Meine und deine Schwester Seraphine! — Georg, Betty, Seraphine — wir alle ein Bund — eine Familie! — Adelaide! — Sieh herab und lispele dein heiliges Amen! — Signora Prospero, Sie verloren Ihren Gatten — lassen Sie uns ihre Kinder seyn!

Adelaidens freundlicher Segen mußte über der Gruppe geschwebt haben. — Unvergeßlich war ihnen der verklärte Engel, aber die hoffnungslose Trauer gieng bald in sanfte dankbare Erinnerung über. Zynthio Camillo erfüllte, was er der Verewigten gelobte; er machte Betty glücklich, und ward es mit ihr als Gatte und Vater. — Georg, der in Seraphinen Adelaidens Ebenbild verehrte, freuete sich — da zu dieser Verehrung sich bald die zärtlichste Liebe gesellte — der Großmuth seiner Wohlthäterin, kaufte sich im Canton Zürich sehr vorteilhaft an, und Zynthio umarmte nun den Freund auch als den liebenden und geliebten Gatten seiner Schwester.


Der Erbprinz söhnte seinen Vater, durch die Vermählung mit der ihm bestimmten Prinzessin, mit sich aus. Ob er glücklich ward? — Er bestieg zu bald nach dem prunkenden Beilager den Thron — ernste Geschäfte, Regierungssorgen, ließen ihm selbst kaum so viel Muße, sich diese Frage aufzuwerfen — deren Beantwortung, wie man erlauscht haben will, sich dann gemeiniglich in einen schweren Seufzer aufzulösen pflegte.

Julius Graf von Hochburg wurde, auf Mathildens Verwendung, Kammerherr. Die Bundesgenossen recapitulirten ihre melancholischen Gefühle in den Stunden der Weihe, deren Losungswort: Adelaide! war. — Das Frühjahr kam, mit ihm die Gelegenheit zu romantischer Feier des Bundes der Trauer. — Ein Zypressenhayn, das Flöten klagender Nachtigallen, nährte die Seelenkrankheit der Geweihten bis zur Unheilbarkeit. — Ja, müßige Höflinge wollten sogar bemerkt haben, daß sich noch ein neues Uebel dazu geschlagen.

Der junge Großherzog, welcher viel heißes Blut: aber nicht die geringste Anlage zu dergleichen mystischen Gefühlen besaß, und dessen Ansprüche auf Mathildens Hand ihn, nach seiner Meinung vollkommen berechtigte, die Genesung der Prinzessin ernstlich zu wünschen, war mit den Symptomen der vermehrten Krankheit höchst unzufrieden. — — Eine Jagd ward veranstaltet: Graf Hochburg, sonst kein leidenschaftlicher Jäger, wollte heut in Verfolgung eines Hirsches den Preis gewinnen, um damit diesen Abend von seiner erhabenen Bundesgenossin im Zypressenhayn bekränzt zu werden. Er sprengte dem Verfolgten in das Dickicht des Waldes nach — ein Schuß fiel — der vielleicht dem Wilde galt — und Julius sank blutend vom Pferde.

Mathildens Verzweiflung war keiner Verstellung fähig; — Argwohn bemächtigte sich ihre Herzens — mit Abscheu stieß sie den Durchlauchtigen Bewerber von sich — die blutige Locke des Gemordeten trug sie an Arm und Busen. — Das erregte Aufsehn beunruhigte den Hof — ein fürstliches Stift nahm die Unglückliche auf, und entzog sie den Augen der boshaft richtenden Welt.

Ein schmerzliches Ach! — entwand sich Adelaidens nicht mehr athmender Brust — als jener mit Blut geweihte Bund über ihrem Sarge geschlossen wurde! — Nur zu bedeutend war dieses ominöse Zeichen!