Als der Frühling kam, hätte er ganze Nächte im Freien umherlaufen können, ohne jemanden zu betrüben. Nur daß seine Kräfte nicht reichten. Eine bleierne Müdigkeit hing ihm im Körper. Der Husten, der ihm den Schlaf störte, quälte ihn auch bei Tage, stechende Schmerzen benahmen ihm Atem und Sprache, mühsam nur trugen ihn die Füße von der Wohnung zur Arbeit.

In der Kanzlei war man immer freundlich zu ihm gewesen. Man hatte sich an seine stille, bescheidene Art gewöhnt und ihm manche Nachlässigkeit verziehen. Jetzt verlangte die Menschlichkeit, seinen Zustand nicht zu übersehen.

»Es geht nicht länger mit dem Schierke, Herr Justizrat« sagte der Bureauchef, während er die Akten zur Unterschrift vorlegte. »Er macht nichts als Dummheiten.«

»Verliebt?«

»Krank, schwer krank, wie ich fürchte. Sieht aus wie der Tod.«

Der Justizrat war gutmütig, wenn seine Zeit es ihm erlaubte.

»Dann kann man ihn doch nicht ohne weiteres auf die Straße setzen! Schicken Sie ihn zum Arzt, gleich heute. Und er soll sich morgen bei mir melden, zwischen neun bis zehn Uhr, ehe ich aufs Gericht gehe!«

Es bedurfte keiner langen Untersuchung.

»Essen und trinken Sie so gut wie möglich« verordnete der Arzt. »Kleiden Sie sich warm, und wenn Sie vielleicht Verwandte auf dem Lande haben, um für ein paar Wochen zu verreisen ...«

Nur dies eine Wort blieb in Sebastians Hirn haften: