kennst du mich nicht mehr? — Aloyse Prospero!

Zynthio lag in den Armen seiner Schwester und ihrer mütterlichen Freundin. Wirklich, Herr Graf! Sie haben weder Aufwand noch Mühe gespart, in dies Haus der Trauer Freude zu locken. Möchte Ihnen das Bewußtseyn genügen, daß es Ihnen gelungen ist! — Georg, du meldest wohl den Herrn Grafen bei dem Herrn des Hauses —