Reisen – reisen – weit weg – nach Indien!
Der Maitag war warm und lockend, im Bureau erwartete man ihn nicht. So lange hatte er nicht unter Bäumen gesessen, am Rande eines Sees.
Trotz Müdigkeit und Schmerzen wanderte er hinaus. Doch die Seligkeit von früher wollte nicht über ihn kommen. Er fror im hellsten Sonnenschein, seine Phantasien verdichteten sich zu bösen Träumen.
Die wilden Weddahs, Teufeln gleich in ihrer braunen Nacktheit, schlichen aus dem Gebüsch, umtanzten ihn und stachen ihn mit ihren Wurfspießen. Die gelbe Kobra, Indiens Riesenschlange, zischte ihn an, blähte den giftgefüllten Schlund, umschnürte mit kalten Ringen die erstickende Brust.
Von plötzlicher Angst gejagt, lief er heim. Auf der Treppe sank er zusammen, ein Strom von Blut brach aus seinen Lungen.
Er lag in seinem Bett allein und verlassen. Ab und zu sah die Nachbarin nach ihm. Aber sie hatte selbst sechs Kinder und reichliche Arbeit.
»Er muß ins Krankenhaus« sagte sie zu Franz, der täglich kam und zuweilen Erfrischungen brachte, die der Justizrat schickte. »Das muß doch sein Dienstherr bezahlen. Lange macht er's doch nicht« setzte sie leiser hinzu.
Franz stimmte bei, auch der Arzt teilte ihre Ansicht.
Aber wie ein eigensinniges Kind widersetzte sich Sebastian. Nur nicht ins Krankenhaus. Er bat und weinte. Dann kam das Fieber, der Husten und das rote Blut ...
Der alte Diener war in Verzweiflung. Da fiel ihm Frau Ruhnau ein. Eine tüchtige Frau war sie gewesen, trotz alledem. Vielleicht wußte sie Rat.