Höflich dankte er ihr und verriegelte hinter ihr die Tür.
Sie kam wieder, sie pochte und fragte und wollte sich den Eingang erzwingen. Zu einer Stunde, da die liebliche Sidla, von Tanz und Liebe ermüdet, auf weichen Teppichen soeben in Schlummer gesunken war.
Sebastians Zorn erwachte. Er wies die Störerin hinaus, verlangte sein Hausrecht und den Frieden seiner Stube, die er ehrlich bezahlte.
Da brach es wild hervor, was an Enttäuschung und Groll in Frau Ruhnaus Innerem kochte. Von erwiesenen Wohltaten sprach sie, von Undank und Bettelstolz. Sie fragte, ob er wirklich glaube, für die lumpigen paar Groschen solche Kost und Pflege beanspruchen zu können. Sie sagte viel Böses. Und der arme Träumer erwachte.
Er sah ein, daß er nur Gnaden genossen, wo er geglaubt hatte, Rechte zu besitzen.
Es war ein böses Erwachen.
Wie ein Schlaftrunkener stand er verwirrt vor der Scheltenden. Dann griff er nach Hut und Mantel und lief hinaus. Seinen einzigen Bekannten, den Bureaudiener Franz, um ein Obdach für die Nacht zu bitten.
Am anderen Morgen mietete er die erste schlechteste Wohnung. Eine kleine Kammer im vierten Stockwerk eines düsteren Hinterhauses. In sein altes Heim kehrte er nur zurück, um seine Siebensachen zu packen.
Frau Ruhnau, verängstigt und reuevoll, versuchte eine tränenreiche Versöhnung. Mit der eigensinnigen Festigkeit der Schwäche wies Sebastian sie ab. Aus den Räumen, die ihm vierundzwanzig Jahre die Heimat bedeuteten, ging er grollend in die unbekannte Welt.
Nun war er ganz frei. Wenn er abends nach Hause kam, war sein Zimmer nicht geheizt, sein Bett nicht geordnet, sein Mahl nicht bereitet. Aber er konnte ungestört lesen und träumen, niemand belästigte, niemand befragte ihn.