Die Kammer, das Bett, die Wäsche, alles klebte voll Staub und Schmutz. Die Luft selbst roch nach Unsauberkeit und Armut.

Und draußen war es Sommer. Selbst in dieser traurigen Straße.

Eben war es einem Sonnenstrahl gelungen, die hohe Mauer zu erklettern. Aber gleich war er wieder weg, als sei er erschrocken zurückgefahren.

»Herr Doktor.« Frau Ruhnau sprach langsam und überlegend, »mein Schwager, er hat'n Fuhrgeschäft in der Möckernstraße, der hat so'n kleines Häuschen zwischen Treptow und Eierhäuschen. Am Sonntag fährt er mit der Familie 'raus, und an warmen Sommerabenden vergnügt er sich da mit's Angeln. 'S is man 'ne Kabuse, 'n bißken feucht mag's auch sein –. Aber immer noch besser wie hier. Wat meinen Sie, wenn man den Jungen da 'rausbrächte, könnt' er sich da erholen?«

Der Arzt schwieg.

»Könnt' er's wenigstens – aushalten?«

»Das kann ich Ihnen nicht garantieren. Die Natur ist unberechenbar. Aber er kann doch nicht draußen ganz allein –«

»Dafür lassen Sie mich sorgen. Ich hab' ihn von klein auf gekannt, er ist wie mein eigener!« sagte sie noch rasch. Ganz rot wurde sie dabei. Wenn der Doktor wüßte.

»Dann habe ich nichts dagegen.« Es wird ihm das Sterben erleichtern, dachte er bei sich.

Am nächsten Nachmittag, es war etwas spät geworden der Pferde halber, die nicht früher frei waren, trugen Frau Ruhnau und ihr Schwager den kranken Sebastian die Treppen hinunter. Sie betteten ihn sorgsam in den offenen Wagen, der Mann sprang auf den Kutschbock, die Frau saß auf dem Rücksitz und hielt des Kranken Hände.